Demokratie findet nicht nur bei großen Demonstrationen statt – sondern oft in kleinen Büros. Foto: Simon Granville

Bürgermeister klingt nach einem ruhmreichen Amt – ist es aber oft nicht. Viele von ihnen werden bedroht. Das ist auch eine Bedrohung für die Demokratie, meint unsere Berlin-Korrespondentin Rebekka Wiese.

Ist die Demokratie jetzt schon gerettet? Immerhin sind in den vergangenen Wochen Hunderttausende Menschen auf die Straße gegangen, um sich dafür einzusetzen. Doch auch wenn die Proteste ein gutes Zeichen sein mögen: Ganz so einfach ist es nicht. Und es gibt ein großes Problem, über das nicht genug gesprochen wird: In Deutschland wird es immer schwieriger, demokratische Ämter zu besetzten.

 

Etliche Kommunen finden kaum noch Leute, die Bürgermeister oder Landrat werden wollen – gerade in kleinen Kommunen, wo der Posten oft ein Ehrenamt ist. In einer aktuellen Erhebung unter allen Bürgermeistern und Landräten gab mehr als jeder dritte Teilnehmende an, zwischen November 2022 und April 2023 angefeindet worden zu sein. Jeder Zehnte überlegte, das Amt deshalb aufzugeben – oder hatte sich bereits dazu entschieden. Hier liegt eine wesentliche Bedrohung für die Demokratie. Denn die funktioniert nur, wenn sie jemand macht.

Ein schwieriger Job – und wenig Dank

Bürgermeister zu sein, klingt zwar toll, ist aber oft wenig ruhmreich. Etliche Kommunen sind verschuldet. In den vergangenen zwei Jahren mussten sie sich zudem wieder verstärkt darum kümmern, Geflüchtete zu versorgen. Hinzu kommt ein Berg an Bürokratie. Oft heißt es, mehr zu verwalten als zu gestalten. Wenn man dafür noch bedroht wird, ist verständlich, dass viele sich das nicht antun wollen. Zumal in kleinen Orten meist jeder weiß, wo der Bürgermeister wohnt.

Um diese bedrohliche Lage zu ändern, braucht es politische Maßnahmen wie Beratungsstellen, Würdigungen und mehr Schutz. Aber es braucht eben auch eine Zivilgesellschaft: Menschen, die sich für ein kommunales Amt aufstellen lassen – und all die anderen vor Ort, die nicht zulassen, dass ihre gewählten Vertreter bedroht werden. Demokratie findet eben nicht nur ein paar Mal im Jahr bei der großen Demo statt. Sondern oft in kleinen unscheinbaren Büros.