„Wir Schwaben sind in Hollywood immer ganz vorne dabei“, die Schauspielerin Nina Rausch Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Sie war das Kindermädchen Gudrun in „Mad Men“, Franziska in „Orange Is The New Black“, ist jetzt Frau Hoetzinger in „Awkward – Mein sogenanntes Leben“. Doch sogar die wunderbare US-SerienWelt ist Nina Rausch, die aus Ingersheim stammt, nicht mehr groß genug: Sie geht unter die Filmproduzenten.

Stuttgart/Los Angeles - Hollywood kann alles. Außer Weihnachten. Wer von verschneiten Tannenbäumen träumt, die nicht Studiokulisse sind, ist hier falsch. Da hilft es nichts, fünf Blocks vom Kodak Theatre am Hollywood Boulevard entfernt zu wohnen, in dem jedes Jahr die Oscars verliehen werden und wo vor ein paar Wochen der neue „Star Wars“-Film Weltpremiere feierte. „Das war die größte Filmpremiere aller Zeiten“, sagt Nina Rausch, die nur ans Fenster ihrer Wohnung treten muss, um ganz nah am großen Erfolg zu sein.

Jetzt sitzt Nina Rausch aber in einem Café in Stuttgart. Wie jedes Jahr ist sie über Weihnachten zu Hause in Ingersheim. Dass es diesmal auch hier keinen Schnee gibt, kann sie verkraften. Viel zu sehr freut sich ihre Mutter über die Rückkehr der verlorenen Tochter, die vor zwölf Jahren nach Hollywood verschwand, um in Serien wie „Mad Men“, „Orange Is The New Black“, „Castle“, „Californication“ oder „CSI“ mitzuspielen.

Tagsüber Töchterchen, abends Produzentin

Doch ganz abschalten kann die 33-Jährige bei ihrem Heimatbesuch diesmal nicht. Nina Rausch hat noch nicht einmal ihre Uhr umgestellt, damit sie immer weiß, wie spät es an der US-Westküste ist. „Tagsüber bin ich hier das Töchterchen auf Urlaub“, sagt sie, „und abends, wenn in Los Angeles der Arbeitstag beginnt, verwandle ich mich ­Nina, die Produzentin.“

Sie versucht nämlich gerade den Film „Crossing Fences“ zu verwirklichen. Dieser soll von einem jungen Pärchen aus ­Ostdeutschland erzählen, das 1974 versucht, in einem selbst gemachten Schlauchboot in den Westen zu fliehen. „Das ist wirklich ­passiert“, sagt Rausch. Es ist die Geschichte der Großeltern von Anika Pampel. Pampel ist die Autorin und Regisseurin des Films, lebt wie Nina Rausch, die die Hauptrolle spielen soll, in Los Angeles. „Wir finden, dass das eine Geschichte ist, die gut zur aktuellen ­Flüchtlingssituation passt“, sagt Rausch, „wir wollen zeigen, dass hinter jedem ­einzelnen Flüchtling ein Schicksal steckt. Dass das nicht nur Massen an Menschen sind, sondern dass jeder eine persönliche ­Lebensgeschichte hat.“

Mit Adrien Brody und für Kevin Spacey gearbeitet

Den Film „Crossing Fences“ wollen die beiden über die Crowd­-Funding-Plattform Kickstarter finanzieren und suchen derzeit noch Unterstützer. Die Hälfte des Geldes haben sie schon zusammen. Doch am Freitag in einer Woche läuft die Frist aus. Wer will, dass der Film gedreht wird, hat also noch ein paar Tage Zeit, sich zu beteiligen: Schon mit einem Dollar kann man dabei sein. Gedreht wird dann in Februar in Los Angeles. Der Strand von Malibu spielt dann die Ostseeküste.

