Alexander Scholz (links) und Martin Schairer (daneben) besuchen das Lehrschwimmbecken in der Ernst-Abbe-Schule. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Jedes vierte Kind in Stuttgart kann am Ende seiner Grundschulzeit das Seepferdchen nicht schaffen. Dank der Initiative „Schwimmfit“ wird das jedoch zusehends besser.

Petra Mostbacher-Dix Stuttgart - Unten im Lehrschwimmbecken der Ernst-Abbe-Schule üben Kinder fröhlich mit Schwimmlehrer und Müttern, oben, eine Etage höher, verkündet Martin Schairer (CDU), Stuttgarts Bürgermeister für Sicherheit, Ordnung und Sport, gute Nachrichten. Das Programm „Schwimmfit – sicher schwimmen in Stuttgart“, das die Landeshauptstadt im Frühjahr 2017 initiierte, sei eine Erfolgsstory. „2018 konnten bereits 200, 2019 sogar 300 neue Schwimmkurse geschaffen werden. Das zeigt, was zu erreichen ist, wenn alle an einem Strang ziehen!“, sagte Schairer. Für „Schwimmfit“ kooperieren das Amt für Sport und Bewegung mit Schulverwaltungsamt und Bäderbetrieben, arbeiten mit Sportvereinen und privaten Schwimmschulen zusammen.

Vom Projekt zur Dauereinrichtung

Die Zahlen der Kinder, die gegen Ende der Grundschulzeit gut schwimmen können, sei seit einigen Jahren besorgniserregend, erläuterte der Sportbürgermeister die Hintergründe. An Stuttgarter Grundschulen erreicht demnach jedes vierte Kind nicht einmal das Seepferdchen. Mit dem Programm sei man aber dem Ziel ein gutes Stück nähergekommen, dass jedes Grundschulkind schwimmen könne, bevor es eine weiterführende Schule besucht. „Wir lassen in unseren Anstrengungen nicht nach.“ Ursprünglich auf vier Jahre begrenzt beschloss der Gemeinderat in den Haushaltsplanberatungen 2020/2021 „Schwimmfit“ dauerhaft zu umzusetzen.

Dazu brauche es Wasserfläche und Schwimmlehrer, erläuterte Alexander Scholz vom Schwimmverein Bad Cannstatt. Die Situation habe sich durch die gemeinsame Aktion sehr verbessert, weil nun Vereine zielgerichteter Angebote konzipieren, zusätzlich am Wochenende Schwimmkurse offerieren könnten. Viele Eltern bevorzugten Schwimmkurse am Samstag, das habe auch mit der Berufstätigkeit zu tun. „Bei den Angeboten geht es um Wassergewöhnung, Anfänger- und Fortgeschrittenenkurse“, so Scholz. Sie beginnen jeweils nach den Oster-, Sommer- und Weihnachtsferien.

Schwimmtrainer zum Mieten

Neun Lehrschwimmbecken an Schulen gebe es im Stadtgebiet, erklärte Philipp Forstner, stellvertretender Leiter des Schulverwaltungsamts. Unter der Woche werden diese außerhalb von Belegungszeiten von Schulen und Kitas, Vereinen und Schwimmschulen genutzt. „Von diesen stehen samstags bereits drei zur Verfügung. Zukünftig werden es sechs sein, da ab dem Schuljahr 2020/2021 drei weitere hinzukommen.“

Über „Schwimmfit“ wurden aber nicht nur die Möglichkeiten, wo und wann ein Schwimmbecken genutzt werden kann, identifiziert. Auch eine Schwimmabzeichenaktion für Viertklässler gehört dazu, die Initiative „Rent-a-Schwimmtrainer“ wurde angestoßen, die Kitas und Schulen Fachkräfte vermitteln, sowie Kurse, um interessierte Erzieher – unterstützt von der Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) – zum Rettungsschwimmer auszubilden. Auch die Zubringerdienste zu den Bädern seien verbessert worden, ergänzte Schairer, mittlerweile würden Kurse über die ganze Stadt verteilt angeboten. Gratis sind die Kurse in Vereinen nicht. Aber Teilhabe ermögliche Kindern unter anderem die Familiencard oder die Minisport-Gutscheine über 50 Euro, die Vierjährige zum Geburtstag in der Kita bekommen.

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