An diesem edlen Motorrad ist fast alles von Uwe Harsch (links) und Ralf Stütz selbst gedengelt, geflext und geschweißt. Foto: Horst Rudel

Zwei Motorradenthusiasten aus dem Filstal haben eine langweilige Suzuki in ein edles Custom-Bike verwandelt, mit Holzsitz und Kupferverkleidung. Nun gewannen sie damit den Publikumspreis einer Fachzeitschrift.

Kreis Göppingen - Man muss schon ein bisschen verrückt sein“, räumt Uwe Harsch unumwunden ein. Als die Motorradzeitschrift „Custombike“ (ursprünglich Motorrad nach Kundenwunsch) einen Preis auslobt für dasjenige Hobbyteam, das das schönste Motorrad baut, natürlich im Custombike-Stil, also tiefer gelegt, oft nur so gerade noch fahrbar, aber rasant, will Uwe Harsch teilnehmen. Mit Ralf Stütz aus Göppingen gewinnt der 52-jährige Eislinger einen Gleichgesinnten, mit Erfolg. Das Team gewinnt den Preis.

Langweilige Enduro wachgeküsst

Die Idee dazu kam nicht ganz von ungefähr. Ralf Stütz schraubt schon seit Jahrzehnten an Motocross-Motorrädern herum und unterstützt seinen Bruder bei der Restaurierung alter Maico Motorräder. Uwe Harsch wiederum erklärt, er habe noch nie ein nicht umgebautes Motorrad besessen. Das erste sei ein umgebautes Mokick Honda CB 50 gewesen, danach habe er eine britsche BSA gefahren. „Die hatte auch keinen TÜV. Lange ging das nicht gut“, erinnert er sich.

Nun also ein Wettbewerb mit einem Eigenbau. Nach ungezählten Arbeitsstunden innerhalb von nur fünf Monaten haben Harsch und Stütz eine Suzuki V-Strom DL 1000, eine herkömmliche Reise-Enduro (laut Fachzeitschrift geht’s kaum langweiliger), die mehr oder weniger zufällig noch in der Garage herumstand, in einen echten Hingucker umgebaut. „Motor und Rahmen sind noch derselbe“, erklärt Harsch.

Sitz aus schwäbischer Zwetschge

Alles andere ist mühsam umgepfriemelt worden. Der Tank aus Edelstahl ist handgeschweißt, die Vordergabel ausgetauscht, die Hinterradaufhängung neu gemacht. Für den Sitz hat Harsch Holz verleimen lassen und aus dem so entstanden Holzblock mit der Flex die Form herausmodelliert. „Das ist eine Riesensauerei aber es geht ganz gut“, berichtet der 52-jährige Eislinger. Eigentlich sollte es in Anlehnung an die japanische Ursprungsmaschine Kirschholz sein. „Ich glaube aber, es ist doch schwäbische Zwetschge“, stellt Harsch nun fest.

Während er den Sitz herausschälte, machte sich Stütz an die Auspuffanlage, die sich durch das eng verbaute Gehäuse schlängelt und ungedämpft ein Höllenspektakel entfacht, sobald der Motor angeworfen wird.

Staufen Edel mit Sudkesseloptik

Auffällig neben der Edelstahl-Holz-Optik ist vor allem die Kupferverkleidung und die ebenfalls kupfernen Lüftungseinlässe. „Kupfer und Holz sind einfach edel“, so Stütz. Der 47-jährige Göppinger spielt bewusst mit den Begriffen. Schließlich haben die beiden sich als „Team Staufen Edel“ beworben, benannt nach der Geislinger Biersorte, die sie gerne konsumieren. Und das Kupfer sei gewissermaßen auch eine Reminiszenz an die Sudkessel der Brauerei, sagen sie. Zudem haben sie die eine oder andere Finesse in den Umbau gepackt, wie die im Sitz verborgene Rückleuchte oder kultige Lederriemen rund um den Tank.

Dass beim Umbau nicht alles so glatt lief, wie erhofft, verhehlen sie nicht. „Eigentlich bestand die Arbeit nur aus Überraschungen. Es ist ja alles so eng verbaut bei den japanischen Motorrädern. Wir hatten eigentlich überall Platzprobleme. Aber solche Herausforderungen machen es auch aus“, erzählt Stütz.

Demnächst soll ein Rennen gefahren werden

Am Ende meisterten sie diese so gut, dass ihr Umbau auch den Lesern von Custombike am besten gefiel. Zum Lohn gab es den „Build da Fukker“-Preis des Blatts obenauf. Nun steht das umgebaute Schmuckstück allerdings erst einmal wieder in der Garage. „TÜV gibt es dafür nicht“, erklärt Uwe Harsch. Die beiden würden ihr Custombike mit dem starren Rahmenheck allerdings auch nicht auf der Straße fahren wollen. Dafür liebäugeln sie mit einem Beschleunigungsrennen auf der nächsten Messe bei Köln, dem Glemseck 101 Festival, im Herbst. Der Zweitplatzierte des „Build da Fukker“-Wettbewerbs hätte ihnen sozusagen den Fehdehandschuh hingeworfen.

Und die beiden sind nicht abgeneigt, dem eigenen Umbau nun auch Auftragsarbeiten oder ein weiteres Wettbewerbsprojekt folgen zu lassen. „Ich könnte mir schon vorstellen, auch für andere so ein Bike zu bauen“, bekräftigt Uwe Harsch. Ralf Stütz erbittet sich dafür noch Bedenkzeit. „Es war schon sehr aufwändig“ meint er.

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