Zwei Männer geben vor dem Landgericht Stuttgart zu, Anfang April an der Schussabgabe in Plochingen beteiligt gewesen zu sein. Einer der beiden 23-jährigen Angeklagten gestand, auf die Shisha-Bar geschossen zu haben.
Zum Ende des Prozesses um die Schüsse auf eine Shisha-Bar in der Nähe des Plochinger Bahnhofs äußerten sich die beiden 23-jährigen Angeklagten jetzt zur Tat. Sie ließen über ihre Verteidiger Geständnisse verlesen und machten zudem Angaben zu ihren Lebensläufen. Seit Dezember müssen sich die jungen Männer wegen des Vorwurfs des versuchten Mordes vor dem Landgericht Stuttgart verantworten.
Eigentlich hatte es für einen der beiden Angeklagten gut ausgesehen. Er hatte den Hauptschulabschluss abgelegt, dann die Mittlere Reife gemacht und eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker begonnen. Doch im zweiten Lehrjahr brach der junge Mann seine Lehre ab. Sein Arbeitgeber habe keinen Meistertitel gehabt, gab der Angeklagte an, darum habe er seine Ausbildung bei ihm nicht beenden können. Einen anderen Lehrbetrieb habe er nicht gefunden. Danach versuchte er eigenen Angaben zufolge, in verschiedenen Jobs Fuß zu fassen und habe jeweils für ein knappes Jahr als Lagerlogistiker und Trockenbauer gearbeitet. Mit seinen Eltern und seinen Geschwistern habe er vor seiner Festnahme in Wiesensteig im Landkreis Göppingen gelebt.
Fahrer des Tatfahrzeugs
Zum Tatvorwurf ließ der 23-Jährige eine kurze Erklärung von seinem Rechtsanwalt verlesen. Er habe in der Nacht vom 1. auf den 2. April vergangenen Jahres das Auto gefahren, aus dem die Schüsse abgegeben worden waren. Er selbst habe nicht geschossen. Doch er habe von der Absicht seines Beifahrers gewusst, mit einer Waffe auf Menschen in der Shisha-Bar zu schießen. Die Tat tue ihm sehr leid und er werde die Konsequenzen seines Handelns tragen. Nach der Verbüßung einer möglichen Haftstrafe, so antwortete der Angeklagte auf eine Frage der Richterin, werde er sich einen Job suchen und wolle eine Familie gründen. In einem an einem vorherigen Verhandlungstag verlesenen Brief des Angeklagten an die Leitung der Justizvollzugsanstalt, in der er gerade einsitzt, hatte er behauptet, er habe sein Auto in der Tatnacht an einen Bekannten verliehen gehabt.
Sein Komplize gab bei der Befragung zur Person an, mit 16 Jahren aus der Türkei zu seinem Vater nach Deutschland gekommen zu sein, während seine Mutter mit den vier Geschwistern im Heimatland geblieben sei. Nach dem Absolvieren eines Deutschkurses habe es bei ihm zu Hause Probleme gegeben. Er habe sich mit der Lebensgefährtin seines Vaters nicht verstanden und sei nach einem Streit mit ihr aus der Wohnung geflogen. Von diesem Zeitpunkt an habe er verschiedene Jobs ausgeübt. Doch da er kein geregeltes Einkommen gehabt habe, sei er seinem Vermieter Geld schuldig geblieben und habe aus seiner Wohnung in Göppingen ausziehen müssen. Danach habe er bei Freunden gewohnt. Seit seinem 14. Lebensjahr rauche er Marihuana, später sei der Konsum von Kokain hinzugekommen.
Schüsse des Beifahrers
Auch er gab über seinen Verteidiger eine knappe Erklärung zum Tathergang ab. Er habe in der Tatnacht auf dem Beifahrersitz des Tatautos gesessen und habe von dort aus sechs Schüsse auf die Shisha-Bar abgegeben. Dass Personen in dem Lokal dadurch zu Schaden kommen könnten, habe er billigend in Kauf genommen. Er wolle sich für die Tat besonders bei dem Wirt entschuldigen, der durch Streifschüsse am Rücken verletzt worden war. Nach Verbüßung einer möglichen Haftstrafe wolle er in sein Heimatland zurückkehren: „Hier werde ich nicht bleiben.“
Der Angeklagte, so gab das Gericht bekannt, war schon zuvor mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Er war wegen Körperverletzung und wegen des Handels mit Betäubungsmitteln zu 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt worden.