Leise und laute Klarinettentöne mit Sayaka Schmuck, Johann Peter Tafferner und Kristóf Dömötör bei den Schlosskonzerten in Dätzingen Foto: Bernd Epple

Der Kulturkreis Grafenau landet mit dem preisgekrönten Klarinetten-Trio Schmuck einen Volltreffer zum Auftakt der Schlosskonzerte Dätzingen. Von Brahms bis Beatles ist alles dabei.

Die Klarinette verfügt, im Gegensatz zu Gitarre oder Klavier, nicht gerade über eine Anziehungskraft, die Konzertsäle füllt. Ganz anders ist das jüngst im Maltesersaal des altehrwürdigen Dätzinger Schlosses gewesen. Dieser ist voll gefüllt, als Sayaka Schmuck, Johann Peter Tafferner und Kristóf Dömötör die Bühne betreten. Wohl hat es sich herumgesprochen, dass die Dätzinger Schlosskonzerte für Qualität stehen und immer wieder für neue und ungewöhnliche Höreindrücke sorgen.

 

So mancher Besucher gerät ins Staunen über das Klangspektrum dreier Klarinetten; wobei die dunkle und sonore Dynamik von Bassklarinette und Bassetthorn (Kristóf Dömötör) eine gewichtige Rolle spielt. Im Programm hieß es „Kammermusikabend – von Klassik bis Jazz“. Folglich entschloss sich das Trio die erste Programmhälfte mit Mozart und Brahms zu gestalten und sich nach der Pause Meistern des zwanzigsten Jahrhunderts zu widmen.

„Mozart liebte die Klarinette“, ließ Sayaka Schmuck wissen, sie käme der menschlichen Stimme am nächsten. Ihre Mimik und Gestik verraten, dass sie tief in dessen Musik eingetaucht ist, sowie auch das gesamte Ensemble mit viel Hingabe dabei ist. Nach Auszügen aus der „Zauberflöte“ bleiben die Klarinettisten bei der Leichtigkeit und Verspieltheit eines Mozarts. Die Ungarischen Tänze eines Johannes Brahms sind Dömötör auf den Leib geschneidert, ist er doch „ein waschechter Ungar“, wie Tafferner schmunzelnd betont. Die Pausen beim „Ungarischen Tanz Nr. 1“ nutzt er, um seinem Bassklarinettenbläser liebevoll übers Haupt zu streicheln. Dieses müsste mal wieder neu poliert werden, scherzt er. Auszüge aus „Die Hochzeit des Figaro“ und „Don Giovanni“ beenden sowohl tragend majestätisch, als auch auch jauchzend Teil Eins des Konzertes.

Mit den Beatles geht es weiter „Let it Be“ und „When I’m 64“ fügen sich nahtlos aneinander, wobei bei Letzterem bereits im Original die Klarinette eine tragende Rolle spielt. „Take five“, der Evergreen von Paul Desmond, mit dem das Dave Brubeck Quartett im Jahr 1959 die Jazz-Charts stürmte, beginnt mit Bassklarinette und der „Improvisation über einen Ton“, wie Tafferner erklärt, um nach dem Thema in teilweise dissonante Auflösungen zu münden. „Alles so gewollt, das ist quasi wie eine Art Tonarten-Waschmaschine – wir verspielen uns da nicht, auch wenn wir hier manchmal das Mitgefühl unseres Publikums wecken.“

Filmmusik und Abba-Evergreens

Während des Vortrags sind einige wippende Füße zu erkennen, die dem mitreißenden Fünfertakt offensichtlich nicht widerstehen. Dem Saxofonisten, Klarinettisten und Komponisten Alexander von Hagke ist hier ein wunderbares Arrangement für dieses Trio gelungen.

Mit Filmmusik geht die Reise durch die Neuzeit weiter. Henry Mancinis „Moon River“ weckt Erinnerungen an „Frühstück bei Tiffany“, wo dieser Song „augenscheinlich“ von Audrey Hepburn intoniert wird. „After you’ve one“ soll das Lieblingsstück von Klarinetten-Ikone Benny Goodman gewesen sein, also lässt es sich das Trio nicht nehmen, auch diesen Standard aufs Programm zu setzen. In diesem kam ursprünglich ein Abba-Medley nicht vor. Nun wurden jedoch deren Hits „Money, Money, Money“ und „Thank you for the Music”, in neue Gewänder gesteckt, in denen einmal mehr die Vielseitigkeit dieser Klarinettenformation aufblitzte.

Argentinischer Tango und Bach

Zu guter Letzt noch ein Ausflug in südamerikanische Gefilde. „Libertango“, das Paradestück des großen argentinischen Tango-Komponisten Astor Piazzolla, schließt temperamentvoll einen bunten Musikgenre-Reigen. Johann Sebastian Bachs „Arioso“ scheint als Zugabe hernach bestens geeignet, den Pulsschlag von Musikern und Publikum wieder etwas zu verlangsamen. Zart umwebend und schwebend wird ein begeistertes Publikum in die Nacht entlassen.