Schauspielerin Jane Fonda wird achtzig Vom Sexkätzchen zur Kriegsgegnerin

Von Thomas Klingenmaier 

Die amerikanische Schauspielerin Jane Fonda, am 21. Dezember 1937 geboren, hat sich oft gewandelt. Mancher alte Fan träumt von ihren freizügigeren Rollen, Erzkonservative hassen sie als „Hanoi-Jane“, und Millionen in aller Welt haben brav mit ihren Aerobic-Videos trainiert.

Stuttgart - Und hoch das Bein, hoch das Bein, fordert die straffe Vorturnerin Jane Fonda auf dem Bildschirm: Vom Sexkätzchen zur Aerobic-Trainerin, das scheint ein logischer Lebensweg, einer, der mit Vermarktung, ja, Fetischwerdung des eigenen Körpers zu tun hat. Im Leben der amerikanischen Schauspielerin, die am 21. Dezember vor achtzig Jahren in New York zur Welt kam, gibt es diese Karrierelinie. Aber es wäre falsch, Jane Fonda so boshaft simpel zusammenfassen zu wollen: Ihr Fall ist selbst für die Verhältnisse Hollywoods aufregend widersprüchlich.

Die Tochter der Schauspiellegende Henry Fonda hatte zu Karrierebeginn in den Sechzigern alles andere als deftige Nacktrollen. Aber ob sie nun im Western „Cat Ballou“ (1965) oder in der Beziehungskomödie „Barfuß im Park“ (1967) auftrat, stets wurde ihre erotische Ausstrahlung gelobt. Diesem immer nur auf das Eine ausgerichteten Blick kam Fonda schließlich so weit entgegen wie kaum eine seriöse Kollegin – 1968, im Science-Fiction-Pop-Art-Kitsch „Barbarella“. Ausgerechnet ihr damaliger Ehemann, der Regisseur Roger Vadim, führte sie durch eine Folge von Körperentblößungen, mehr oder weniger lustvollen Schmerzerfahrungen und Selbstauslieferungsmomenten, die als filmische Erzählung indiskutabel, als Krankenzimmertour männlicher Fantasien aber immer noch kaum zu überbieten sind. „Barbarella“ beginnt mit einem Striptease in simulierter Schwerelosigkeit, sodass noch vor dem ersten Dialog klar wird, dass an dieser Figur die nackte Haut das Wichtigste ist.

Ein Fan der Black-Panther-Bewegung

Barbarella, diese Karikatur weiblicher Stärke, machte Fonda endgültig zum Sexkätzchen, wie man offen sagte. Kaum vorstellbar, was mancher Zuschauer als nächstes zu sehen hoffte. Stattdessen durfte die Welt eine ganz andere Fonda erleben, als habe die erkannt, dass ihr Weg in den Sumpf führt und abrupt den Kurs gewechselt. Fonda trat nun in politisch aufgeweckten Filmen auf, die sich gegen amerikanische Selbstzufriedenheit stemmten, in Sydney Pollacks „Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss“ (1969), Alan J. Pakulas „Klute“ (1971) und Hal Ashbys „Coming Home“ (1978). Und sie nutzte auf skandalträchtige Weise ihre Popularität, um linke Anliegen zu vertreten: Sie schwärmte für die Black-Panther-Bewegung, unterstützte die Indianer Amerikas im Kampf um Landrückgaben und trat gegen den Vietnamkrieg auf. Sie bereiste Nordvietnam, posierte auf einem Flugabwehrgeschütz, rief amerikanische GIs im Radio zum Niederlegen der Waffen auf. Zuhause schlug ihr dafür viel Hass entgegen. Noch heute belegen manche Konservative sie mit ihrem damaligen Spitznamen Hanoi-Jane.

Die Verwundbarkeit von Frauen

Sie selbst hat sich später mehrfach dafür entschuldigt, damals die Gefühle von Soldaten und deren Angehörigen verletzt zu haben, blieb aber bei ihren Friedensbotschaften. Viele Wandlungen folgten: die zur Fitness-Propagandistin, deren Aerobic-Videos sich besser verkauften als irgendeine Spielfilm-VHS, zur Frau des CNN-Chefs Ted Turner, die mit dem Leben als Trophäe an der Seite eines Mächtigen zufrieden schien, dann die zur Geschiedenen, die lange vor der aktuellen Diskussion auf die Verwundbarkeit von Frauen im Mediengeschäft hinwies und Netzwerke förderte.

In Aaron Sorkins 2014 zu Ende gegangenerHBO-Serie „The Newsroom“ spielt Fonda eine große späte Rolle: die einer Medienzarin aus anderen Zeiten, die eine rebellionsgeprägte Sozialisation durchlaufen hat und nun pragmatisch einsichtig in die Notwendigkeiten des Kapitalismus ist, aber säuerlich angewidert von der wertefreien Gier der Jüngeren. Vor der letzten Präsidentenwahl hat Fonda klar formuliert, welcher Kampf anstünde: Hillary Clinton werde die Wahl gewinnen, und das werde enorme Gegenwehr der Erzkonservativen hervorrufen. Der Gegenschlag kam dann bekanntlich schon in den Wahlkabinen und brachte den Sieg Donald Trumps, den Fonda einen Lügner, Heuchler und Sexisten nennt.

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