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Die Landes-Bau-Genossenschaft hat das neue Wohnkonzept Senioren-WG vorgestellt. Im Dezember sollen die Appartements bezogen werden können.

S-Nord - Das Interesse war groß, als die Landes-Bau-Genossenschaft (LBG) am vergangenen Dienstag zum Mietertreff lud. In regelmäßigen Abständen findet dieser im LBG-Gebäude in der Nordbahnhofstraße statt. Es gibt dann Kaffee und Kuchen, Ausflüge oder Bastelnachmittage. Doch dieses Mal sprach man über ein ganz spezielles Thema. Knapp 30 Interessenten waren dafür gekommen. Die LBG präsentierte die Senioren-WG, an deren Konzept man seit einiger Zeit arbeitet und die nun in die Realität umgesetzt wird. Schon im Dezember sollen Rentner die Appartements beziehen können. Die Senioren-WG wird ein Novum in Stuttgart sein. Zwar gab es immer wieder Bestrebungen, WGs für Senioren zu gründen, doch meist ist das Vorhaben gescheitert.

Josef Vogel, einer der beiden Geschäftsführenden Vorstände der LBG, nannte eine weitere Hürde bei der Planung einer Senioren-WG: „Wir wollen schon seit ein bis zwei Jahren ein derart organisiertes Wohnen einrichten. Doch leider fehlten bisher die dafür geeigneten Räumlichkeiten.“ Die LBG verfügt über rund 5500 Wohnungen. Zwei Jahre lang wurde der Bestand geprüft und kein Objekt als geeignet eingestuft. Entweder hat die Lage nicht gestimmt, denn die Älteren sollen nicht abseits vom Geschehen der Stadt leben, sondern mittendrin – Supermärkte, Theater und Museen sollen in Reichweite sein. Oder die Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz war mangelhaft. Nicht zuletzt müssen sich die Räumlichkeiten für ein gemeinschaftliches Wohnen eignen.

Organisiertes Wohnen im Alter ist nicht billig

All diese Kriterien sieht man jetzt in einem Gebäude in der Friedhofstraße, direkt vor der Zentrale der Baugenossenschaft, erfüllt. „Es ist ein glücklicher Einzelfall, dass wir das Gebäude gefunden haben“, sagte Vogel. Bis vor kurzem war dort ein Café, nach dessen Schließung kann jetzt mit der Sanierung und Modernisierung des Gebäudes begonnen werden. Der Antrag ist gestellt, im Mai sollte die Baugenehmigung durch sein, sagte der zweite geschäftsführende Vorstand Mathias Friko.

Die WG besteht aus sechs Appartements mit einer Größe von knapp über 20 bis knapp 50 Quadratmeter, die jeweils über ein Badezimmer und eine Kochnische verfügen. Im Erdgeschoss befindet sich das Gemeinschaftszimmer mit großer Küche sowie einem komplett ausgestatteten Wohnzimmer. Bei einer Durchschnittsmiete von mehr als neun Euro in der Stadt will man die Appartements für knapp über sieben Euro pro Quadratmeter anbieten. Damit beantwortete Vogel eine der am häufigsten gestellten Fragen, denn organisiertes Wohnen im Alter ist nicht billig. Dass die Wohnungen zu einem relativ niedrigen Preis angeboten werden können, liegt vor allem daran, dass eine Pflege nicht inbegriffen ist. Die LBG bietet keine Versorgung sondern Gesellschaft in altersangepassten Räumlichkeiten. Wer dennoch irgendwann der Hilfe bedarf, kann auf die Kooperation der LBG mit dem Arbeiter-Samariterbund zurückgreifen. Dieser bietet Service von der Pflegekraft bis zum Kehrwochendienst.

Der Zuspruch der Besucher des Mietertreffs war zwar groß, doch viele der Anwesenden betonten, sie möchten„so lange zuhause wohnen wie nur möglich“. Vogel ist das nicht unrecht, eine Auswahl bei lediglich sechs Appartements sei schwierig. Auch wenn eine Begehung erst im November möglich sei, könne man sich schon jetzt anmelden. Dann wird es erste Gespräche und Kennenlern-Treffen mit den potenziellen Bewohnern geben, schließlich muss sich die zukünftige Wohngemeinschaft für ein Funktionieren des Konzepts grün sein.

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