Zell ist ein Stadtteil mit Selbstbewusstsein und Courage. Der Bürgerausschuss setzt sich für viele Themen ein.
Esslingen - Der Spaziergang beginnt in der Bachstraße. Dem „urbanen Zentrum“ von Zell, wie es Michael Paulsen, der Vorsitzende des Bürgerausschusses, nennt. Er verweist augenzwinkernd „auf die Wasserspiele, die hier an den unterirdisch verlaufenden Zeller Bach erinnern“. Geschäfte, Banken und Friseure gibt es hier, und ein Bücherregal zum Austausch von Lesestoff. Zum Backhausplatz am Ende der Bachstraße kann Michael Paulsen einiges sagen. Namensgebend sei das Backhaus, der Platz sei vor über zehn Jahren mit großem Einsatz des Obst- und Gartenbauvereins geschaffen worden, und der Bürgerausschuss wolle diesen Platz als Begegnungsstätte im Alltag fördern: „Dazu wurde bereits vor 2,5 Jahren ein Ideenwettbewerb ausgerufen, an dem sich auch die Grundschule Zell mit tollen Entwürfen für den „Brunnen“ eingebracht hat. Leider ließen sich diese nicht umsetzen, da es sich um eine als Baudenkmal geschützte historische Viehtränke handelt.“ Nun werde eine andere Idee umgesetzt. Die regional bekannte Künstlergruppe „Hakle bunt“ habe aus Natursteinen einen Ochsen geschaffen, der demnächst als Dauerleihgabe auf dem Platz Rast machen solle. Da die erhoffte Förderung durch die Stadt ausblieb, suche der Bürgerausschuss Sponsoren für Transport und Aufstellung von „Peter“ sowie die weitere Ausgestaltung des Platzes.
Vom Ortszentrum geht es hinauf zum Hangelstein. Es sei eines jener Wohngebiete, mit denen Zell schon vor Jahrzehnten neuen Wohnraum für den Zuzug von Arbeitskräften in das Neckartal geschaffen habe, so Michael Paulsen: „Zell hat überdurchschnittlich viel zur Deckung des Wohnraumbedarfs beigetragen“. Nach der auf der anderen Seite des Bachtals gelegenen Höhensiedlung Egert seien allein in den letzten Jahren nochmals drei große Baugebiete dazugekommen: Am alten Neckar hätten die Zeller ihr „Zentrum Zell“ geopfert, um einer schicken Neubausiedlung Platz zu machen. Und aktuell entstünden auf dem ehemaligen Fezer-Areal sowie in der Alleenstraße große und moderne Wohnquartiere: „Im 21. Jahrhundert konnte die Zeller Bevölkerung so von rund 4000 auf demnächst rund 5000 wachsen.“ Am Rande des Hangelsteins steht die katholische Kirche „Zur heiligsten Dreifaltigkeit“, die vor wenigen Jahren ihr 50-jähriges Jubiläum feierte. Der optimistisch große Bau lasse erahnen, dass damals die aktuellen Probleme der Kirchen noch nicht abzusehen waren, meint Michael Paulsen; „Aber auch wenn wie überall die Gotteshäuser relativ leer sind, ist das verbliebene Gemeindeleben umso intensiver“. Auf dem Weg durch das Bachtal zur evangelischen Kirche verweist er auf die gut funktionierende Ökumene auf lokaler Ebene, die ökumenischen Gottesdienste im katholischen Pfarrgarten und den gemeinsamen spätsommerlichen Literaturabend „Hock im Turm“.
Auf der anderen Seite des Bachtals geht es wieder bergauf und über den Zeller Friedhof zur evangelischen Johanneskirche. Sie ist laut Michael Paulsen nicht nur Wahrzeichen, sondern auch Ursprung und Namensgeberin des Ortes: „Der Chor des heutigen Baus ist die aus dem 13. Jahrhundert stammende Kapelle (cella), um die herum der Ort entstand. Bei der letzten Renovierung wurden alte Wandmalereien wieder freigelegt.“ Und das wuchtige evangelische Gemeindehaus in der Kirchstraße sei das erste Schulhaus am Ort gewesen, bevor es von der Grundschule Zell abgelöst wurde.
Unten „im Tal“ am Erich-Kenner-Platz, benannt nach einem Zeller Bürgermeister, verweist Michael Paulsen neben der Feuerwehr auf das ehemalige Zeller Rathaus, „an dem noch das martialische Wappen des Ortes prangt, auch wenn es inzwischen moderne Wohnungen beherbergt statt kommunaler Funktionen“. Hier kommt der Vorsitzende des Bürgerausschusses auf die Beziehung zwischen Zell und der Kernstadt zu sprechen. Die Eigenständigkeit aufzugeben, sei vor allem für Alteingesessene kein einfacher Schritt gewesen: „Die Zeller haben eine stolze Identität und grenzen sich gerne von Esslingen ab, zumal sie über die Jahrhunderte als kleiner Nachbar der freien Reichsstadt nicht immer fair behandelt wurden“. Es sei nicht immer einfach zwischen der Stadt und ihrem östlichsten Stadtteil. Aber vieles habe sich auf beiden Seiten gebessert. Die neu Zugezogenen interessiere die alte Fehde ohnehin nicht. Und die Kommunikation zwischen Verwaltung und Bürgerausschuss habe sich spürbar verbessert. Dass manche Ämter dabei proaktiver seien als andere, sei ja überall normal: „Insgesamt habe ich nicht den Eindruck, dass wir schlechter behandelt werden als andere Stadtteile“.
Dem Rathaus gegenüber liegt die Grundschule Zell. Auch zu diesem Gebäude kann Michael Paulsen Informationen geben: Es sei baufällig und werde durch einen Neubau mit integrierter Sporthalle ersetzt. Im Herbst würden die ersten Abrissarbeiten beginnen, 2023 solle der Neubau bezogen werden. Da solche Projekte immer Konfliktpotenzial mit den Anliegern in sich bergen würden, wolle der Bürgerausschuss mit der fachkundigen Regine Babelotzki erstmals eine „Baubegleitung“ stellen, die „die Kommunikation zwischen Bürgern und den für die Planung und Durchführung zuständigen Stellen kanalisieren soll“. Außerdem plane man im Sommer einen Informationsabend zum Thema. Der Bürgerausschuss, so betont er, habe stets ein offenes Ohr für die Anliegen der Bevölkerung.