Mitte nächsten Jahres soll die Tunnelröhre am künftigen Abstellbahnhof an die Oberfläche gelangen. Foto: Mathias Kuhn

Die unterirdische Trasse zum künftigen Abstellbahnhof Untertürkheim hat in den vergangenen Monaten an Gestalt gewonnen. Den Mineuren fehlen nur noch wenige Meter, bis sie die Oberfläche erreichen.

Untertürkheim - Die Anwohner im Bereich die Augsburger-/Silvrettastraße sowie jene auf der gegenüberliegenden Seite, im Benzviertel, erleben seit vergangener Woche etwas Ungewohntes: Ruhe von der Stuttgart-21-Baustelle. In der Vergangenheit hatten sie sowie die Bewohner in den Höhenlagen von verstärkten Rammgeräuschen und den deutlich hörbaren Huptönen der Baufahrzeuge berichtet. Seit dem 22. Dezember aber ruhen die Bauarbeiten – es ist Weihnachtspause. Baukräne, Bagger und Rammen stehen bis zum Wiederanfang im Januar still.

Die lang gezogene Trasse, in dem künftig die Züge aus dem Stuttgart-21-Tunnel auftauchen werden, hat im vergangenen Vierteljahr an Gestalt gewonnen. „Im Bereich Tunnelportal Untertürkheim wird zurzeit das Baufeld für den Tunnel in offener Bauweise sowie das dortige Trogbauwerk vorbereitet. Neben der Herstellung des Baugrubenverbaus wurde in Teilen mit dem Aushub begonnen“, sagt ein Sprecher der DB Stuttgart-Ulm GmbH. Das Trogbauwerk ist Teil der Rampe, auf der künftig Züge in Richtung zum Hauptbahnhof in den Tunnel einfahren beziehungsweise aus Richtung Hauptbahnhof nach Verlassen des Tunnels auf die Bestandsgleise im Neckartal gelangen.

Vortriebsmannschaften kommen voran

Auch unter der Erde herrscht seit vergangenem Wochenende Weihnachtspause. Im Untergrund haben sich die Mineure im vergangenen Jahr vom Zwischenangriffspunkt in der Ulmer Straße weit vorangearbeitet. Richtung Untertürkheim wurden das Inselbad, der Kraftwerkskanal des Neckars und das Stadtbad mit beiden Röhren erfolgreich unterfahren. Dabei mussten die Ingenieure im Bereich des Stadtbads durchaus vorsichtig zu Werke gehen. Die beiden Tunnelröhren unterqueren das Hallenbad und auch das angrenzende Daimler-Areal in geringer Tiefe. „Die Vortriebsmannschaften sind inzwischen unter dem Karl-Benz-Platz angekommen“, erklärt der Bahnsprecher. Die Tunnelarbeiter müssen im weiteren Verlauf offensichtlich keine Schwierigkeiten befürchten. Bei den Kampfmitteluntersuchungen am Karl-Benz-Platz hätten die Sondierungs-Messgeräte, so der Bahnsprecher, nur außerhalb des Straßenraums im Bereich des Karl-Benz-Stegs angeschlagen. „Bei der Unregelmäßigkeit im Untergrund handelte es sich jedoch lediglich um eine alte Leitung.“

Probleme beim Tunnelbau Richtung Obertürkheim

Auch dort kann im Januar also weitergebohrt und gesprengt werden. Es fehlen nur noch wenige Meter: „Mitte 2019 wird der Durchschlag des Tunnels Untertürkheimer Kurve erfolgen, ebenso der Durchschlag von Tunnelvortriebsmaschine Suse im mittleren Fildertunnel. Dann wird es theoretisch möglich sein, von Untertürkheim im Süden aus bis hinauf zum Portal des Fildertunnels im Norden die Landeshauptstadt auf etwa 15 Kilometer Länge zu unterqueren und dabei rund 175 Höhenmeter komplett im Tunnel zu überwinden“, sagt der Bahnsprecher.

Im zweiten Ast des Stuttgart-21-Tunnels geht es dagegen langsamer voran. Von Wangen aus zweigen die beiden Röhren auf Höhe des Inselbads unterirdisch in Richtung Lindenschulviertel ab. In Richtung Obertürkheim wurden 2018 mit beiden Röhren der Sportplatz der SG Untertürkheim und die sich daran anschließenden Tennisplätze unterfahren. „Für den weiteren Vortrieb wird derzeit ein tragfähiges Vortriebskonzept erarbeitet, um den starken Wasserandrang dort zu bewältigen“, räumt der Bahnsprecher Herausforderungen ein.

Die Vorbereitungen für die Anbindung des künftigen Astes in der Hafenbahnstraße an die bestehenden Bahngleise in Richtung Plochingen werden dennoch zeitgleich getroffen. In der Augsburger Straße wird ein Abwasserkanal, der den Gleisbereich unterquert, durch einen neuen ersetzt.

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