Glasfaserkabel kurz vor dem Einbau. Foto: dpa

Stuttgart wird nach Berlin die zweite 5G-Modellregion. Dafür arbeiten die Landratsämter auf Hochtouren.

Region - Das Ziel ist klar formuliert. Die Region Stuttgart soll 5G-Region werden, denn ein flächendeckendes 5G-Mobilfunknetz ist die Voraussetzung für selbstfahrende Autos und für die Industrie 4.0, die schnelle Netze benötigt. Hans-Jürgen Bahde, der Wirtschaftsförderer der Region, hat mittlerweile die Zusage der Telekom, dass Stuttgart nach Berlin die zweite 5G-Modellregion in Deutschland werden soll. Die ersten Anlagen dazu werden im kommenden Herbst montiert werden.

Für das Programm, das 2030 abgeschlossen sein soll, hat die ganze Region zusammen geholfen. Fast zeitgleich werden in den fünf Landkreisen der Region Mitte Dezember fünf Zweckverbände für das Breitbandnetz gegründet. Im Kreis Esslingen hat Ann-Kathrin Präger federführend die Vorarbeiten übernommen. Zwei Jahre lang hat sie jede der 44 Gemeinden im Kreis besucht und war zusätzlich auf vielen Bürgermeisterversammlungen, um für das Breitbandnetz zu werben. Mittlerweile haben sich 42 der Kommunen dazu entschieden, dem Zweckverband beizutreten, berichtet sie, nur zwei seien noch unschlüssig. Ann-Kathrin Präger hofft jedoch auf Zustimmung, möglicherweise dann, wenn am 13. Dezember die Gründung des Zweckverbandes auf der Tagesordnung des Esslinger Kreistages steht.

Denn um die 5G-Region zu erreichen, braucht es ein flächendeckendes Breitband-Internet. Das ist nur möglich, wenn die alten Kupferkabel ebenso flächendeckend durch Glasfaserkabel ersetzt werden. Der Begriff „5G“ im Mobilfunk ist dabei übrigens eine Abkürzung für „ 5. Generation“ des Mobilfunks. Sie lässt eine Übertragungsrate von bis zu 10 Gigabyte pro Sekunde zu.

Jährlich 7000 Baustellen

Und der Bedarf ist groß. Martina Keck, die Pressesprecherin des Landratsamtes im Rems-Murr-Kreis, berichtet, dass nicht nur im eher ländlichen Schwäbischen Wald das Internet lahme, sondern auch direkt im Remstal, die Haupt-Entwicklungsachse des Kreises. In Waiblingen jedenfalls steht am 17. Dezember die Gründung eines Zweckverbands Breitband auf der Tagesordnung.

Um das flächendeckende Breitbandnetz in der Region bis zum Jahr 2030 fertig zu stellen, bedeutet das beispielsweise für den Kreis Esslingen, dass dort jährlich 7000 Baustellen ausgewiesen werden müssen. Also kann es nur stückweise gehen: „Wenn wir den Ausbau in einem einzigen Jahr machen würden“, gibt Peter Keck, der Pressesprecher des Esslinger Landratsamtes, zu bedenken, „dann müssten wir in jeder Kommune beinahe alle Straße aufreißen, und der Verkehr würde kollabieren.“

Für Ann-Kathrin Präger ist es wichtig, dass mit dem Zweckverband ein gewisser Automatismus in den Breitbandausbau komme. Sobald eine Kommune eine Baustelle plane, um etwa neue Gas- oder Wasserleitungen zu legen, dann solle der Zweckverband automatisch verständigt werden. Er sorge dann dafür, dass Leerrohre oder gleich die neuen Glasfaserkabel gelegt würden. Der Zweckverband ist aber nicht nur eine Schnittstelle nach unten in die 179 Kommunen der Region Stuttgart hinein, sondern auch nach außen.

„Besser, wenn man mit einer Stimme spricht, als mit 179 verschiedenen“, sagt dazu Ann-Kathrin Präger. Deswegen wird auf die fünf Zweckverbände der Landkreise noch eine weitere Struktur aufgesetzt. Das wird eine GmbH sein, die dann direkt mit der Telekom verhandelt.

Denn die Telekom hatte bislang vornehme Zurückhaltung bewiesen beim Breitbandausbau in der Region, was von der Region Stuttgart wenig goutiert wurde. Schnell wurde in den vergangenen Jahren klar, dass die öffentliche Hand hier reagieren musste. Als vor wenigen Jahren die Versorgung mit Breitband in der Region immer noch bei nur 42 Prozent lag, konnten die Landkreise ein „Marktversagen“ feststellen. Das ermächtigte sie überhaupt, in die Internet-Planung einzusteigen. Schließlich ist das nicht gerade die Kernaufgabe einer Kreisverwaltung.

Etwa 2,2 Millionen Kunden im Großraum Stuttgart

„Als man der Telekom klar gemacht hat, dass der Großraum Stuttgart etwa 2,2 Millionen Einwohner hat, für die sich möglicherweise auch ein anderes Unternehmen interessieren könnte, kam etwas Bewegung in die Sache“, berichtet ein Experte. Das sei dann auch der Hebel gewesen, mit dem man die Planung des Breitbandnetzes strategisch vorantreiben konnte.

Einen gewissen Charme hat die Idee, mit dem 5G-Netz durch autonomes Fahren das Automobil in eine neue Zukunft zu bringen. Eine Zukunft, die unabhängig davon ist, ob ein Auto mit Diesel, Benzin oder Strom fährt. Damit wird rund um Stuttgart ein neues Kapitel der Automobilgeschichte aufgeschlagen, genau dort, wo sie vor 132 Jahren begann.

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