Tante-M-Gründer Christian Maresch setzt mit seinen Tante-M-Läden bisher auf Standorte mit mangelhafter Nahversorgung. Nun will er in Backnang eine Filiale eröffnen. Foto: Gottfried Stoppel

Die Selbstbedienungsmarkt-Kette Tante-M, die an 365 Tagen im Jahr geöffnet hat, expandiert im Rems-Murr-Kreis. Im Frühjahr soll auch eine Filiale in der Backnanger Innenstadt eröffnen. Auf die Konkurrenz hat der Geschäftsführer ein kritisches Auge.

Christian Maresch ist guter Dinge. Das Konzept seiner Selbstbedienungsmärkte, die an 365 Tagen im Jahr geöffnet haben und ohne Bedienpersonal auskommen, wird von den Kunden angenommen, sagt er. Rund 50 dieser Tante-M-Märkte existieren mittlerweile bundesweit. Knapp die Hälfte davon betreibt Maresch in Eigenregie, der Rest läuft als Franchise-Modell. Im Rems-Murr-Kreis bestehen derzeit vier derartige sogenannte Smart Stores: in Backnang-Waldrems, Großerlach, Urbach und Schorndorf-Haubersbronn.

 

Geöffnet an 365 Tagen im Jahr

Smart Stores mit langen Öffnungszeiten und minimalem Personaleinsatz zieht es vor allem in Ortschaften, wo die Infrastruktur quasi zum Erliegen gekommen ist, wo Versorgungsmangel herrscht und man Dinge des täglichen Bedarfs nicht mehr einkaufen kann. In diese Lücke stößt Maresch mit seinem Konzept, ebenso wie ein neuer Mitbewerber: Christoph Sarnowski, der seinen ersten Laden namens „Ortkauf“ im Sommer in Althütte eröffnet hat. Weitere sollen folgen.

Für die Betreiber der Smart Stores scheint die Region ein fruchtbarer Boden zu sein. „Der Landkreis entwickelt sich für uns als gute Region“, sagt Maresch. Im kommenden halben Jahr will er im Rems-Murr-Kreis sechs neue Filialen eröffnen, sagt Maresch. Wo genau, könne er nicht verraten, aber das halbe Dutzend sei realistisch. Nach wie vor werde er von Bürgermeistern oder potenziellen Franchisenehmern kontaktiert. „Die Nachfrage nach neuen Tante-M-Shops ist ungebrochen.“

Eines seiner neuesten Projekte führt Maresch jedoch nicht in die Dürre des ländlichen Raums, sondern in das Zentrum von Backnang. Dort soll im Herzen der Stadt ein neuer Tante-M-Markt eröffnen. Genauer gesagt in der Marktstraße 10. Das Gebäude, in dem lange Jahre Elektro-Burgel beheimatet war, gehört der Stadt seit dem Jahr 2021 und ist sanierungsbedürftig, weshalb nur das Erdgeschoss hergerichtet und vermietet werden soll. Die Wirtschaftsförderung sei auf ihn zugekommen und habe ihm Flächen in der Marktstraße angeboten, erklärt Maresch. „Wir arbeiten gemeinsam mit der Stadt an diesem Pilotprojekt.“

Nahversorgung auf der Wunschliste oben

Auf Nachfrage bestätigt ein Stadtsprecher die Kooperation. „Der Kontakt zu Herrn Maresch besteht seit längerer Zeit durch sein Engagement in der Neckarstraße in Waldrems.“ Das Konzept von Tante-M stoße auf positive Resonanz und sei mittlerweile ein wichtiger Bestandteil der dortigen Nahversorgung. „Aus den Kundenbefragungen im Rahmen der Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts wissen wir, dass der Wunsch nach einem Nahversorgungsangebot ganz oben auch auf der Wunschliste der Besucherinnen und Besucher der Backnanger Innenstadt steht“, erklärt der Sprecher weiter. Und: „Die Erfahrung zeigt, dass ein solches Angebot in den Innenstädten unserer Größe immer schwieriger umzusetzen ist.“ Das Konzept von Tante-M komme daher gerade den Wünschen der Innenstadtkunden entgegen: Auf kompakter Fläche von rund 100 Quadratmetern werde ein „angemessenes Warensortiment im Rahmen von sehr attraktiven Öffnungszeiten (frühmorgens und abends sowie am Wochenende) geboten“, erklärt der Stadtsprecher.

Geöffnet hat Tante-M von 5 bis 23 Uhr. Daran soll sich auch in Backnang nichts ändern. Im Bereich Gemüse, Fleisch- und Wurstwaren sowie Backwaren soll es eine Zusammenarbeit mit regionalen Anbietern geben. Sein Sortiment will Maresch an die Bedürfnisse der Städter anpassen. Beispielsweise durch mehr Angebote im Food-Bereich, etwa in Form von mehr Speisen zum Mitnehmen.

Eine zusätzliche Konkurrenzsituation werde dadurch nach Einschätzung der Stadtverwaltung nicht geschaffen. Im örtlichen Gemeinderat wie auch bei der Backnanger Händlerschaft sei die Nachricht vom Ansiedlungswunsch von Tante-M in der unteren Marktstraße auf durchweg positive Resonanz gestoßen. „Mit der Etablierung eines Nahversorgers geht aus Sicht aller Beteiligten auch eine Steigerung der Besucherfrequenz einher. Aus städtebaulicher Sicht kann die Ansiedlung von Tante-M dazu beitragen, den Standort Untere Marktstraße weiterhin positiv zu besetzen“, heißt es. Derzeit würden die Umbauplanungen für das Ladengeschäft mit dem künftigen Mieter abgestimmt. Unter anderem soll das Erdgeschoss noch barrierefrei gestaltet werden.

Stadt Backnang vermietet Räume

Der Mietvertrag wird zunächst auf fünf Jahre angelegt. Perspektivisch soll das gesamte Quartier „Untere Marktstraße“ neu geordnet werden. Die Stadt hat hierzu in den zurückliegenden Jahren im gesamten Quartier Flächen erworben. In diesem Zuge sollen auch die untere Marktstraße und der Bereich um den Wassergassenplatz neu gestaltet werden. „Aufgrund der Größe dieser Aufgabe ist aus heutiger Sicht eher von einer mittelfristigen Umsetzungsperspektive auszugehen“, so der Stadtsprecher.

Kritischer Blick auf Mitbewerber

Was Tante-M-Gründer Maresch angeht, so blickt er nicht uneingeschränkt positiv in die Zukunft. Einen kritischen Blick hat er auch auf mögliche Mitbewerber. Etwa den „Ortkauf“ – einen Selbstbedienungsmarkt, ähnlich der Tante-M, der vor wenigen Monaten in Althütte eröffnet hat. „Wir schauen uns genau an, was die Konkurrenz macht.“ Nur mal einen einzigen Laden zu eröffnen, um die Nahversorgung in einem Ort zu retten, sei die eine Sache. „Aber unser Konzept zu kopieren, das ist schon eine andere Kategorie – da wissen wir uns zu wehren.“