Bei der gemeinsamen Pressekonferenz hatten OB Klopfer und Polizeipräsident Eisele die „gute Zusammenarbeit“ betont – doch hinter den Kulissen knirscht es. Foto: dpa

Schorndorf ist durch die Vorfälle auf der Schowo international in den Schlagzeilen – die Polizei sieht sich in vielen Berichten jedoch falsch interpretiert.

Schorndorf - Die kleine Stadt Schorndorf hat es wegen der Vorfälle am Wochenende weltweit in die Schlagzeilen geschafft. Oft wird sie in einem Atemzug genannt mit der Silvesternacht in Köln und den Anti-G20-Protesten in Hamburg. Das Trump-nahe US-Nachrichtenportal Breitbart.com etwa berichtet, Gruppen von 30 bis 50 bewaffneten jungen Männern seien durch Schorndorf gezogen und nennt die Zahl von 1000 Randalierern. Das amerikanische Online-Portal „Live Trading News“ schreibt: „Muslimische Flüchtlinge vergewaltigen Festival in Deutschland“. Bebildert werden die Artikel oft mit Fotos vom Münchner Oktoberfest – wenn auch mit entsprechendem Hinweis.

Die Vorfälle – und besonders die Tatsache, dass die Tatverdächtigen Ausländer sind – werden auch von rechtslastigen und AfD-nahen Medien aufgegriffen. AfD-Vizevorsitzende Beatrix von Storch etwa bezeichnete die Vorfälle als „islamische Grapschparty“ von „1000 Migranten“. Auch das Portal „MMNews“ meldet: „1000 Migranten randalieren“ – eine Darstellung, der sich auch die „Epoch Times“ anschließen. Der rechtskonservative Blog „Tichys Einblick“ konstatiert: „Kölner Silvesternacht in der Provinz angekommen“. „Entfesselter Migranten-Mob missbraucht Frau in Schorndorf“, titelt die „Bundesdeutsche Zeitung“ online.

Hinter den Kulissen brodelt es zwischen Rathaus und Polizei

Der Polizeisprecher Ronald Krötz bezeichnet Berichte von 1000 Randalierern und Vergewaltigungen als „völlig falsch“. Auch der Polizeipräsident Roland Eisele hatte eingeräumt, in der Dunkelheit habe man nicht ausmachen können, wie viele der Menschen an Ausschreitungen beteiligt gewesen seien – von ihrer ethnischen Zugehörigkeit ganz zu schweigen. In einer ersten Meldung hatte die Polizei berichtet, „ein großer Teil“ der 1000 Menschen habe einen Migrationshintergrund gehabt.

Auf einer Pressekonferenz am Montagmittag hatten der Schorndorfer OB Matthias Klopfer und der Polizeipräsident Roland Eisele noch von „guter Zusammenarbeit“ gesprochen. Doch hinter den Kulissen brodelt es gewaltig. Aus dem Rathaus kommt Kritik an der Polizeiarbeit – und die Polizei widerspricht den Darstellungen des OB. Die von Klopfer kritisierte Meldung, so Ronald Krötz, werde von vielen Medien falsch ausgelegt: „Von 1000 Randalierern haben wir nie geschrieben.“ Entsprechende Berichte ließen Satzteile weg oder seien schlicht „völlig überzogen“. „Dafür, was daraus gemacht wird, können wir nichts“, so Krötz. Klopfers Aussage, es habe keine bewaffneten Gruppen gegeben, will er nicht stehen lassen: „Wir hatten entsprechende Zeugenaussagen, die nicht verifiziert werden konnten – das ist etwas anderes.“

Darum sind die Verdächtigen wieder auf freien Fuß gesetzt worden:

Derzeit arbeitet die Polizei daran, den Ablauf und die Anzahl der Delikte auszuwerten. Dafür bittet sie nach wie vor um Zeugenaussagen: „Leider haben Fernsehsender teilweise Videomaterial von Zeugen zur Verfügung gestellt bekommen – wir nicht. Hinweise gingen nur sehr spärlich ein“, bedauert Krötz.

In den sozialen Netzwerken sorgt derweil oft für Unverständnis, dass die Männer, die die Polizei der sexuellen Belästigung verdächtigt, auf freiem Fuß sind. „Die Verdächtigten sind aber greifbar“, betont Krötz. „Und dass es keinen Haftbefehl gibt, heißt nicht, dass nichts passiert. Die Ermittlungen laufen.“

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