Rebecca Faust verkauft in einem Laden im Wohnhaus selbst gefertigte und gebrauchte Kinderkleidung. Daneben bietet sie Trageberatung und Barfußschuhe an. Mit dem Namen des Ladens hat es etwas Besonderes auf sich.
Nähen gelernt hat Rebecca Faust bereits als Schülerin – im Fach Hauswirtschaft und Textiles Werken war das. Obwohl seitdem viel passiert ist und es lange dauerte, bis die heute 42-Jährige anfing, mit dem Nähen Geld zu verdienen, erinnert sie sich noch gut an ihre ersten Kontakte mit der Nadel. Doch genauso gut weiß die dreifache Mutter auch noch, was sie alles erlebt hat, bevor sie ihren kleinen Laden mit neuen und gebrauchten selbst genähten Kinderklamotten am Wohnort Althütte aufgemacht hat.
England, Amsterdam, Brüssel: Rebecca Faust kam schon viel rum im Leben
Da waren zum Beispiel die Collegezeit in der englischen Heimat ihrer Mutter oder die Monate auf dem Hausboot in Amsterdam sowie Aufenthalte in Brüssel und im Süden Belgiens, um nur einige Beispiele zu nennen. „Doch dann bekam ich plötzlich Heimweh und bin zurück nach Waiblingen gegangen, wo ich aufgewachsen bin. Dort lernte ich meinen jetzigen Mann kennen, und plötzlich ging alles ganz schnell“, sagt Rebecca Faust.
In den Jahren 2013 bis 2019 kamen drei Kinder auf die Welt, dann noch der Hausbau und der Job – erst in der Personalabteilung und mittlerweile im Einkauf einer Backnanger Firma. „Den Job mache ich immer noch als Broterwerb, aber durch die Kinder kam ich auch wieder richtig zum Nähen zurück und habe angefangen, selbst die Kleider für die Kids anzufertigen. Seitdem steht die Nadel kaum einen Tag still“, sagt die umtriebige Frau. Sie eignete sich viel im Internet an, probierte aus, merkte aber auch schnell: „Nähen ist wie Radfahren. Das Gelernte kommt wieder.“
Tragetücher und Tragehilfen wurden wichtig für die 42-Jährige und ihren Mann
Aber nicht nur das Hobby Nähen flammte mit dem ersten Kind wieder auf. Rebecca Faust und ihr Mann fingen auch an, sich mit Tragehilfen und Tragetüchern zu beschäftigen. „Mein erstes Kind war ein Schreikind und konnte nicht abgelegt werden.“ Die frischgebackene Mutter meldete sich deshalb zur Trageberatung an, fing Feuer und ließ sich später selbst zur Trageberaterin ausbilden. 2016 hat sie dann ein Gewerbe angemeldet und die Liebe zum Nähen mit der Liebe zum Tragen verbunden – im eigenen Online-Shop „EmmyRoo Handmade“.
Anfangs fertigte sie Bekleidung und Accessoires aus Tragetüchern an. Doch da ihr Nachhaltigkeit und die Verarbeitung von Naturmaterialien am Herzen liegen, nahm sie auch Produkte aus Wolle, Wolle-Seide und Biostoffen mit ins Sortiment. Windelfreibekleidung, Stillmode und Hygieneartikel für Mamas kamen hinzu. Recht schnell fand Rebecca Faust ihre Nische und eröffnete Anfang 2020 ihren eigenen Laden im Erdgeschoss des Wohnhauses in Althütte. „Wir haben einen gewerblichen Bauplatz bekommen. Das war das Zeichen, mich vom Online-Shop zum Laden weiterzuentwickeln.“
Wer von ihr umher geführt wird, der merkt, dass sie ihre Entscheidung nicht bereut, sondern stolz ist auf ihren liebevoll eingerichteten Laden. Der wird dominiert von einer großen Theke, die als Arbeitsbereich dient – mit mehreren Nähmaschinen und Nähgarn in verschiedenen Farben. Ein Bereich ist komplett voll mit Barfußschuh-Modellen. Dazu liegen auf Tischen sowie an Bügeln und auf selbst gebauten Regalen die bunten Klamotten sowie Dekoartikel aus. Alte Möbel versprühen zusätzlichen Charme.
Ihre Kundinnen – Schwangere, Mütter, Paare und Familien – können bei ihr eine Trageberatung erhalten, selbst genähte oder gebrauchte handgefertigte Kinderklamotten kaufen. Viele Nähprojekte sind auch Auftragsprojekte. Eine Zeit lang war die dreifache Mutter mit den zwei Jobs bis tief in die Nacht unten im Laden und hat genäht. „Dann bekam ich eine Gürtelrose und fiel mehrere Wochen aus. Seitdem weiß ich, wann gut ist und ich langsam machen muss.“
Auch Barfußschuhe und Dekoartikel hat Rebecca Faust im Sortiment
Aber so ganz klappt das wohl noch nicht, denn seit Rebecca Faust auch Barfußschuhe im Sortiment hat und Kinderfüße aufwendig ausmisst, hat sie nicht wirklich weniger zu tun. Als wäre das nicht genug, hat sie auch noch kleine Dekoartikel im Laden und in einem kleinen SB-Stand vor dem Haus. Natürlich sind die Kerzen und kleinen Gipsformen auch selbst gegossen oder bedruckt. „Ich bin einfach gerne kreativ. Das gefällt mir auch am Nähen so“, sagt die Inhaberin von EmmyRoo Handmade. Der Name leitet sich übrigens von den Namen der Kinder ab, denn die haben ihre Mama zum Nähen gebracht.
„Das Ganze ist genau das Richtige für mich. Ich verkaufe keine konventionelle Bekleidung. Auch bei den Barfußschuhen bin ich, was das fachgerechte Messen betrifft, die einzige Anlaufstelle im Kreis. Die nächste ist meines Wissens in Schwaigern“, sagt Rebecca Faust und freut sich, dass sie Familien von der Geburt bis ins Schulalter qualitativ und nachhaltig begleiten kann. „Die Kunden wissen es zu schätzen und zahlen dafür. Kurz nach Eröffnung kam Corona, aber dank Stammkundschaft kam ich da durch.“
Öffnungszeiten sind mittwochs und donnerstags von 14.30 bis 17.30 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung unter 0176 / 34 14 00 05. Infos auch unter www.emmyroohandmade.de.