Foto: Jan Reich

Der Landkreis Göppingen wird als einziger Kreis im Verband Region Stuttgart absehbar keinen Anschluss an das Schnellbahnsystem erhalten. Der früher erwogene Ausbau bis Göppingen und Geislingen sei „nicht mehr zu empfehlen“, sagt das Verkehrswissenschaftliche Institut der Uni Stuttgart.

Der Landkreis Göppingen wird als einziger Kreis im Verband Region Stuttgart absehbar keinen Anschluss an das Schnellbahnsystem erhalten. Der früher erwogene Ausbau bis Göppingen und Geislingen sei „nicht mehr zu empfehlen“, sagt das Verkehrswissenschaftliche Institut der Uni Stuttgart.

Stuttgart - Der Verband Region Stuttgart (VRS) will sich künftig beim Thema S-Bahn vor allem um Angebotsverbesserungen auf den bestehenden Linien konzentrieren. Dazu gehören Taktverdichtungen und zusätzliche Nachtfahrten am Wochenende. Die Zeiten großer Linienerweiterungen gehen angesichts versiegender Zuschüsse zu Ende.

Der Verkehrsausschuss des Verbandes nahm am Mittwoch eine Untersuchung der Uni Stuttgart zur Zukunft des Schienenverkehrs in der Region zur Kenntnis. In dem Papier wird nur noch die Verlängerung der S 5 von Bietigheim-Bissingen nach Vaihingen/Enz „uneingeschränkt“ empfohlen. Dazu wären mindestens 30 Millionen Euro nötig. Der Nutzen-Kosten-Faktor sei sehr gut.

Näher untersucht werden könnten noch Verlängerungen der S 1 von Herrenberg nach Bondorf und der S 3 von Backnang nach Murrhardt. Alle anderen früher erwogenen Erweiterungspläne wie Strecken nach Calw, Nagold, Kirchheim am Neckar und eben Göppingen finden nicht die Bestätigung der Wissenschaftler.

Im Fall der Linie ins Filstal sah die Bewertung 2008 noch ganz anders aus. Nun soll es wegen einer im neuen Verkehrsmodell dargelegten „signifikant geringeren Verkehrsnachfrage“ kaum noch Chancen für diesen Ausbau geben. Er könne „momentan in dieser Form nicht mehr empfohlen werden“.

Die Regionalräte zeigten sich überrascht. Die Werte zur Verkehrsnachfrage für den Landkreis Göppingen „erscheinen uns sehr realistisch“, sagte der für die Studie mitverantwortliche Ingenieur Stefan Tritschler. Ein weiterer Netzausbau sei insgesamt nur noch an wenigen Stellen zu rechtfertigen.

Die neue Linie nach Göppingen könnte nur stündlich bedient werden. Das bleibe auch nach der Inbetriebnahme der Stuttgart-21-Infrastruktur (geplant Ende 2021) so. Fernzüge fahren dann nicht mehr durch das Filstal, sondern über Wendlingen und den Flughafen zum Hauptbahnhof. Das überarbeitete Regionalbahnkonzept binde das Filstal dann aber so gut an, dass die S-Bahn kaum eine Verbesserung bringe – womit für die 31 Millionen Euro teure Schnellbahn weniger Fahrgäste zur Verfügung stehen.

VRS-Infrastrukturdirektor Jürgen Wurmthaler plädierte dafür, knappe Mittel in die Ausweitung des 15-Minuten-Taktes bis 20.30 Uhr zu stecken. Der auch untersuchte Bau von Tangentiallinien zeigt zwar Fahrgastpotenziale, birgt aber extreme Ausbaukosten von je nach Strecke 63 bis 470 Millionen Euro und hohe Betriebskosten. Die Zahlen machen für Wurmthaler deutlich, wie wichtig der Aufbau deutlich günstigerer Expressbuslinien sei. Der Verband zeige einen „starken Sinn für Realismus“ sagte Regionalrat Bernhard Maier. Er erinnerte daran, dass der Ausbau der S 2 von Filderstadt nach Neuhausen beschlossen sei. Das Gremium billigte am Mittwoch einen Zuschussvertrag für die komplette Planung durch die Stuttgarter Straßenbahnen. Der Schienenweg soll 92 Millionen Euro kosten.

Um den Takt zu verbessern und den S-2-Ausbau bedienen zu können, müssen weitere Züge beschafft werden. Der Hersteller Bombardier fordert eine Mindestabnahme von zehn Stück zum Preis von je 8,15 Millionen Euro und will sein Angebot nur bis zum 31. Juli halten. Die Bahn hatte zuletzt 5,6 Millionen bezahlt. Wurmthaler sieht erheblichen Verhandlungsbedarf.

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