Am Samstag steigt das Landesduell zwischen dem SC Freiburg und dem VfB Stuttgart. Wir blicken mit verschiedenen Experten auf die Partie und gehen der Frage nach: Wer ist die Nummer eins im Land? Den Auftakt machen Jens Todt und Robin Dutt.
Am Samstag geht es um drei Punkte, um viel Prestige – und auch um die Frage: Wer ist die Nummer eins im Fußball-Bundesland Baden-Württemberg? Der SC Freiburg empfängt ab 15.30 Uhr (Liveticker) den VfB Stuttgart. Bevor der Anpfiff ertönt erörtern jeweils zwei Experten mit Bezug zu den Clubs die Lage und die Perspektiven. Den Auftakt machen Jens Todt und Robin Dutt.
Jens Todt: Der Ex-Profi sieht die Wucht des VfB
Wenn der VfB als Verein seine Möglichkeiten ausschöpft, wird es für den SC Freiburg schwer, Schritt zu halten. Stuttgart hat eine enorme Wucht, das größere Stadion, von der Masse her einen größeren Fanrückhalt und ist umgeben von Weltmarktführern aus verschiedenen Wirtschaftsbranchen. Wenn es aber nicht läuft, kann sich diese Wucht auch als Bumerang erweisen – wenn Anspruch und Wirklichkeit nicht zusammenpassen.
Da lässt es sich in Freiburg entspannter arbeiten. Mit dem Stadionneubau ist der SC noch konkurrenzfähiger geworden. Dennoch ist der Einzug ins internationale Geschäft nicht planbar. Freiburg hat den Abstand zu finanzkräftigeren Vereinen wie dem VfL Wolfsburg verkürzt, der Sport-Club kann jetzt auch mal einen starken Spieler später abgeben, als das früher noch der Fall war – aber auf Sicht ist ein einstelliger Tabellenplatz ein Erfolg.
Das würde ich auch für die Ambitionen des VfB für die nächsten Jahre so sagen, beim Blick auf all die Wellentäler zuletzt. Mit dem Sportdirektor Fabian Wohlgemuth gibt nun ein alter Bekannter von mir die Richtung vor. Ich habe mit ihm 2007/2008 in der Nachwuchsabteilung des HSV zusammengearbeitet. Ich kann eines prognostizieren: Sollte ihn der VfB halten können, wird die Wahrscheinlichkeit für Erfolg deutlich erhöht – und der SC Freiburg könnte auf Sicht vielleicht wieder überholt werden. Denn Fabian ist ein akribischer Fachmann, er ist uneitel, seriös und hat große Marktkenntnis. Und: Er ist ein Stratege, der in seiner Kaderplanung immer drei Schritte im Voraus denkt. Ich würde mich freuen, wenn der VfB es schaffen würde, Fabian langfristig zu binden
Jens Todt spielte von 1991 bis 1996 in Freiburg und von 1999 bis 2003 beim VfB Stuttgart
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Robin Dutt: Der Ex-Coach und die Kontinuität
Der VfB und der SC Freiburg – vielleicht kann man die Clubs auf einer imaginären Autobahn vergleichen. Der SC fährt da konstant mit 130 Stundenkilometern auf dem Mittelstreifen und kommt so meist ans Ziel. Der VfB zieht gerne Mal mit 200 km/h vorbei – bleibt dann aber oft ein paar Kilometer weiter mit der nächsten Panne stehen. Soll heißen: Der große VfB hat mit seiner Wucht immer das Potenzial zum Überholen – bremst sich aber dann bisweilen aus, weil die Dinge nicht eingespielt sind. Der Grund: fehlende Kontinuität auf den Führungspositionen.
Der SC wird auch vom VfB als Vorbild bezeichnet – das Problem: Alle sehnen sich nur nach dem Ende, nach dem Erfolg. Die Handlungen auf dem Weg dahin sind aber oftmals nicht danach ausgerichtet. In Freiburg etwa ist man als Coach ein Teil der Problemlösung. So haben die Verantwortlichen nach dem Abstieg 2015 nicht eine Sekunde lang darüber nachgedacht, ob sie mit Christian Streich weitermachen. Beim VfB überlebt kein Trainer einen Abstieg.
Das ist aber nicht immer nur die Schuld der Verantwortlichen, das ist auch die Losung eines Traditionsvereins, bei dem die Erwartungen andere sind. In Freiburg dagegen geht es im ruhigen Umfeld immer um Dinge wie die Nachwuchsförderung und die Durchlässigkeit zu den Profis. Das strebt ja auch der VfB an – das letzte Mal, als das gelebt wurde, war zur Zeit der Jungen Wilden ums Jahr 2003 herum. Dass bis heute kein dauerhafter Jugendweg entstanden ist, hat wieder mit der fehlenden Kontinuität auf den Schlüsselpositionen zu tun. Denn bei einer hohen Fluktuation kann so ein Weg nicht dauerhaft beschritten werden.
Robin Dutt war von 2007 bis 2011 Trainer des SC Freiburg und 2015/16 Sportvorstand des VfB.