Im Erdgeschoss des beinahe 150 Jahre alten Hauses war seit jeher eine Weinstube untergebracht. Ob es hier auch fürderhin ein Lokal geben wird? Foto: Kathrin Wesely

Die Weinstube Traube in Heslach schließt. Der Wirt Hubert Blum sucht Räume, um ein neues Lokal eröffnen zu können. Was mit seiner bisherigen Wirkungsstätte geschieht, ist nicht bekannt.

S-Süd - Die Traube in Heslach ist einer jener gastronomischen Refugien, die sich beharrlich allen Modegrillen widersetzen. Sie ist kein Food-Truck, sie kocht nicht vegan und serviert ihr Food auch nicht in Bowls. Sie ist mehr so ein Evergreen. Die Gerichte sind traditionell schwäbisch, die Weinkarte solide und das Interieur dem schnörkellosen Dekor der 1930er Jahre verpflichtet. Sein Beharrungsvermögen danken die Gäste ihrem Wirt mit Treue. „Die meisten“, sagt dieser, „sind Stammgäste“.

Aber auch Touristen finden hier ihr Glück, wie ein Blick ins populäre Internetportal TripAdviser belegt. Magic-Rock’n’Roll und seine Begleitung aus Hamburg schreiben beispielsweise: „Andere mögen die Täfelung als altmodisch empfinden. Wir fanden sie retro - und glauben, dass eine Renaissance kurz bevor steht. Die Originaleinrichtung aus den 30er Jahren und die Glasmalereien sind einfach der Hammer.“ Man werde wiederkommen – versprochen!

Blums Traube schließt

Dabei ist allerdings Eile geboten, denn Hubert Blum schließt am 8. Dezember. Das Gebäude Böblinger Straße 161 hat im vergangenen Jahr den Besitzer gewechselt und der neue hat Pläne, nur weiß Blum nicht, welche. Sein Pachtvertrag läuft aus, eine Verlängerung wurde ihm nicht angeboten, und so ist er nun auf der Suche nach einem neuen Gastraum – wenn möglich neben oder zumindest nahe einer U-Bahn-Station, damit die Stammgäste mitkommen. Leicht wird es nicht, weiß der gelernte Koch, der seit 39 Jahren im Gastro-Gewerbe arbeitet: „Sie kriegen heute leichter Gäste als Personal.“ Wenn er nichts Geeignetes findet, will der 59-Jährige wieder eine Anstellung annehmen. Ob ihm das schmeckt, wo er doch 14 Jahre lang sein eigener Chefkoch war?

Momentan deutet nicht darauf hin, dass der Besitzer das alte Haus abreißen wird – obwohl er das dürfte. Es stammt zwar aus dem Jahr 1872, ist aber im Laufe der Zeit derart oft umgemodelt worden, dass der Denkmalschutz hier nicht greift. Für das Gebiet besteht auch ein Bebauungsplan. Es wären also auch ein Abriss und eine Neubebauung des Areals möglich. Der Bauherr müsste sich lediglich an der Traufhöhe der umliegenden Gebäude orientieren und dürfte keine weitere Grundfläche versiegeln.

Doch bislang hat die Stadtverwaltung kein entsprechendes Baugesuch erreicht. Es ist auch fraglich, ob ein Neubau unterm Strich lukrativer wäre. Das jetzige Gebäude fungiert mit seinen vier Wohneinheiten plus den Gastroraum im Parterre auch ohnedies als reelle Einnahmequelle. Als die Immobilie seinerzeit zum Verkauf stand, warb der Makler in seinem Inserat mit einem „renditestarken Mehrfamilienhaus mit Weinstube“.

Schwäbische Küche auf den Zungen der Anderen

Was mit dem Haus passiert, ist Blums Sorge ohnehin nicht mehr. Eher macht er sich Gedanken um seine Stammgäste. Damit möglichst alle noch Gelegenheit haben, ein letztes Mal bei ihm zu speisen, hat er seine Öffnungszeiten kurzfristig erweitert. Auch sein Stammgast SWR schaute nochmals vorbei: Am Sonntag wurde eine weitere Folge von „Brezel, Bratwurst, Bier“ in der Traube gedreht. Das Konzept: Echt Rei’gschmeckte aus der Mongolei, Indien, China und sonst wo kochen bei Hubert Blum jene schwäbischen Gerichte nach, die sie auf ihren kulinarischen Entdeckungstouren durchs Schwabenland lieben gelernt haben. Eine Jury, dieses mal aus Stammgästen der Traube, beurteilt die Resultate der Köche.

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