Heiko Waidelich führt den Familienbetrieb im Schönbuch in sechster Generation. Es dreht sich bei ihm zwar noch viel, aber nicht mehr alles ums Holz. Foto: Leonie Schüler

Vom Baumstamm zum Parkett: Wie arbeitet ein Betrieb, der Holz verarbeitet? Holz Waidelich ist mehr als ein Sägewerk. Der Inhaber erzählt von der Firmengeschichte und vom derzeitigen Holzhunger.

Waldenbuch - Kurz hinter Waldenbuch, am Rande des Schönbuchs, liegt das Firmengelände von Holz Waidelich. Dort stapeln sich Bretter aller Art: lang und kurz, dick und dünn, breit und schmal. Holzgeruch liegt in der Luft. „Holzfachhandel Sägewerk“ steht auf dem Firmenschild. Dabei ist es gar kein Sägewerk im klassischen Sinne mehr, sagt der Geschäftsführer Heiko Waidelich. Die Bezeichnung ist hängen geblieben aus der 160-jährigen Firmengeschichte, die sich rund um Waldenbuch weit verzweigt hat.

 

Sie alle gehen zurück auf Johann Georg Waidelich, Heiko Waidelichs Urururgroßonkel, der das Unternehmen 1861 als kleine Sägemühle gegründet hat. Dessen Sohn baute es zu einem großen Sägewerk aus. Auch Heiko Waidelichs Großvater und Vater führten den Betrieb „noch als richtiges Sägewerk“, erinnert sich der 49-Jährige. Der Säger handelte mit dem Förster einen Preis aus, dann brachte ein Fuhrunternehmen die Baumstämme aus dem Wald ins Sägewerk, wo sie aufgeschnitten und aufgearbeitet wurden zu Kanthölzern, Latten, Brettern, Dielen oder Brennholz.

Das Jahr 2005 bildete eine Zäsur. Damals zerstörte ein Großbrand das komplette Werk. Heiko Waidelich baute das Unternehmen zusammen mit seiner Frau Katrin aus der Asche heraus wieder auf. Sie standen vor der Wahl: Entweder sie behalten das Sägewerk bei, hätten es aber modernisieren und vergrößern müssen, oder aber sie schlagen einen neuen Weg ein. „Es war nicht mehr die Zeit für ein klassisches Sägewerk“, sagt Heiko Waidelich, der von sich und seinem 20-köpfigen Team sagt: „Wir haben Bock auf Holz.“

Vom Hölzchen zum Stöckchen

Stattdessen suchten sie sich eine Nische. „Wir sind anders“ steht als Motto auf der Homepage, und genau so ist es auch gemeint. Statt massenhaftem, standardisiertem Holzzuschnitt greift Waidelichs Betrieb die Wünsche der Kunden auf. Niemand muss ein 13 Meter langes Brett kaufen, wenn er nur 2,25 Meter braucht. „Wir können alle Maße zusammenstellen. Das ist wie beim Metzger, wenn man hiervon fünf Scheiben und davon drei nimmt und dann noch bissle Senf“, sagt Heiko Waidelich. Verarbeitet wird bis zum letzten Hölzle, weggeworfen fast nichts.

Die Aufträge sind viel Klein-Klein von Privatkunden, die ein Carport oder einen Sandkasten bauen wollen, aber auch von Messebauern und Bauerunternehmern. Unter Heiko und Katrin Waidelich ist so das Sägewerk, das keines mehr ist, auf die zweieinhalbfache Größe gewachsen. „Der Weg war zum richtigen Zeitpunkt der richtige“, sagt er im Rückblick. Genau wie die Entscheidung, noch weitere Seitenzweige aufzubauen. So können sich die Kunden ihr Parkett, ihre Holztreppe oder ihren Lattenzaun auch von Waidelich installieren lassen – Aufträge kamen schon von der Wilhelma oder der John-Cranko-Schule.

Die Zentrale in Waldenbuch hat sich aber auch zu einem kleinen Edelausstatter entwickelt, wo es beispielsweise Loungemöbel für draußen zu kaufen gibt. Nicht zu vergessen ein Ladenbereich mit Schrauben, Holzbodenseife und Arbeitsklamotten. „Wir sind ein kurioser, aberwitziger Laden“, sagt Heiko Waidelich, der mit seiner Familie seit Kurzem auch auf dem Firmengelände wohnt. So schließt sich der Kreis noch enger zu seiner traditionsreichen Familiengeschichte, die er aber nicht als Last empfindet. Anders als seine Frau, die mal hier, mal da aufgewachsen ist, fühle er sich geerdet.

Der Holzpreis geht durch die Decke

Dass sich der Holzmarkt zurzeit stark verändert, geht natürlich auch an dem Waldenbucher Holzfachhändler nicht vorbei. Wenn Heiko Waidelich den Holzmarkt erklärt, greift er zu Stift und Papier und zeichnet eine Skizze, wer mit wem verhandelt und welche Verhältnisse sich gerade wie verschoben haben. Dass der Holzpreis gerade durch die Decke geht, liege an der hohen Nachfrage aus China, vor allem aber aus den USA. Die hätten ihr Holz bislang vor allem aus Kanada bezogen, doch wegen Schädlingsbefalls und Strafzöllen der Trump-Regierung sei von dort viel zu wenig zu holen gewesen. „Dann haben sie angefangen, unser Holz zu kaufen. Der Holzhunger ging los“, sagt Waidelich. Der hierzulande niedrige Holzpreis sei seit Jahresbeginn explodiert. Der Einkaufshype betreffe aber vor allem Holz aus dem bis dato günstigen Segment. Bauholzpreise seien um das Zwei- bis Dreifache gestiegen, während Edelhölzer wie Eiche „nur“ 15 Prozent teurer wurden.

Den großen Reibach mache nun die Sägeindustrie, die sich zuvor allerdings nur gerade so über Wasser halten konnte, sagt Waidelich. Seine Marge sei natürlich auch etwas höher, allerdings müsse er das Holz selbst zu höheren Preisen einkaufen. Froh sei er, dass er als kleiner Nischenbetrieb vergleichsweise geringe Holzmengen einkauft – und diese deshalb auch noch bekommt. „Diese Kontingente sind noch unterwegs. Wir hangeln uns durch.“