Schloss Kaltenstein thront hoch über der Kernstadt von Vaihingen/Enz auf einem 271 Meter hohen Muschelkalkfelsen. Erwähnt wurde es erstmals im Jahr 1096. Foto: StZN

Die ersten Pläne für ein Sternehotel in dem historischen Gemäuer im Kreis Ludwigsburg liegen vor. Einem Gremium passen die aber gar nicht. Droht das Projekt zu scheitern?

Gefreut haben Wolfgang Scheidtweiler die Nachrichten, die ihn im fernen Israel erreicht haben, mit Sicherheit nicht. Denn es knirscht einigermaßen bei einem seiner Projekte: genauer gesagt bei Schloss Kaltenstein in Vaihingen/Enz (Kreis Ludwigsburg). Auf dem weithin sichtbaren Prunkbau, der „Krone der Stadt“, plant der Hotelier und Geschäftsmann ein Sternehotel.

 

Bevor sich Scheidtweiler mit seiner Private Schloss-Collection GmbH des Baus aus sogenannten Buckelquadern annahm, hatte das Gemäuer jahrelang leer gestanden. Im Gespräch war, dort Flüchtlinge unterzubringen, letztlich entschied sich das Land dagegen und suchte ab 2018 einen Pächter für einen Hotel- und Gastronomiebetrieb. Den Zuschlag bekam Scheidtweiler, der auch Bierbrauer ist und zwischen Konstanz und der Eifel mehrere Brauereien und Hotels betreibt. Er unterschrieb einen Baukonzessionsvertrag über 27 Jahre und verpflichtete sich damit, das Schloss zu renovieren. Anschließend darf er es für die Dauer des Vertrags nutzen. Da die Renovierung des alten Schlosses eine Herausforderung ist, beteiligt sich das Land mit einer Anschubfinanzierung von sechs Millionen Euro.

Wo steht das neue Eingangsgebäude richtig?

Schon der Weg dahin war mühsam, nun droht sich das Projekt erneut zu verzögern. Der Grund: Der Gestaltungsbeirat (GBR) der Stadt Vaihingen/Enz hat große Bedenken bezüglich der ersten Entwürfe. Das Büro Jako, das damit beauftragt ist, plant direkt hinter dem Haupteingang, wo sich derzeit noch Garagen befinden, ein zweistöckiges Empfangsgebäude mit Restaurant. Außerdem soll die sogenannte Schildmauer auf der Nordseite aufgestockt werden, um genügend Platz für die Hotelzimmer zu haben.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Ein Braumeister wird neuer Schlossherr

Vor allem der Neubau ist dem Gestaltungsbeirat ein Dorn im Auge. „Wir können nicht nachvollziehen, wie man zu dem Standort kam“, sagte der Vorsitzende Karl Haag in der Sitzung vergangene Woche. Das geplante Gebäude treffe „den Kern der Anlage“, zudem werde Besuchern – vor allem denen, die nur das Schloss besichtigen – der historische Rundgang versperrt. Stattdessen schlägt der Gestaltungsbeirat ein Gebäude auf der gegenüberliegenden Seite der Festung im Bereich des Zwingers vor, das mit einer Brücke mit dem Hauptgebäude verbunden wird.

Der Investor ist „not amused“

Haag betonte in der Sitzung, es gehe dem Gestaltungsbeirat darum zu fördern und nicht zu behindern. Genau der gegenteilige Eindruck dürfte sich Scheidtweiler und seinem Team aber aufdrängen. Bernd Jäger, Jako-Geschäftsleiter, beharrte auf dem geplanten Standort. Ziel sei ein Gebäude und keine „Hüttenwerke“. Zudem sei fraglich, ob es historisch gesehen überhaupt einen Rundgang um das Schloss gegeben habe. Mit dem Gebäude am Eingang ermögliche man den Gästen einen tollen Blick ins Enztal.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Die schwierige Suche nach Schlossherren

Wolfgang Scheidtweiler selbst ist „not amused“ über die jüngsten Entwicklungen. Eigentlich habe er die Hoffnung gehabt, dass bald ein Bebauungsplan beschlossen werde, sagt er. Schon die Vertragsverhandlungen seien mühsam gewesen, das habe sich bei den Planungen zuletzt fortgesetzt. Abstimmungen mit der Feuerwehr wegen des Brandschutzes, Abstimmungen mit der Denkmalbehörde – der Aufwand war laut Investor groß. „Jetzt verlieren wir Monat um Monat, Jahr um Jahr“, sagt Scheidtweiler. Und die Baupreise steigen. Deshalb ist jeder Tag, an dem nicht gebaut wird, für ihn ein verlorener Tag. „Ich war ehrlich gesagt mehr als erstaunt, dass der Gestaltungsbeirat überhaupt noch mitspricht“, sagt Scheidtweiler. Die Vorschläge, die aus dem Gremium kommen, werde man trotzdem, so gut es gehe, mit einbeziehen.

Bereits eine halbe Million Euro in die Planungen gesteckt

Karl Haag hatte im Gestaltungsbeirat, der sich erstmals mit der Neugestaltung von Schloss Kaltenstein befasste, angemerkt, dass das Gremium eventuell schon früher mit einbezogen hätte werden sollen. Warum ist das dann nicht passiert?

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Porträt eines Pforzheimer Unternehmers – Millionär und Menschenfreund

Dass der GBR ein Wörtchen mitreden möchte, ist wegen des prägenden Charakters von Schloss Kaltenstein keine Frage. Deshalb steht es ihm laut Satzung auch zu. Im Februar sei man gemeinsam „mit dem Planer und dem Landesamt für Denkmalpflege zu dem Ergebnis gekommen, dass die Planungen konkret genug sind, um sie dem GBR vorzustellen“, sagt Mario Steigleder, Sprecher der Stadt, zum späten Termin.

So dramatisch, dass Wolfgang Scheidtweiler erwägt, das Projekt in den Wind zu schießen, sind die Entwicklungen im Übrigen nicht. Dazu habe seine Firma auch schon zu viel Geld – eine halbe Million Euro – ausgegeben, so der 75-Jährige. „Aber wenn man zu lange an einem Kaugummi lutscht, dann schmeckt er irgendwann nicht mehr.“

Ein Schloss mit bewegter Geschichte

Termine
 Um über die Planungen von Schloss Kaltenstein weiter zu beraten, haben sich die Beteiligten darauf verständigt, dass die Pläne überarbeitet werden und sich der Gestaltungsbeirat schnellstmöglich wieder trifft. Spätester Termin für die nächste Sitzung ist der 28. Juli. Ein weiterer Termin ist ebenfalls anberaumt: der 24. November.

Geschichte
 In der Anfangszeit herrschte auf „Castrum Vehingen“ ein reges Kommen und Gehen verschiedener Adelsgeschlechter, im 14. Jahrhundert übernahm das Haus Württemberg die Regie. Später war Schloss Kaltenstein Kaserne und Lazarett, in beiden Weltkriegen saßen dort Kriegsgefangene und Regimegegner ein. 2014 zog das Jugenddorf des Christlichen Jugenddorfwerks aus – und lange niemand mehr ein.