Schaulaufen Daniel Ortegas Hemdenproblem

Von Tomo Pavlovic 

Daniel Ortega bei einer Kundgebung. Foto: AFP
Daniel Ortega bei einer Kundgebung. Foto: AFP

Kleider machen Leute. Oder auch nicht. Um das herauszufinden, unterziehen wir den Kleidungsstil bekannter Persönlichkeiten einem Stilcheck. Heute: Daniel Ortega.

Stuttgart - Die Welt ist voll von nutzlosen Dingen. Die Zahnpasta mit Schinkengeschmack etwa oder die Klopapierhalterung mit LED-Beleuchtung. Oder die Brusttasche auf einem Herrenhemd. Je billiger das Hemd, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer aufgenähten Tasche. Und weil sie schon mal da ist, stopfen Männer seit bald hundert Jahren Zigarettenschachteln, Ausweise oder Kugelschreiber hinein und machen sich hässliche Beulen über dem Herzen.

Unschuldsweißes Oberhemd

Wozu Daniel Ortega, der frühere Rebellenkommandeur und sandinistische Staatschef Nicaraguas den Kuli im unschuldsweißen Oberhemd benötigt, ist unklar. Vermutlich will er noch rasch einige Haftbefehle gegen Oppositionelle unterschreiben. Die Massenproteste in dem lateinamerikanischen Land richten sich gegen korrupte Politiker und den Polizeistaat. Ortega, früher Hoffnungsträger der Linken, trägt heute das Allerweltshemd des kleinen Mannes, den er unterdrückt. Dazu passend: die Schirmmütze, wie sie auch Donald Trump gerne aufzieht.

Die Brusttasche gibt es, seit die Weste mit ihren praktischen Seitentaschen aus der Mode kam. Diktator Somoza, den Ortega einst bekämpfte, zeigte sich oft in Westen zum Frack wie die besseren Leute. Nun ist alles anders. Diktatoren sehen aus wie du und ich.

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