Eine der größten Felsschluchten Europas: Die Gola su Gorroppu. Foto: Stähler

Mächtige Bauwerke, wilde Felsschluchten und süße Köstlichkeiten – Das Hinterland von Sardinien.

"Es stiehlt, wer übers Meer kommt", besagt ein altes sardisches Sprichwort. Über Jahrhunderte war Sardinien begehrtes Ziel für Piratenüberfälle. Heute sind es über zwei Millionen Touristen, die auf der zweitgrößten Insel im Mittelmeer Urlaub machen. Im August ist Hochsaison, und wie einst die Küstenbevölkerung vor den Piraten, so flüchten auch wir vor lautstarken Animationen, Menschenmassen und Nepp ins Hinterland, um das ursprüngliche Sardinien kennenzulernen.

Die Bauwerke der Nuraghen gelten als Wahrzeichen Sardiniens. Diese aus der Bronzezeit stammenden, mörtellos zu mächtigen Rundtürmen zusammengefügten Steinblöcke beflügeln den Entdeckergeist unserer 12, 14 und 16 Jahre alten Kinder. Eine der schönsten Nuraghen, die Nuraghe Santu Antine, erkunden wir selbst und entdecken immer wieder neue Gänge in der dunklen Mauermasse mit dem 22 Meter hohen, dreistöckigen Mittelturm. Kultur zum Anfassen, Erforschen und Spielen, die ohne Worte begreiflich macht, wie das noch heute rätselhafte Volk der Nuraghen einst hier lebte.

Im Brunnentempel Su Tempiesu erklärt uns der Museumsführer die besondere Bedeutung des Quellwassers. Die Insel litt offensichtlich schon immer unter Wasserknappheit. Wir spüren davon nichts. In den Bergen sprudelt aus dem Gestein herrlich erfrischendes Quellwasser. Das weiß auch die Bevölkerung aus den nahen Dörfern zu schätzen. Während die Alten an der Quelle schwatzend das Wasser in Kanister abfüllen, liefern sich die Kleinen harmlose Wasserschlachten. Auch auf unserer Wanderung zu einer der größten Felsschluchten Europas, der Gola su Gorroppu, füllen wir unsere Wasserflaschen an zwei Quellen auf. Die zweistündige Wanderung bis zur Schlucht auf schattigen Wegen weckt die Wanderfreude unserer sonst wandermüden Kinder. Am Wegrand entdecken sie Eukalyptus, wilden Fenchel, Lavendel, Steineichen und Erdbeerbäume. Hin und wieder huschen Eidechsen über den Weg.

In den Dörfern der Berge haben die Feste einen anderen Charakter als in den Orten am Meer. In Sarule scheinen wir die einzigen ausländischen Gäste zu sein. Die Türen der Häuser stehen offen, und Frauen in Tracht laden uns zum Eintreten ein. In liebevoll hergerichteten Verkaufszimmern bieten sie uns einheimische Produkte aus Küche und Handwerk an. Wir finden handgeschnitzte Hirtenmesser aus Schafshorn und spezielle Korbwaren für die Herstellung der in Sardinien typischen Gnocchetti. An einem Straßenstand stellen Frauen frische Sebadas her, eine süße Köstlichkeit aus honigübergossenem, käsegefülltem und frittiertem Nudelteig.

In großen Holzöfen backen Frauen nach alter Tradition das knusprige, hauchdünne Carasau-Brot. In Sarule lernen wir gastfreundliche, ruhige, höfliche Menschen kennen. Haben hier wirklich einmal Banditen gelebt? Das berühmteste Banditennest war wohl Orgosolo. Heute ist der Ort durch zahlreiche Murales, sardische Wandmalereien, bekannt. Sie sind Ausdruck des Protests und des Unmuts über verfehlte Politik, Ausbeutung und Korruption.

Wie einst die Piraten verlassen auch wir nach drei Wochen die Insel nicht, ohne etwas mitzunehmen. Natürlich ohne zu stehlen: Uns bleibt ein Koffer voller Erinnerungen. 

Sardinien

Die Leserin
Sabine Stähler, Jahrgang 1962, wohnt in Backnang. Zu den Hobbys der vierfachen Mutter zählen Lesen, Geschichten Schreiben und Standardtanz. Außerdem hat sie ein kleines Puppentheater mit Stabpuppen, die sie selbst herstellt.

Die Reise
Die Reise nach Sardinien haben Sabine Stähler und ihr Mann selbst geplant und gebucht. Mit dem Auto reisten sie zunächst bis nach Livorno. Von dort brachte eine Fähre die Familie in den Hafen Golfo Aranci auf Sardinien. Auf der Insel hatten die Stählers eine Ferienwohnung gebucht, die Ausgangspunkt für viele Ausflüge ins Landesinnere war. Insgesamt waren sie drei Wochen auf Sardinien, von Ende August bis Mitte September.

Preise
Die Kosten der Fähre richten sich nach der Größe des Autos. Günstigere Preise erhält man, je früher man bucht. Bei Topangeboten wird das Auto schon für einen Euro transportiert, Personen zahlen ab 48 Euro. Ferienwohnungen gibt es in allen Preiskategorien (www.sardinien.com).

Was man tun und lassen sollte
Auf jeden Fall am vorletzten Sonntag im August die Trachtenprozession in Nuoro nicht verpassen. Zur Kirchweih nehmen an der Prozession Gruppen in ortstypischen Trachten sämtlicher Provinzen teil. Außer der beschriebenen Nuraghe Santu Antine lohnt sich in Barumini die Festung Su Nuraxi. Auf keinen Fall sollte man Souvenirs an der Küste kaufen. Typische Produkte, wie zum Beispiel Messer mit Horngriffen, sind im Landesinneren um ein Vielfaches günstiger.

Die Lesereisenden

Ich wohne in Backnang, bin 1962 geboren, verheiratet und habe vier Kinder (13, 15,17 und 19 Jahre alt). Zu meinen Hobbys zählen lesen, Geschichten schreiben und Standardtanz. Außerdem habe ich ein kleines Puppentheater mit Stabpuppen, die ich selber herstelle.

Informationen zur Reise
Mein Mann und ich haben die Reise nach Sardinien selbst geplant und gebucht. Wir reisten mit dem eigenen Pkw zunächst bis nach Livorno. Von dort brachte uns eine Fähre zum Hafen Golfo Aranci auf Sardinien. Auf der Insel hatten wir eine Ferienwohnung gebucht, die Ausgangspunkt für viele Ausflüge ins Landesinnere war. Insgesamt waren wir drei Wochen auf Sardinien, von Ende August bis Mitte September.

Preise
Die Kosten der Fähre richten sich nach der Größe des Autos. Günstigere Preise erhält man, je früher man bucht. Bei Top-Angeboten wird das Auto schon für einen Euro transportiert, Personen ab 48 €. Ferienwohnungen sind in allen Preiskategorien zu bekommen. Wer sich informieren will, wird im Internet (www.sardinien.com) bestimmt fündig.

Was man tun und lassen sollte

Auf jeden Fall...
… am vorletzten Sonntag im August die Trachtenprozession in Nuoro nicht verpasse. Zur Kirchweih nehmen an der Prozession Gruppen in ortstypischen Trachten sämtlicher Provinzen teil. Außer der beschriebenen Nuraghe Santu Antine lohnt sich in Barumini die Nuraghenfestung Su Nuraxi.

Auf keinen Fall...
… sollte man Souvenirs an der Küste kaufen. Typische Produkte, wie z.B. Messer mit Horngriffen, sind im Landesinneren um ein Vielfaches günstiger.

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