Erst auf Papier, dann in Echt: Silke Schmidt-Dencker (l.) und Petra Trick-Renschler verschenken Schulranzen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Zwei Vereine in der Region Stuttgart haben zum neuen Schuljahr Ranzen und Mäppchen an bedürftige Erstklässler verschenkt. Dabei wurde sehr auf die Wünsche der Kinder geachtet.

Stuttgart - Viele Eltern können sich zum Schulstart ihrer Kinder nicht die passende Ausrüstung leisten. Ein Schulranzen muss her, ein Mäppchen, Stifte, Hefte, Brotdosen, ein Turnbeutel und vieles mehr. Das ist gar nicht so billig. Deshalb hat der Stuttgarter Verein „Frauen helfen helfen“ die Aktion Ranzenpacker ins Leben gerufen. Damit wollen die zehn engagierten Frauen, die dahinter stecken, den Eltern und vor allem den Kindern helfen. Wegen Aktionen wie dieser können in der kommenden Woche viele Kinder mit nagelneuen Schulranzen in die Grundschule starten.

Flüchtlingsjunge hatte pinkfarbenen Rucksack

Im Juni hat der Verein in Kooperation mit dem Jugendamt dazu aufgerufen, für bedürftige Familien zu spenden. Am Anfang der Aktion standen die Kinder selbst: Sie durften einen Schulranzen auf Papier so anmalen, wie sie ihn gerne hätten. Die Aufgabe des Vereins und der Spender war es dann, der Zeichnung mit dem echten Ranzen so nah wie möglich zu kommen. „Wir hatten auch einen Flüchtlingsjungen dabei, der seiner Lehrerin anvertraut hat, dass er mit seinem pinken Glitzerranzen nicht so zufrieden sei“, sagt Silke Schmidt-Dencker vom Verein, „aber er wollte sich nicht beschweren, weil er ihn geschenkt bekommen hat.“ Um solche Fälle zu vermeiden, durften die Kinder ihren Wunsch-Ranzen malen. „Manche sind dann wirklich losgegangen und haben den Ranzen gekauft, den sich ein Kind gewünscht hat und haben den bei uns abgegeben“, sagt Schmidt-Dencker. Es seien aber deutlich mehr Geld- als Sachspenden eingegangen. Mit dem Geld haben dann eben die Vereinsmitglieder einen passenden Ranzen gekauft.

Ein Ranzen kostet rund 150 Euro

Wer einen Schulranzen geschenkt bekommt, entscheidet das Jugendamt, die jeweilige Schule oder ein Sachbearbeiter. „Da vertrauen wir den Verantwortlichen zu 100 Prozent“, sagt Schmidt-Dencker. Der Verein selbst hatte keinen persönlichen Kontakt zu den Kindern, außer ganz am Anfang. „Es ist nicht notwendig, dass die Kinder wissen, dass der Schulranzen jetzt nicht von den Eltern gekauft, sondern durch Dritte finanziert wurde“, sagt Schmidt-Dencker. Deshalb wolle sie sich eher zurückhalten.

Insgesamt haben sich rund 45 Kinder über die Spenden, die sie in den nächsten Wochen durch den Schulstart begleiten werden, gefreut. Der Wert der verschenkten Ranzen, Mäppchen und Turnbeutel liegt laut Schmidt-Dencker bei etwa 6000 bis 7000 Euro. Ein Schulranzen kostet im Schnitt 150 Euro. „Und dann hat man noch keinen Inhalt“, sagt Schmidt-Dencker.

Die Aktion gab es schon einmal

Die Aktion Ranzenpacker soll es im kommenden Jahr wieder geben. „Dann rufen wir aber früher zum Spenden auf“, meint Schmidt-Dencker. Denn die meisten Familien seien im Frühjahr bereits mit Schulmaterialien ausgestattet. Im Jahr 2007 hat der Verein die Aktion zum ersten Mal gemacht. Damals wurden noch rund 170 Schulranzen verschenkt. „Seitdem haben wir es nicht mehr gemacht, weil der Bedarf scheinbar nicht da war“, sagt Schmidt-Dencker, „aber er ist wohl jetzt doch wieder da.“

Stiftung Humanus verschenkt auch Schulranzen

Eine ähnliche Aktion gibt es von der Humanus Stiftung in Fellbach. Seit 2010 verschenkt diese gefüllte Schulranzen an Kinder, deren Eltern sich keinen geeigneten Ranzen leisten könnten. Wenn diese Kinder die Grundschule wieder verlassen, geben sie ihren Ranzen zurück und er wird an Kinder in Entwicklungsländern weiter gegeben. So kann gleich zweimal geholfen werden.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: