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Lehrerverband fordert wegen Unterrichtsausfall 1200 neue Stellen an Berufsschulen.

Stuttgart - Wenige Tage vor Schulbeginn steht die Landesregierung vor wichtigen Entscheidungen. Sollen die Lehrerstellen an beruflichen Schulen erhöht werden, wie vom Berufsschullehrerverband gefordert? Und wie geht es weiter mit den Gesamtschulen im Südwesten? Es scheint, als ob es momentan keinen Bereich im Bildungswesen gibt, der nicht diskutiert wird. Nun melden sich die Berufsschullehrer zu Wort: Sie wollen, dass die Landesregierung das hält, was sie vor der Wahl versprochen hat. Unter anderem sicherte sie zu, das Unterrichtsdefizit an beruflichen Schulen zu verringern.

Deshalb fordert der Verband der Berufsschulleher (BLV) insgesamt 1200 Vollzeitstellen in den nächsten drei Jahren. "Damit könnte das Unterrichtsdefizit von derzeit 4,4 Prozent abgebaut werden", sagte die Landeschefin des BLV, Margarete Schaefer, am Donnerstag. Außerdem könnte durch die versprochene Erhöhung der Lehrerstellen der Rechtsanspruch für Schüler auf einen Platz an einem beruflichen Gymnasium umgesetzt werden. Die Landesregierung habe vor der Wahl einen entsprechenden Schulgesetzentwurf eingebracht, doch jetzt passiere nichts mehr, klagt Schaefer.

Nicht nur Schulen sehen Handlungsbedarf

Vor dem Schulbeginn am 12.September verweist das Kultusministerium auf 1080 Deputate für die beruflichen Schulen, die zum kommenden Schuljahr vorhanden sind. Dieser Wert liege deutlich über dem Niveau der Vorjahre. Der vom BLV geforderte Rechtsanspruch werde je nach Haushaltslage in den kommenden Jahren umgesetzt, so das Ministerium. SPD und Grüne sehen das Unterrichtsdefizit vor allem als Altlast der Vorgängerregierung und weisen auf die angespannte Haushaltssituation hin. Die FDP dagegen fordert die Landesregierung auf, statt den Gesamtschulen den beruflichen Schulen mehr Bedeutung zuzumessen. Ein weiteres Problemfeld für die Landesregierung sind die geplanten Gesamtschulen. Diese sollen mit einer gymnasialen Oberstufe ausgestattet werden. Dazu seien lediglich zwölf Schüler erforderlich, sagte Schaefer vom BLV. So könne eine Oberstufe nicht differenziert geführt werden. Letztendlich würden somit Ressourcen vergeudet. "Wir fordern, die gymnasialen Oberstufen an den neu einzurichtenden Gemeinschaftsschulen nicht einzuführen", sagte Schaefer. Vielmehr solle das vorhandene Netz der beruflichen Schulen genutzt werden. "Wir brauchen kein drittes Abitur im Land", meinte Schaefer.

Das Kultusministerium teilte mit, dass die Aussage, zwölf Schüler würden für solch eine Oberstufe ausreichen, nicht zutreffe. Die Grünen-Fraktion spricht sich für eine Kooperation zwischen Gemeinschaftsschulen und Gymnasien aus. So hätten begabte Kinder einen Anreiz, sich für die Einheitsschule zu entscheiden. Im Kultusministerium sind inzwischen mehr als 100 Anfragen für die leistungsübergreifende Schulform eingetroffen. Im Oktober sollen die Rahmenbedingungen veröffentlicht werden: Klassengröße, Mindestschülerzahl und pädagogisches Konzept - das alles ist bisher noch offen. Auch in den Grundschulen stehen Änderungen bevor. Vom nächsten Frühjahr an dürfen Eltern zum ersten Mal allein entscheiden, auf welche Schule ihr Kind nach der vierten Klasse wechselt. Erwartet wird in diesem Schuljahr auch eine Entscheidung für oder gegen Fremdsprachen im Grundschulunterricht. In Baden-Württemberg stehen im Moment Englisch und Französisch zur Auswahl.

Nicht nur die Schulen sehen Handlungsbedarf. Auch der Schulweg per Bus steht in der Kritik. Der Landeselternbeirat möchte an den Bedingungen in Schulbussen dringend etwas ändern. "Wenn man sich die Vorschriften für den Transport von Schlachtvieh ansieht, würde man sich freuen, wenn diese Regeln in Schulbussen angewendet würden", sagte Elternbeiratschef Christian Bucksch. Die Busse seien viel zu überfüllt. Die Zuständigkeit liegt bei den Kommunen. Das Land will den Schultransport 2012 mit 20 Millionen Euro unterstützen.

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