Die Endstation Vaihingen bei Nacht – hier ist die Wendeanlage hinter den Bahnsteigen zu sehen. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

S-Bahn, Stadtbahn, Bus: Gleich drei öffentliche Verkehrsmittel machen Halt in Stuttgart-Vaihingen. Die Endhaltestelle ist in vielerlei Hinsicht besonders.

Stuttgart - Am späten Vormittag ist es fast leer auf den Bahnsteigen. Nur wenige Menschen, hauptsächlich Senioren, sind an der Haltestelle Vaihingen zu sehen. Grau liegen die Gleise im Regen, der Wind pfeift um die Hausecken des großen Hotelgebäudes, das direkt neben der Endstation in den Himmel ragt.

Ein Stadtbahnfahrer steigt aus und flüchtet vor dem Regen unter das Dach des Bahnsteigs – Zeit für eine kurze Raucherpause. Als eine Bahn der Linie U3 einfährt, wird es hektisch: Mit wenigen Schritten eilen Fahrgäste über den Bahnsteig, um rasch in die U1 nach Fellbach umzusteigen, die bereits wartet. Der Aufenthalt an der Endstation dauert für sie nur ein paar Minuten.

Dabei lohnt es sich durchaus, die Haltestelle Vaihingen genauer zu betrachten – weist sie doch einige Besonderheiten auf, die andere Stationen nicht haben. Eine davon lässt sich besonders gut von oben erkennen, aus dem 11. Stock des Pullman Hotels etwa. Von hier oben schweift der Blick zunächst weit über Vaihingen und das Industriegebiet, in der Ferne sieht man den Fernsehturm, die Hochhäuser des Asemwalds und den Flughafen.

Eine der ältesten Stadtbahnhaltestellen

Rund 40 Meter unter dem Hotelfenster, direkt hinter den Bahnsteigen, auf denen sich vor allem zu Stoßzeiten morgens und abends zahlreiche Fahrgäste tummeln, liegt die viergleisige Wendeanlage. Dank ihr, erklärt Hans-Joachim Knupfer, Pressesprecher der SSB, könne man das Gleis schneller räumen und sei auch für großen Andrang gerüstet. Dass es eine solche Wendeeinheit ausgerechnet in Vaihingen gibt, sei historisch begründet: „Man hat sehr leistungsfähig und langfristig geplant und durch die Umgestaltung der Anlagen der damaligen Bundesbahn war der Platz dafür da.“ Deshalb gibt es dort als Sonderfall jeweils zwei Bahnsteige, einen nur zum Aussteigen, einen nur zum Einsteigen. Die Züge wenden also nicht am Bahnsteig, sondern in der Abstellgruppe dahinter, erläutert der SSB-Sprecher. 1985 ging mit der U3 die erste Stadtbahnlinie zwischen Plieningen, Möhringen und Vaihingen in Betrieb. „Damit gehört Vaihingen zu den ältesten Stationen“, sagt Knupfer.

Im April 1990 eröffnete direkt an der Haltestelle ein Hotel, das schon damals den Namen „Fontana“ trug. Das Haus mit den 252 Zimmern wurde einige Zeit lang von der Hotelkette Dorint geführt, inzwischen wird es von Pullman betrieben. „Doch der Name Fontana ist immer geblieben“, erklärt Eva Binder, die Qualitätsmanagerin des Hotels. Die Namensgebung habe vermutlich etwas mit Wasser, womöglich mit den Stuttgarter Mineralquellen zu tun, doch so ganz genau wisse man das nicht.

Was Binder hingegen sicher weiß, ist, dass das Fontana von der direkten Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr profitiert. Die vielen internationalen Gäste schätzen die Nähe zum Flughafen und dass die S-Bahn direkt neben der Stadtbahn hält. Das SI-Centrum mit dem Musical in Möhringen, die Messe auf den Fildern und die Stuttgarter Innenstadt seien vom Verkehrsknotenpunkt Vaihingen aus gut zu erreichen.

Bedeutung als Verkehrsknotenpunkt wächst

Dass Bus, Stadtbahn und S-Bahn an einem Ort halten, kommt SSB-Sprecher Knupfer im Nahverkehrsnetz von Stuttgart nicht allzu häufig vor – und eine Endhaltestelle, die von drei Stadtbahnlinien angefahren wird, findet man nur in Vaihingen: „Normalerweise sind es maximal zwei Linien pro Endhalt.“ Die Bedeutung des Stadtteils als Verkehrsknotenpunkt dürfte zukünftig weiter zunehmen. „Vaihingen wächst gewaltig“, sagt Knupfer.

Trotz allem geht es hier noch verhältnismäßig ruhig zu, das findet zumindest Cemal Özmen, der in dem kleinen Kiosk zwischen Bahngleisen und Hotel Snacks, Getränke, Zeitungen und Zigaretten verkauft. „Hier ist Vaihingen, nicht Stuttgart“, sagt Özmen, der auch schon in der Innenstadt gearbeitet hat. Dort sei es hektischer. Viele seiner Kunden kommen auf dem Weg zur Arbeit bei Özmen vorbei. Am besten verkaufen sich Zigaretten, hat er beobachtet. Kurz darauf betritt eine Frau den Kiosk und bittet um eine Schachtel, Özmen muss weiterarbeiten.

Wer vom Kiosk aus zu den Gleisen läuft und am Hotel vorbei zur Wendeanlage geht, gelangt über einen Abstecher ins Wohngebiet zur Fußgängerbrücke, die über die Gleise hinweg bis zur Ecke Heßbrühl-/Liebknechtstraße führt. Von der Brücke aus lässt sich die Endhaltestelle gut beobachten. Eine Stadtbahn der Linie U8 hält in der Wendeanlage. Der Fahrer verschwindet kurz im Toilettenhäuschen. Wenige Minuten später steigt er wieder in die Bahn und fährt los. Sein Aufenthalt in Vaihingen ist nur von kurzer Dauer.

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