Das Haarstudio Black&White von Veronica Frömmrich-Duodos war eine Etappe auf der Lese-Tour durch Heslach. Foto: Petra Mostbacher-Dix

Die Bücherfrauen haben an verschiedenen Orten in Heslach ästhetische, spirituelle und kulinarische Aspekte afrikanischen Lebens in Stuttgart präsentiert.

S-Süd - Erst in der Fremde tragen die eigenen Wurzeln. „Die nigerianische Autorin und Feministin Chimamanda Ngozi Adichie wurde erst zur Afrikanerin, als sie nach Amerika kam. Davor wäre sie nie auf die Idee gekommen, sich als Mensch eines Kontinents zu definieren“, so Isabell Fischer von den Stuttgarter Bücher-Frauen. Das Netzwerk für in der Buchbranche tätige Frauen hatte in den Stuttgarter Süden zum Spaziergang geladen: Fischer führte mit der Buchhändlerin Barbara Scholz und Elsa Pfrommer vom Kulturwerk Ost zu „Afrikanischer Literatur und Kultur in Heslach“. Inspiriert hatte sie ein Vortrag von Adichie: Die PEN-Pinter-Preisträgerin sprach bei den TED-Talks über „The Danger of a Single Story“.

Spirituelle Fakten

„Sie beschreibt, wie eine einzige Geschichte zu einem eingeschränkten und verzerrten Weltbild führen kann“, so Fischer. Daher wolle man aus vielen Quellen Informationen schöpfen, in Stuttgart afrikanischem Alltagsleben aus vielen Perspektiven nachspüren, wie dem Afrika-Festival Stuttgart, das wieder von 6. bis 8. Juli stattfindet. Seit 16 Jahren veranstalten dies der Afrikanische Verein Stuttgart (AVS) und das Forum Afrikanum auf dem Erwin-Schoettle-Platz. Auch lädt der AVS regelmäßig Mannschaften vieler afrikanischer Nationen zur Fußball-Gala in den Bad Cannstatter Neckarpark ein. Im Heslacher Alten Feuerwehrhaus tagen wiederum zahlreiche afrikanische Vereine.

Ganz in der Nähe: Veronica Frömmrich-Duodos Haarstudio Black&White. „Ich vereine beide Welten, style Haare von Europäern und Afrikanern, habe eine Ausbildung in Afrika und in Deutschland“, so die Ghanaerin zur Eritreerin Pfrommer, die die Friseurmeisterin interviewte. Längst ist ihre Haar- und Make-up-Kunst beim Film gefragt. Vor ihrem Black&White-Ladenlokal las Fischer aus dem Roman „Das Lächeln der Nemesis“ der ghanaischen Autorin Amma Darko eine Friseursalonszene vor. Fakten zum spirituellen Austausch, etwa der Basler Mission, präsentierte sie in der Matthäuskirche: „Der Heslacher Lutz brach 1895 auf nach Kamerun, um dort die Bibel in eine Landessprache zu übersetzen.“

Kulinarische Wahrheiten

Auf einem versteckten Spielplatz entführte wiederum Barbara Scholz in afrikanische Lebenswelten. Sie rezitierte „Der scharlachrote Gesang“ der Senegalesin Mariama Ba sowie – im Trio mit Fischer und Pfrommer – die Graphic Novel der ivorischen Autorin Marguerite Abouet und des Pariser Zeichners Clément Oubrerie. Deren Heldin Aya kämpft gegen die typische Frauenkarriere: Friseurin, Schneiderin, Ehemann angeln – abgekürzt „FSE“. Aya will stattdessen Medizin studieren.

Essen kennenlernen konnte man dann in Emanuels und Moniques „Divine Design“. Der Afrikashop der gebürtigen Togolesen ist ein faszinierender Gemischtwarenladen, dessen Warenkorb reicht von Trockenfisch über Kochbananen und Tusker-Bier bis zu Stoffen und Perücken. „Eben alles, was man zum Leben braucht – und Afrikaner für ihre Gerichte“, so Scholz. „Wenn man in einem anderen Land lebt, sucht man auch nach Dingen, die man von zuhause kennt, die man dort gegessen hat“, ergänzte Fischer, bevor es zum Abschluss ins Restaurant Madagaskar ging. Das befindet sich am Marienplatz im denkmalgeschützten „Heslacher Schlösschen“, in der Gründerzeit erbaut von einem Metzger und einem Bäcker, die es zu Wohlstand gebracht hatten. „In den 80ern war hier das legendäre Exil, eine Kneipe für Althippies, Alternative, Hausbesetzer, Punker und Waver“, so Scholz. Danach residierte hier ein Edel-Italiener und seit 2011 bieten Nathanael und Daniel, die auch das Lokal Ambiente Africa führen, Spezialitäten aus den Ländern rund um den indischen Ozean an.

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