Fürth statt Schalke, Bielefeld statt Bremen. Der Abstieg zahlreicher Traditionsclubs gefährden das Premiumprodukt Bundesliga – befürchten manche in der Liga. Anderen ist der frische Wind durch die Underdogs sympathisch.
Stuttgart - Es gibt Spötter, die behaupten, der Bezahlsender Sky breche bei seinen Übertragungen der Samstagsspiele der Bundesliga in der neuen Saison Rekorde. Wenn der FC Augsburg etwa die TSG Hoffenheim empfängt, wenn der VfL Wolfsburg bei der SpVgg Greuther Fürth antritt oder auch wenn der FSV Mainz gegen Arminia Bielefeld ranmuss, dann könnten die Negativrekorde bei den Einzelquoten pro Spiel purzeln. Und diese Prognose kann auch ernst gemeint sein.
Denn, keine Frage: Die Bundesliga, die sich ja gerne als Premiumprodukt vermarket, auch in Richtung ausländischer Märkte, geht mit einer Hypothek in die an diesem Freitag beginnende neue Spielzeit: Das Premiumprodukt ist keines mehr. Zumindest von den Namen vieler Clubs her nicht. Axel Hellmann, Vorstandssprecher von Eintracht Frankfurt, fürchtet mit Blick auf einige Clubs gar „eine Verzwergung“ der Liga, er fürchtet um die Attraktivität von Liga eins – auch weil sich viele Clubs mit großer Tradition und der sogenannten Strahlkraft inzwischen in Liga zwei tummeln.
Ist das Premiumprodukt Bundesliga in Gefahr?
Die Absteiger FC Schalke und Werder Bremen, der seit Jahren taumelnde Ex-Dino HSV, dazu Hannover 96, der 1. FC Nürnberg oder auch Fortuna Düsseldorf – das Unterhaus wird von einigen schwankenden Riesen bevölkert, die in der öffentlichen Wahrnehmung doch bitte schön viel lieber in Liga eins kicken sollten. Herbert Hainer, der Präsident des FC Bayern, etwa würde lieber gegen Schalke und Hamburg spielen als gegen Fürth und Bielefeld. „Ich bedauere den Verlust der Traditionsvereine, mit der teils großen Geschichte und den vielen Fans“, sagt er.
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Das ist die eine, die emotionale Sicht auf die Dinge. Die andere ist nüchterner und faktenorientierter, und sie geht so: Die Schalkes, Werders, Hamburgs, Nürnbergs, Hannovers und Düsseldorfs sind alle selbst schuld an ihrer Misere und ihrem Dasein in Liga zwei. Jeder Club für sich hat sich in den vergangenen Jahren heruntergewirtschaftet: durch falsche Entscheidungen auf sämtlichen Ebenen (alle), hohe Fluktuation auf der Trainer- und Führungsebene (fast alle), verheerende Gehalts- und Finanzstrukturen (Schalke, HSV, in Teilen Werder) und das schlechte Managen von im Wortsinn traditionell hohem Anspruch und der bescheidenen Realität und deren Zwängen (alle).
Solide Arbeit in Fürth, Bochum und Bielefeld
Ein anderes, ein leuchtendes Beispiel dagegen ist die SpVgg Greuther Fürth, die in den vergangenen fünf Jahren ein Plus von sieben Millionen Euro erwirtschaftete und mit einem Mini-Etat nun die große Überraschung mit dem Erstliga-Aufstieg schaffte. Auch beim nächsten Aufsteiger VfL Bochum wurde gut und solide gearbeitet, ebenso wie zuletzt bei Arminia Bielefeld.
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Und auch das Beispiel FSV Mainz 05 zeigt, wie es gehen kann als sogenannter Kleiner in der großen Bundesliga: Die Rheinhessen, von vielen Experten zuletzt erst als graue Maus und dann als Absteiger Nummer eins abgestempelt, besannen sich auf ihre bewährten Tugenden, belebten mit den drei alten Bekannten Christian Heidel, Martin Schmidt und Bo Svensson ihren Erstliga-Standort wieder, weckten mit einem klugen Konzept neue Emotionen – und begeisterten zuletzt mit einer famosen Rückrunde.
Soll heißen: Keiner ist unverdient in Liga zwei. Und keiner unverdient in Liga eins – vielleicht hilft dieser nüchterne Blick dem gemeinen Fan im Laufe dieser neuen Saison, wenn Fürth eben Bochum fordert und Augsburg in Bielefeld aufläuft. Und die Sehnsucht nach dem HSV, Schalke oder Werder in schwachen Momenten groß werden sollte.
Hier rollt der Ball im Fernsehen
TV-Übertragungen
Bei der Übertragung der Bundesligaspiele ändert sich einiges. Platzhirsch bleibt der Bezahlsender Sky, der aber künftig nur die Einzelspiele sowie die Konferenzen am Samstag, Dienstag und Mittwoch überträgt.
Comeback von Sat 1
Die Streamingplattform DAZN hat sich die Rechte an den Begegnungen am Freitag und Sonntag gesichert. Sat 1 feiert in der Bundesliga-Berichterstattung nach 18 Jahren sein Comeback und erwarb das Livepaket für den Free-TV-Bereich. Angefangen mit dem Eröffnungsspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem FC Bayern am Freitag zeigt der Privatsender drei Ligapartien live.