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Alkohol in der Schwangerschaft ist Gift für die Entwicklung des Kindes. Ein Verzicht muss sein.

Stuttgart - "Scharfe Sachen sollten Sie während der ganzen Schwangerschaft unter Verschluss halten. Gegen ein Gläschen Wein, Bier oder Sekt am Abend ist nichts einzuwenden." So steht es in einem Schwangerschaftsratgeber aus den achtziger Jahren. Gefährliche Ratschläge, die medizinisch längst überholt sind.

Trotz der inzwischen veränderten Haltung und der Mahnungen der Ärzte zum Thema Alkoholkonsum bei Schwangeren glauben auch heute noch viele werdende Mütter, sie müssten nur in den ersten drei Monaten auf Alkohol verzichten und könnten dann in Maßen trinken. Dabei können zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft auch kleine Mengen Bier, Wein oder Spirituosen das Ungeborene dauerhaft schädigen. Alkohol in der Schwangerschaft ist die häufigste vermeidbare Ursache für geistige und körperliche Fehlentwicklungen des Kindes.

Einen risikolosen Grenzwert gibt es nicht: Darüber sind sich die Experten einig, die sich mit dem Thema Fetale Alkoholspektrum-Störungen (FASD) befassen. Als FASD werden eine Bandbreite von Beeinträchtigungen bezeichnet, unter denen die Kinder ihr ganzes Leben leiden werden: Wachstumsstörungen, Missbildungen, Schäden des Zentralnervensystems, Verhaltensstörungen und intellektuelle Beeinträchtigungen bis hin zur geistigen Behinderung. Die schwerste Form ist das sogenannte Fetale Alkoholsyndrom (FAS).

Wie es in den Köpfen alkoholgeschädigter Kinder aussieht, weiß der Hirnforscher Edward Riley: zu viel graue, zu wenig weiße Hirnsubstanz, Verkleinerung bestimmter Bereiche des Großhirns, des Kleinhirns und des Frontallappens. "Manchmal weichen die alkoholgeschädigten Gehirne so von der Norm ab, dass der Computer streikt. Ein kleinerer IQ ist nur ein Teil des Problems. Der liegt bei vielen Kindern zwar noch im Normbereich. Doch auf Grund ihrer Verhaltensstörungen gibt es überall Probleme." Der Kinder- und Jugendpsychiater Hans-Christoph Steinhausen sieht einen "klinischen und einen ursächlichen Zusammenhang" zwischen einer Alkoholschädigung und ADHS. "64 Prozent der Kinder mit Fetalem Alkoholsyndrom (FAS) im Grundschulalter leiden auch unter der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung." Damit FASD nicht zum Modebegriff für diverse Verhaltensstörungen wird, hat die US-Wissenschaftlerin Susan Astley genaue Diagnose-Richtlinien entwickelt: Eine Software analysiert dabei die typischen Gesichtszüge alkoholgeschädigter Kinder.

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