Schulleiterin Anke Krohn und mit begeisterten Schülern am Dörrautomat Foto: Stefanie Schlecht

Die Joseph-Haydn-Schule in Rohrau will als fünfte im Schönbuch zur Naturparkschule werden. Den Anfang macht eine innovative Spende.

Schulleiterin Anke Krohn vermag ihre Schützlinge kaum zu bremsen. Mit einem ohrenbetäubenden „Ja!“ antworten die auf die Frage, ob sie Lust haben, die neueste Errungenschaft der Rohrauer Joseph-Haydn-Schule in Beschlag zu nehmen: einen nagelneuen Dörrautomaten. Dieses ungewöhnliche Geschenk wurde der Schule am Dienstag vom eigenen Förderverein gemacht. Der Automat dürfte weit und breit der einzige im Schulbetrieb sein. „Für uns war das eine gute Verbindung zum Thema Streuobst, um die Natur für die Kinder erlebbar zu machen“, sagt Tobias Schmid vom Förderverein, selbst Vater von zwei Schulkindern.

 

Viele Naturparkschulen im Südwesten

Nebenher wird schon fleißig geschnibbelt, damit die ersten Äpfel in den Automaten wandern können, um nach sieben Stunden bei 60 Grad als Dörrobst wieder herauszukommen. Die Spende kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, da die einzügige Grundschule just am Montag die Vereinbarung mit dem Naturpark Schönbuch unterschrieben hat. „Im Schuljahr 2023/24 werden wir zunächst ein Unterrichtsmodul einbauen, um dann im Jahr darauf als Naturparkschule zertifiziert zu werden und auf zwei Module aufzustocken“, sagt Anke Krohn.

Ihre Grundschule wird dann die fünfte sein, die sich so nennen darf. Im vergangenen Jahr unterschrieben die Schönbuchschulen in Hildrizhausen und Dettenhausen die Vereinbarung, nachdem die Oskar-Schwenk-Schule in Waldenbuch und die Gemeinschaftsschule Weil im Schönbuch im Kreis Böblingen die Vorreiter waren und bereits zertifiziert sind. „Wir sind glücklich, dass die Zahl der Naturparkschulen auf fünf wachsen soll“, sagt Juliane Goerke, die das Projekt für den Schönbuch koordiniert.

Baden-Württemberg stehe bei der Zahl der Naturparkschulen bundesweit an der Spitze, sagt Juliane Goerke. Mit 64 der 215 zertifizierten Schulen in Deutschland liege knapp ein Drittel im Südwesten. Rund um den Schönbuch erfreut sich das Projekt vor allem im Landkreis Böblingen wachsender Beliebtheit. Vier der fünf teilnehmenden Schulen befinden sich im Kreis, Dettenhausen ist bisher die einzige im Kreis Tübingen. Ob und wann weitere hinzukommen, kann sie derzeit nicht sagen. „Wenn andere Landkreise sich interessieren, freuen wir uns“, sagt die Koordinatorin.

Gute Erfahrung mit Backhäusern

Der Gedanke dahinter ist, die Natur vor der Haustür zum Lernort zu machen. Das gelingt meist über externe Partner wie Förster, Landwirte, Imker, Gastronomen oder Privatpersonen mit dem passenden Hobby. Konform zum Lehrplan wird der manchmal trockene Stoff für die Kinder dadurch in der Natur erleb- und greifbar. „Das ist natürlich netter als Mathe pauken“, sagt Koordinatorin Goerke. „Sehr gute Erfahrungen haben wir auch mit Backhäusern gemacht“, sagt sie. Dabei lernen die Kinder nicht nur die Tradition kennen: Eine Klasse sammelt selbst das passende Holz zum Einheizen und erfährt so ganz praktisch, dass es ein Energieträger ist, der nachwächst. „Die nächste Klasse darf sich dann im Backen von Hefezöpfen oder Dinette probieren“, sagt Goerke.

Sobald das Zertifikat verliehen ist, erhält jede Naturparkschule eine Förderung über drei Jahre aus einem Topf des Landes. Übernommen werden 60 Prozent der anfallenden Personalkosten, im Falle von Rohrau etwa für die Streuobstpädagogin, mit der die Joseph-Haydn-Schule schon zusammenarbeitet. Dann können sich die Äpfel von den Rohrauer Wiesen in dem neuen Automaten in einen leckeren Pausensnack verwandeln. „Das wird sicher spannend, die Kinder sind mit Begeisterung dabei“, sagt Anke Krohn.

Die Gemeinde biete neben den Obstwiesen außerdem ein Projekt zur Kiebitz-Ansiedlung oder die historische Sandmühle als Orte für den Unterricht im Freien.