Der SAP-Mitgründer Dietmar Hopp hat 1,5 Milliarden Euro in die Biotechnologie-Branche investiert. Durch die Tübinger Firma Curevac könnte sich das nun auszahlen.
Tübingen - Dietmar Hopp liebt das Risiko. Zumindest erzählt der einstige Mitgründer der erfolgreichen Softwareschmiede SAP gern, dass er als aktiver Fußballer auch schon mal aus 25 Metern aufs Tor geschossen habe. „Das war riskant“, zitiert ihn Friedrich von Bohlen, der Geschäftsführer der Dievini GmbH, in der Hopp seine Beteiligungen in der Biotechnologie gebündelt hat. 2005, als man das Portfolio aufgebaut habe, sei Hopp bewusst gewesen, dass Biotechnologie „langwierig, teuer und hochriskant“ sei. Und doch habe er sich für diesen Bereich entschieden, weil es ihm ein persönliches Anliegen sei, „Menschen zu helfen, Jugendlichen, Kranken, Alten“, erzählt von Bohlen. Dies setze Hopp bereits seit 25 Jahren konsequent mit seiner nach ihm benannten Stiftung um.
Die biotechnologischen Beteiligungen von Dievini seien zwar nicht gemeinnützig, würden aber ähnliche Ziele verfolgen. „Sie nehmen eine besondere Stellung ein, weil sie nicht nur Menschen unterstützen, sondern Ansätze finden können, die die Medizin nachhaltig verändern und auch schwerste und bisher unbehandelbare Krankheiten heilen können“, erklärt von Bohlen. Man habe nach Unternehmen gesucht, die Technologien und Produkte entwickeln, die es bisher noch nicht gab, von denen man aber überzeugt sei, dass sie die Zukunft der Medizin prägen werden. „Heute wissen wir, dass wir damit richtig lagen.“
Besonders im Fokus steht die Tübinger Firma Curevac, die ebenso wie Biontech in Mainz zu den Unternehmen gehört, die in der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs weit vorne liegen. Von Bohlen kann zwar noch keinen konkreten Termin nennen, wann auch Curevac dabei erfolgreich sein wird. „Wir sind aber zuversichtlich, dass Curevac einen insgesamt sehr guten und auch günstigen Impfstoff anbieten wird.“ Dievini habe aber auch andere Firmen, die bereits sehr erfolgreich sind, zum Beispiel Cosmo, LTS oder Immatics.
1,5 Milliarden Euro investiert
Rund 1,5 Milliarden Euro hat Hopp inzwischen bereits in die Branche investiert – durch Curevackönnte sich das erstmals auszahlen. Der Börsenganghat dem Tübinger Unternehmen über Nacht eine Bewertung von mehreren Milliarden eingebracht.
Von Bohlen betont, dass es eine zentrale Bedingung Hopps war, sein Vermögen in Deutschland zu investieren. „Hier hat er sein Vermögen gemacht, und hier soll es den Menschen zugutekommen“, sagt von Bohlen. Der Börsengang in den USA sei dabei kein Widerspruch, sondern eine Notwendigkeit, denn Biotechunternehmen bräuchten auch zukünftig frisches Kapital. Und dazu benötige man ein funktionierendes „Ökosystem“ aus Investoren, Analysten und Banken, die dieses Geschäft verstehen. Dies gebe es bisher in Deutschland und Europa nicht. „Wir würden uns wünschen, dass das in Deutschland anders wäre, aber dazu muss sich vor allem die Eigenkapitalkultur grundlegend verändern“, fordert von Bohlen. Die Beteiligung des Bundes an Curevac könnte dabei aber ein Ausrufezeichen sein.