Das F3 in Fellbach ist eines der größten Schwimmbäder der Region. Foto: Gottfried Stoppel

Nach Vorwürfen der Tierquälerei muss der Geschäftsführer des F3-Schwimmbads in Fellbach gehen. Was Ex-Mitarbeiter, die Stadtverwaltung und er selbst zu den Vorgängen sagen, lesen Sie hier.

Zum Schluss ging alles ganz schnell. Der Geschäftsführer des Fellbacher Erlebnisbads F3, Kai Steuernagel, ist am Montag fristlos von seinen Aufgaben entbunden worden. Der Hintergrund sind Vorwürfe der Tierquälerei. „Er hat diese zunächst dementiert, sie dann aber zum Teil eingeräumt. Und was er zugegeben hat, war für diese Entscheidung ausreichend“, sagte Fellbachs Oberbürgermeisterin Gabriele Zull. Steuernagel habe sich am Samstag selbst bei der Polizei angezeigt.

 

In der vergangenen Woche hatte unsere Zeitung eine anonyme Zuschrift erhalten, in welcher der F3-Chef beschuldigt wurde, eine der Nilgänse, die seit einiger Zeit auf dem F3-Gelände leben, persönlich den Hals umgedreht zu haben. Das Tier musste daraufhin von einem Tierarzt eingeschläfert werden. Damit nicht genug: Den Vorwürfen zufolge soll Steuernagel auch mehrere Gänseküken eingefangen und ohne ihre Elterntiere am Max-Eyth-See in Stuttgart ausgesetzt haben, wo sie möglicherweise ebenfalls den Tod fanden. Weitere Schilderungen von weiteren Zeugen besagen auch, dass Steuernagel vor einigen Wochen versucht haben soll, eine der Nilgänse mit einem Aufsitzmäher zu überfahren. Der F3-Chef wies die Vorwürfe zunächst von sich und sprach von Rufmord. Am 10. Juni gab die Polizei bekannt, dass eine Anzeige gegen Unbekannt eingegangen war. Daraufhin gingen Hinweise bei den Ermittlern ein; darunter waren auch Fotografien, die der Redaktion vorliegen.

Das sagt der ehemalige Chef des F3 zu Vorwürfen der Tierquälerei

Im Gespräch mit unserer Zeitung schildert Steuernagel seine Sicht der Dinge. Dass er für den Tod der erwachsenen Nilgans am vorvergangenen Wochenende verantwortlich sei, streitet er weiterhin ab. Dafür gibt er zu, die Gänseküken eingefangen und im Max-Eyth-See ausgesetzt zu haben. „Wir wollten eigentlich die ganze Familie einfangen und in einem nahen See aussetzen. Das ist uns leider nur teilweise gelungen“, sagt er. Drei Wochen später sei dann allerdings ein Tier umgekommen: „Wir waren gerade mit dem Saubermachen beschäftigt, weil die Gänse wieder alles verschmutzt hatten. Da hat mich die Wut gepackt, ich bin ins Wasser gesprungen und habe ein Jungtier am Hals erwischen können. Als ich wieder aus dem Wasser kam, war es bereits leblos.“

Einerseits spricht Steuernagel von Doppelmoral: „Pro Tag werden in Deutschland Millionen Tiere geschlachtet – aber bei einer toten Gans am Wegesrand sind alle traurig.“ Andererseits könne er die Entscheidung des F3-Aufsichtsrates nachvollziehen: „Natürlich war schlimm und strafrechtlich relevant, was ich getan habe, und ich werde dafür geradestehen“, sagt er. Er habe eine Nacht gebraucht, um seine anfängliche Leugnung zu überdenken.

Steuernagel hatte als Schwimmbadchef nicht nur Freunde

Bis auf Weiteres wird nun der Geschäftsführer der Städtischen Holding und Erste Bürgermeister, Johannes Berner, kommissarisch das Ruder im F3 übernehmen. Er erklärt die Entscheidung, Steuernagel zu kündigen: „Es geht auch um den Umgang mit Lebewesen, als kommunales Unternehmen sind wir Recht und Ordnung besonders verpflichtet.“

Dass Steuernagel rasch zu ersetzen ist, glauben Zull und Berner nicht. Sie machen deutlich, dass sie beim F3-Chef auf fachlicher Ebene nichts zu beanstanden gehabt hätten. Zull lobt ihn als einen „fachlich absolut starken Mann“, der das Bad in schweren Zeiten auf Kurs gebracht habe. Berner sagt, Steuernagel habe „unglaublich geackert und persönlich Türdienst oder Reinigungsaufgaben übernommen.“ Er habe sich oft vor seiner Mitarbeiter gestellt und „das Potenzial in Menschen erkannt und gefördert“.

Unter ehemaligen Angestellten des F3 sehen das nicht alle so. Manche behaupten, Steuernagel habe Mitarbeitern reihenweise gekündigt und andere tyrannisiert. Bei der Stadtverwaltung will man das jedoch so nicht stehen lassen: „Als wir das F3 übernommen haben, waren viele Bereiche nicht mit der Professionalität organisiert, wie man es von einem Bad dieser Größe erwarten kann“, sagt Johannes Berner. Steuernagel habe zu einem „erheblichen Kulturwandel beigetragen und das Bad neu positioniert“. Das sei nicht bei allen gut angekommen, manche Mitarbeiter hätten den Wandel auch von sich aus nicht mehr mittragen wollen. „Auch in der Wahrnehmung der meisten Gäste wurde ihr Wohl viel mehr in den Fokus gerückt.“ Steuernagel selbst meint zu diesen Vorwürfen: „Wir waren nicht nur mit hoch motivierten Mitarbeitern unterwegs, einige hatten es sich auch gut eingerichtet.“

Was geschieht nun mit den Nilgänsen im F3 Fellbach?

Allerdings bestätigen Zull und Berner Informationen unserer Zeitung, nach denen Steuernagel im vergangenen Jahr wegen eines Verstoßes gegen das Arbeitszeitengesetz eine Geldstrafe bezahlen musste. „Es handelte sich dabei aber um einen Einzelfall, bei dem Regelungen verletzt wurden, was geahndet wurde“, sagt Berner. Für die Kündigung habe diese Begebenheit keine Rolle gespielt – der Umgang mit den Nilgänsen sei mutmaßlich eine Straftat, der Verstoß gegen die Arbeitszeitbestimmungen nur eine Ordnungswidrigkeit. Ob die überlebenden Nilgänse auf dem F3-Gelände am Ende auf der Gewinnerseite stehen? „Um diese Problematik wird man sich kümmern müssen“, sagt OB Gabriele Zull. Berner pflichtet ihr bei, schließlich könnten die Ausscheidungen der Gänse auch eine gesundheitliche Gefahr darstellen. „Es gibt dabei keine einfachen Lösungen. Aber es existieren tierschutzrechtlich anerkannte Methoden, solche Tiere zu entnehmen.“ Welche davon man nun ergreifen will, wird sich zeigen.