„Im Moment ist es total lieblos“, sagt der Bürgermeister Wilfried Dölker über das Zentrum des Kreisverkehrs an der Altdorfer Kreuzung. Das soll anders werden. Foto: factum/Granville

Die Stadt will ihren Ortseingang an der Altdorfer Straße verschönern. Allerdings sind die Vorschriften für die Verkehrssicherheit streng. Rutesheim hat deshalb auf einen Kohlkopf als Verzierung für den Kreisverkehr beim Ortsteil Perouse verzichtet.

Holzgerlingen - Der gegenwärtige Zustand passe einfach nicht zu Holzgerlingen, findet Wilfried Dölker. „Wir legen Wert auf einen hochwertigen Stadteingang“, sagt der Bürgermeister. Deshalb soll die Wiese im neuen Kreisverkehr an der Altdorfer Kreuzung mit einer Glasskulptur des Künstlers Fritz Mühlenbeck verschönert werden. „Ich rechne mit hohen bürokratischen Hürden“, sagt Dölker aber gleich dazu. Der Kreisverkehrerlass des Landesverkehrsministeriums macht die Installation von Kreiselkunst kompliziert. In Rutesheim ist die Idee mit dem Kohlkopf deshalb verworfen worden. Bei der Gestaltung des Kreisverkehrs an der neuen Umfahrung vom Stadtteil Perouse wird der Ball vorsichtshalber flach gehalten.

An Kreis- und Bundesstraßen dürfen seit 2013 außerorts in neuen Knotenpunkten keine starren Hindernisse mehr aufgebaut werden. An Ortsdurchfahrten wird der Einzelfall geprüft. Auch die imposante Stahlskulptur von Lutz Ackermann zwischen Gäufelden und Herrenberg geriet dadurch ins Visier der Prüfer. Erst ein Gutachten und ein Erdwall sicherten ihren Bestand.

Bilderbuchlösung in Rutesheim

Während im Fall von Holzgerlingen das Gespräch mit dem Stuttgarter Regierungspräsidium noch am Anfang ist, hatte Rutesheim auch eine den Vorschriften entsprechende Bilderbuchlösung auf Lager. Eigentlich hätte ein vier Meter hoher Krautkopf in der Mitte des Kreisels auf die Tradition des Krautanbaus in Perouse hinweisen sollen. Doch aus dem Hingucker wird nichts, obwohl er aus Kunststoff hergestellt werden sollte. Stattdessen gibt es einen Ring aus Stahl auf dem Erdhügel, der einen halben Meter hoch ist. Aus dem Blech wird der Leitspruch der Perouser Waldenser „Lux lucet in tenebris – Das Licht leuchtet in der Finsternis“ herausgelasert. Bei einem Aufprall deformiert sich das Metall. Schräg auf die Böschung werden zwei Wappen gelegt, die nur fünf Zentimeter aus der Erde ragen. Es kommen nur Pflanzen in die Beete, die keine Stämme bilden – mit Ausnahme von drei Wacholdern, die höchstens zehn Zentimeter dick werden.

Wie Holzgerlingen argumentiert Martin Killinger für Rutesheim mit dem Wunsch nach einem schönen Ortseingang. In der Stadt gibt es bereits drei hübsch gemachte Kreisel. „Es wird als sehr positiv gesehen, dass da nicht nur langweiliges Gras wächst“, sagt der Erste Beigeordnete. Rund 40 000 Euro wollen beide Kommunen dafür ausgeben. Auf den außergewöhnlichen Krautkopf musste wegen der Lage außerhalb des Ortes aber verzichtet werden: „Wenn Autofahrer geradeaus fahren, dürfen sie auf keinen Widerstand treffen“, zitiert Martin Killinger den Erlass.

Auch schon Stress bei andere Kunstprojekten im Straßenraum

Auch in Holzgerlingen wird mit Vorsicht vorgegangen: Das Kunstwerk soll aus dem gleichen Verbundglas wie Autoscheiben bestehen. Außerdem wird an einer Konstruktion gearbeitet, damit die Skulptur sofort umkippt, sollte ein Wagen aufprallen. Weil der Verkehr tangential in den Kreisel einfährt und nicht geradeaus, hält Wilfried Dölker das Vorhaben zudem für ungefährlich. Holzgerlinger Motive wie die Burg Kalteneck und den Schönbuch soll die Skulptur zeigen. „Wir werden die Hoffnung erst am Ende aufgeben“, gibt er sich kampfbereit. Bereits bei der Gestaltung des Kreisels an der Kreisstraße in Richtung Ehningen habe es Stress gegeben. Dort stehen das Stadtwappen, zwei bunte Vögel und eine Eiche auf einem Hügel. „Man müsste mit einem Geländewagen hinauffahren, um dagegen zu stoßen“, sagt der Bürgermeister und fordert „Maß und Augenmaß für die örtliche Situation“ statt Paragrafenreiterei.

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