Die Becken sind geschrubbt, das Wasser ist eingelassen, der Rasen gemäht: Die Freibadsaison kann beginnen. Traditionell bildet Möhringen den Auftakt – erster Kopfsprung an diesem Samstag um 9 Uhr. Badegäste müssen in Stuttgart etwas tiefer in die Tasche greifen – die Tageskarte steigt um 20 Cent.

Stuttgart - Eine etwas bessere Saison als 2014 dürfte es heuer schon sein, hofft nicht nur Bäderchefin Anke Senne. Das miserable Wetter mit viel Regen speziell in den Sommerferien bescherte den Bäderbetrieben Stuttgart eine Reduzierung der Besucherzahlen von 712 600 im Jahr 2013 auf 555 400 Gäste zwischen Frühjahr und Herbst 2014. „Das war unser schlechtestes Ergebnis seit 20 Jahren“, sagt Senne. Im Umsatz bedeutet dies einen Verlust von 300 000 Euro.

Energie- und Personalkosten sind gestiegen

All das vor dem Hintergrund erheblicher Defizite: Der Jahresverlust der Bäderbetriebe lag im Jahr 2012 bei 15,25 Millionen Euro, ein Jahr später bei 11,78 Millionen Euro. Für 2014, so heißt es aus Stadtratskreisen, könnte sich das Defizit etwa in der Mitte einpendeln. Senne selbst will die aktuellen Zahlen demnächst dem Gemeinderat präsentieren.

Angesichts gestiegener Energie- und Personalkosten ist eine Anpassung der Eintrittspreise erforderlich. „Alle zwei Jahre haben wir eine Preiserhöhung“, erläutert Senne. Konkret steigen die Preise bei der Erwachsenen-Tageskarte um 20 Cent auf 4,30 Euro, bei den Kindern und Jugendlichen um 10 Cent auf 2,60 Euro. Die Dauerkarte für Erwachsene steigt um vier Euro auf 99 Euro.

Ansonsten ist für die Sommersaison „alles bestens vorbereitet“. Allerdings: Kopfsprünge aus großer Höhe sind im Untertürkheimer Inselbad vorerst nicht mehr möglich. Stuttgarts einziger Zehn-Meter-Turm – er steht seit 41 Jahren – musste aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Immerhin, ein Drei-Meter-Brett, für 40 000 Euro kurzfristig ertüchtigt, steht zur Verfügung.

Gesamtsanierung des Turms liegt bei 350 000 Euro

Die Gesamtsanierung des Turms liegt bei 350 000 Euro. Die Entscheidung über die Finanzierung dürfte zum Jahresende 2015 fallen. Höhenflieger müssten in diesem Jahr auf den Fünf-Meter-Turm im Killesberg-Freibad (es eröffnet am 9. Mai) ausweichen.

In Gefahr schien auch die Rutsche im Vaihinger Freibad, nachdem ein Nachbar über den Lärm geklagt hatte. Das Verwaltungsgericht Stuttgart entschied zugunsten der Bäderbetriebe – „in diesem Jahr gibt’s beim Rutschen keine Einschränkungen“. Allerdings habe der Nachbar Widerspruch eingelegt, so dass die nächsthöhere Instanz entscheiden müsse. Dabei geht es, so Senne, insbesondere auch um den Lärm, der vom Rasenmähen im Freibad ausgeht.

Untertürkheim, Rosental (Vaihingen) und Sillenbuch

Saisoneröffnung in den Freibädern Untertürkheim, Rosental (Vaihingen) und Sillenbuch ist am 16. Mai. Die Wassertemperatur liegt bei den fünf städtischen Bädern bei circa 23 Grad. Alle Freibäder sind einheitlich unter der Woche von 7 Uhr an, am Wochenende und an Feiertagen von 9 Uhr an geöffnet. Die Kasse schließt im April, Mai und vom 17. August an um 18.30 Uhr, von 1. Juni bis 16. August um 19.30 Uhr. An Schlechtwettertagen sind Einschränkungen möglich.

In Möhringen, wo Regine Schreiber seit 15 Jahren den Betrieb leitet, ist derweil alles angerichtet. Mitte März begannen die Reinigungsarbeiten. Am Mittwoch wurden bei sonnigem Wetter die Eingänge zu den Duschkabinen frisch gestrichen und die Liegestühle geputzt, aus den Regenrinnen wurden der Blütenstaub und das Herbstlaub entfernt.

Am Beckenrand steht Carlo Tomica; der Rettungsschwimmer kontrolliert mit einem kleinen Gerät einen Sauger, der den Beckenboden reinigt. „Wir wollen bis Samstag ein blitzeblankes Becken haben“, sagt Tomica. Das große Problem sind die Fliesen im Becken. Diese müssen teilweise repariert oder komplett neu eingesetzt werden. Die Arbeiten können nur bei gutem Wetter stattfinden. Da die Wetterlage in diesem Jahr nicht stabil war, konnte erst nach Ostern mit den Arbeiten begonnen werden.

Das Wasser wurde vor zwei Wochen in das 50 Meter große Sportbecken gefüllt, es hat mittlerweile eine Wassertemperatur von über 24 Grad erreicht. „Die halten wir bis zum Saisonschluss konstant“, sagt Schreiber. In den anderen städtischen Stuttgarter Freibändern in Vaihingen, Sillenbuch, Untertürkheim und im Höhenfreibad Killesberg wird das sogenannte Stuttgarter Verfahren eingesetzt, um eine besonders gute Wasserqualität zu erreichen. Die chemischen Stoffe wie Chlor werden mit technischen Hilfsmitteln aus dem Wasser gezogen. „Deswegen haben wir in den Stuttgarter Freibädern einen niedrigen Chlorgehalt“, sagt Schreiber. Durch diesen Prozess komme allerdings viel Kohle ins Wasser. Diese muss dann in einem weiteren Reinigungsprozess wieder herausgefiltert werden.

Die ersten Besucher werden am Samstag schon 15 Minuten vor der Eröffnung an der Pforte stehen und „ihr Schwätzle halten“, so Schreiber. Für viele sei es ein Ritual, von Anfang an dabei zu sein. „Ein Besucher kann es kaum erwarten und duscht schon zu Hause“, sagt Schreiber. Das Möhringer Freibad bleibt im Vergleich zu den anderen Bädern bei jeder Wetterlage offen. „Wir haben hier nur ein Becken, das wir nachts abdecken können. So können wir Heizkosten sparen.“

Außerdem befindet sich auf dem Dach des Freibads eine Solaranlage, um Energiekosten einzusparen. Der Betrieb kann so länger offen gehalten werden. Für den Saisonstart am Samstag erwartet Regine Schreiber rund 800 Besucher. Bis 20. September können die Freibadfans in diesem Jahre ihre Runden in Möhringen drehen. Wieder eine Besonderheit: Im Freibad Möhringen eine Woche länger als in allen anderen städtischen Bädern.

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