Die Realisierung des Gäubahntunnels ist laut Verkehrsstaatssekretär Steffen Bilger (CDU) als Variante der S-21-Planung auf den Fildern konkreter geworden. Dies könnte auch für Musberg und Oberaichen positive Folgen haben.
Musberg/Oberaichen - Wird die Bahn auf den Feldern zwischen Musberg und Oberaichen nun doch nicht über Jahre hinweg 50 000 Kubikmeter Erde lagern? Müssen Anwohner keinen Lärm und Dreck mehr fürchten; Landwirte keine wertvolle Ackerfläche dafür abgeben? Die Wende, die mit einer Tunnellösung in Sachen S-21-Planung auf den Fildern nun konkreter geworden zu sein scheint, hat die Hoffnung geweckt, dass damit auch das Erdlager vom Tisch sein könnte.
„Ich gehe davon aus, dass mit dem Bau des Gäubahntunnels das Erdlager nicht mehr gebraucht wird“, sagt Kurt Alber, Chef der Bürgergemeinschaft Oberaichen (BGO). Schließlich handele es sich dabei um eine ganz andere Art von Baustelle. Die Erde, die beim Tunnelbau ausgehoben werde, könne nicht zwischengelagert werden. Die Bahn müsse dann nach einem Ort suchen, wo die Erde auf Dauer liegen bleiben könne. Die BGO hatte mehrfach zum Widerstand gegen die S-21-Pläne auf den Fildern aufgerufen. Die Initiative hatte gemeinsam mit den Unteraicher Bürgern einen Einspruch gegen das Planfeststellungsverfahren unterstützt. Auch einige Musberger waren bei der Protestaktion mit im Boot. Die Bahn hatte die avisierte Erdlager-Fläche dann zwar um hundert Meter nach Süden gerückt. Doch auch das war auf Unmut gestoßen.
Wie notwendig das Erdlager noch ist
Nun aber könnte es anderes kommen: Denn Verkehrsstaatssekretär Steffen Bilger (CDU) sieht gute Chancen, dass im Herbst die Vorplanung für einen anderen Gäubahnanschluss aufgenommen wird. Fern- und Regionalzüge sollen dann künftig nicht mehr über die bestehenden S-Bahn-Gleise geführt, sondern durch einen zwölf Kilometer langen Tunnel rollen, der von Böblingen zum Flughafen gebaut wird.
Oberbürgermeister Roland Klenk sagt dazu: „Das Erdlager war gedacht, um dort für die Zeit des Baus der Rohrer Kurve anfallenden Erdaushub zu lagern.“ Die Rohrer Kurve werde jetzt– allem Anschein nach – nicht mehr gebaut, so entfalle auch die Notwendigkeit eines solchen temporären Lagers. Das sei neben der sehr positiven Entwicklung, dass dann der S-Bahn-Verkehr nicht durch einen Mischverkehr beeinträchtigt werde, eine weitere positive Auswirkung des Tunnels. Dessen genauer Verlauf sei noch nicht festgelegt. „Der Tunnelmund wird aber weit weg von unserer Stadt sein“, sagt Klenk. Deshalb könne er sich nicht vorstellen, dass der Erdaushub vom Tunnelbau im Stadtgebiet Leinfelden-Echterdingen gelagert werde müsse.
Ein Bahnsprecher beantwortet die Anfrage unserer Zeitung dennoch wie folgt: „Die Anbindung der Gäubahn an Flughafen/Messe erfolgt nach derzeitigem Stand, wie unter den Projektpartnern vertraglich vereinbart, über die bestehenden S-Bahn-Gleise und eine neu zu bauende Station 3. Gleis am Flughafenterminal.“ Das Problem: Noch ist die Tunnelvariante nicht beschlossen. Vom Bund gibt es noch keine verbindliche Finanzierungszusage. Die Projektpartner haben den S-21-Finanzierungsvertrag noch nicht geändert. „Das alte Verfahren wird weiter verfolgt und das neue vorangebracht“, sagt Kurt Alber. Dies sei für viele Leute total verwirrend. Zur BGO-Mitgliederversammlung am 4. Oktober hat er deshalb Baubürgermeister Benjamin Dihm geladen und ihn gebeten, über den aktuellen Stand der S-21-Planung aufzuklären.
Wie es die große Politik sieht
„Definitiv entschieden“ ist die Wende bei der S-21-Planung auf den Fildern noch nicht, sagt Klenk unserer Zeitung. „Der Gäubahntunnel ist aber immerhin Bestandteil des Koalitionsvertrages der Landesregierung.“ Und: „Die beiden regierungstragenden Parteien bekennen sich zu dem Projekt.“ Der zuständige Staatssekretär habe die Gespräche als vorangeschritten beschrieben. „Das Projekt dürfte auch nach der Bundestagswahl nicht mehr gefährdet sein“, sagt er. „Die Grünen, die CDU und in weiten Teilen die SPD befürworten den Tunnel.“