Auch sonst war Nina Rausch in den vergangenen Monaten ziemlich fleißig. Sie hat zum Beispiel mit dem Oscar-Gewinner Adrien Brody („Der Pianist“) den Kurzfilm „The Library Book“ gedreht, der von dem zweifachen Oscar-Gewinner Kevin Spacey („House Of Cards“) produziert wurde. Und sie spielt in vier Folgen der Serie „Awkward – Mein sogenanntes Leben“ die Deutsch­lehrerin Frau Hötzinger. Beim Casting hatte sie sich keine große Chance ausgerechnet. Schon mehrmals bekam sie eine ähnliche Rolle nicht, weil die Produzenten fanden, dass sie nicht deutsch genug aussieht. „Doch dann habe ich meine knallrote Brille ­aufgesetzt und einfach so getan, als ob ich meine Mutter wäre“, sagt sie, „die ist ­nämlich Grundschullehrerin. Ich war lieb, aber auch ein bisschen streng. Und die Castingregisseure haben sich totgelacht.“ Sie bekam den Part, trägt die rote Brille in jeder Episode, und ihre Mutter fühlt sich auch ganz gut getroffen.

Von „Homeland“ bis „Switched At Birth“

Doch ein paarmal hatte Nina Rausch auch Pech. „Ich habe viermal erfolglos für ‚Homeland‘ vorgesprochen“, sagt sie, „auch weil Clarie Danes ein Vorbild für mich und der Grund ist, warum ich Schauspielerin werden wollte.“ Die Rolle der jungen Helen Mirren in dem Kunstraub-Film „Frau in Gold“ hat ihr im letzen Moment Tatiana Maslany („Orphan Black“) vor der Nase weggeschnappt. Und den Part der Mitbewohnerin von Daphne (Katie Leclerc) in der Serie „Switched At Birth“ bekam sie nur deshalb nicht, weil die Produzenten am Ende fanden, Nina Rausch sähe der Hauptdarstellerin zu ähnlich. Auf der anderen Seite kann sie es sich inzwischen auch ­leis­ten, das ein oder andere Angebot abzulehnen wenn die Rolle, die ihr angeboten wird, eine Nummer zu klein ist.

Doch als Schauspielerin in Hollywood Karriere zu machen reicht Nina Rausch längst nicht mehr aus. Das „Crossing ­Fences“-Projekt ist nur ein Beispiel. Sie träumt davon, irgendwann eine eigene Produktionsfirma zu haben: „Ich habe so viele Geschichten, die ich gerne erzählen, so viele Ideen, die ich gerne umsetzen möchte“, sagt sie. Und wie wahrscheinlich jeder in Hollywood hat sie irgendwo ein halb fertiges Drehbuch in der Schublade liegen.

In der schwäbischen Filmemacherszene in Hollywood zu Hause

Die zwölf Jahre, die sie inzwischen in den USA lebt, sind auch sonst nicht spurlos an ihr vorübergegangen. Sie hat einen wunderbaren amerikanischen Akzent, immer wieder muss sie nach dem passenden deutschen Wort suchen. Und das obwohl es in Hollywood inzwischen eine rege deutsche Filmemacher­szene gibt – die in Wirklichkeit sogar eher eine schwäbische Filmemacherszene ist. Nina Rausch teilt sich eine Wohnung mit ihrem Bruder Dominik, der ein vielversprechender Produzent ist. Sie arbeitet viel mit dem Regisseur Timon Birkhofer zusammen, der aus Stuttgart kommt und mit dem Crowd-Funding-Dokumentarfilm „Capital C“ für Aufsehen gesorgt hat. Sie hat bei der Verleihung des Studenten-Oscars im Kodak Theatre Dustin Loose von der Filmakademie Ludwigsburg kennengelernt, der für seinen Film „The Last Will“ in der Kategorie Bester ausländischer Film ausgezeichnet wurde. Und neulich beim Filmmakers Brunch hat sie schließlich Roland Emmerich kennengelernt. „Wir Schwaben sind hier immer ganz vorne dabei“, sagt Nina Rausch und schwärmt von den regelmäßigen Treffs der Hollywood-Schwaben, bei denen es dann immer „Spätzle mit Soß“ gibt.

Zur „Crossing Fences“-Crowdfunding-Kampagne geht es hier.

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