Die Gaststätte Traube in Weiler wird teilweise abgerissen. Foto: Gottfried Stoppel

Vor dem Lokal Traube in Schorndorf-Weiler fahren in Kürze die Abbruchbagger vor. Ein Investor will dort einen Gebäudeteil abreißen und betreute Seniorenwohnungen bauen. Eine örtliche Initiative zeigt sich vom Gang der Dinge enttäuscht.

Schorndorf - Gegenüber der Kirche mitten in Schorndorf-Weiler fahren im Auftrag des Bauunternehmers Erwin Paulus aus Pleidelsheim (Kreis Ludwigsburg) demnächst die Abbruchbagger vor. Der alteingesessenen Gaststätte Traube geht es an den Kragen. Der jüngere, rund 100 Jahre alte Gebäudeteil werde abgerissen, bestätigt Paulus auf Anfrage. Erhalten bleiben soll ein Gebäudeteil aus dem 17. Jahrhundert, das unter Denkmalschutz steht. Ein Prüfstatiker habe bestätigt, dass der Abbruch möglich sei, ohne dass der Hausveteran Schaden nehme, sagt Paulus.

„Im Grunde genommen ist das eine große Schweinerei“, sagt Eberhard Klasse. Der frühere Hörfunkregisseur, der seit Jahrzehnten in Weiler wohnt, hat sich gemeinsam mit einer Initiative von acht Leuten für die Erhaltung des Gasthausensembles eingesetzt. Als vor zwei Jahren bekannt wurde, dass der Unternehmer das Bauareal kaufen wolle, habe man mit Paulus das Gespräch gesucht. Der Initiative ging es auch um das griechische Lokal, das in dem jetzt zum Abbruch freigegebenen Gebäudeteil ansässig war. Das Lokal hätte zu den Neubauplänen gepasst, sagt Eberhard Klasse. Es hätte geholfen, die Dorfmitte zu beleben, die bisher vom Autoverkehr bestimmt wird.

Anstelle des abgerissenen Hauses soll auf dessen Grundstück ein Gebäuderiegel mit 27 betreuten Seniorenwohnungen errichtet werden. Klaus Beck, der Ortsvorsteher von Weiler, der den Kontakt zu Paulus hergestellt hatte, sind vor allem die Pflegewohnungen ein großes Anliegen. Bisher habe der Ort mit seinen knapp 4000 Einwohnern nichts dergleichen zu bieten. Die Senioren müssen bisher nach Winterbach oder nach Schorndorf umziehen.

Eberhard Klasse hält dies ebenfalls für nötig, zumal er selbst ins Seniorenalter kommt. Bezüglich des Umfelds seien jedoch andere Dinge besprochen gewesen, sagt er. Das denkmalgeschützte Gebäude hätte laut Klasse saniert und das griechische Lokal dorthin umgesiedelt werden sollen. Zudem sei überlegt worden, im Erdgeschoss des Pflegehauses eine von einer Stiftung finanzierte Tagespflege einzurichten, welche die örtliche Diakoniestation hätte betreiben sollen. Solche Einrichtungen trügen zur Entlastung der Angehörigen von Pflegebedürftigen bei, bestätigt auch der Ortsvorsteher Klaus Beck.

Doch nun kommt anders: Die Stiftung habe aus finanziellen Gründen einen Rückzieher gemacht – laut Erwin Paulus deswegen, weil die Diakoniestation eine geringe Miete zu zahlen bereit war. Nun werden anstelle der Tagespflege zwei zusätzliche Wohnungen eingebaut und der Gemeinschaftsraum vergrößert würden, erklärt Paulus.

Die Umsiedlung des griechischen Lokals habe nach Angaben des Bauunternehmers deswegen nicht geklappt, weil sich die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes entgegen ersten Schätzungen auf zwei Millionen Euro verteuert habe. Weil es viele Kaufinteressenten für die Wohnungen gebe, habe er nun den Baustart beschlossen, sagt Paulus. Der Abriss sei seit September genehmigt. Dass man nicht schon damals begonnen habe, sei einer Naturschutzauflage geschuldet gewesen. Den Dachstock des alten Hauses dient Fledermäusen als Quartier, was von Gutachtern untersucht werden musste.

Eberhard Klasse missfällt dieser Gang der Dinge. Die Entwicklung hätte eine Chance geboten, die Dorfmitte von Weiler bürgerfreundlich umzugestalten, sagt er. Nun stehe der Profit im Vordergrund, nicht der langfristige Nutzen für den Ort.

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