Der den Jugendlichen zugedachte Platz unter der Paulinenbrücke ist ohnehin eher schaurig als schön und inzwischen auf einen Quadratmeterzahl nahe null geschrumpft. Foto: Achim Zweygarth

Zwei Ämter narren wegen fehlender Absprachen über die Nutzung des Bereichs unter der Paulinenbrücke die Jugendräte von Süd und Mitte. Diese hatten sich eine Aufenthaltsfläche erhofft, stattdessen entstehen dort zwei Tiefgarageneinfahrten.

S-Mitte/S-Süd - Das Ärgernis hat Geschichte. Die Einfahrt war dort, sie ist dort, sie bleibt dort. Vor allem: Sie war nie, auch nicht zwischenzeitlich, gestrichen oder an einer anderen Stelle geplant. So würde es jedenfalls Wolf Gläser vom Stadtplanungsamt schwören. „Alle, auch die, die sich jetzt wundern, wussten das“, sagt er. „Ich könnte Ihnen die E-Mails zeigen“.

Die Einfahrt ist die Zufahrt in die Tiefgarage des „Pauline“ getauften Bürokomplexes an der Paulinenstraße 21. Die Strabag baut den siebenstöckigen Komplex, dessen 4400 Quadratmeter Fläche im Herbst nächsten Jahres bezogen sein sollen. Die Einfahrt führt unter der Paulinenbrücke durch. Eben dort wollten die Nachwuchsparlamentarier der Jugendräte Mitte und Süd anderes bauen: eine Fläche für die Jugend. Die Pläne dafür reifen bereits seit 2008. Die Stadt hat mit der Ausarbeitung sogar ein externes Büro beauftragt. Allerdings offenbarte sich durch einen Text in dieser Zeitung den Jugendräten, dass sie an einem Plan arbeiten, der höchstwahrscheinlich keine Chance auf eine Verwirklichung hat, auch wenn, wie Gläser sagt, „Stand heute die Pläne genau so verwirklicht werden können, wie sie sind“. Dazu müsste aber die Strabag auf die Zufahrt verzichten, was theoretisch möglich, praktisch höchst unwahrscheinlich ist.

Bezirksvorsteherin fordert Ersatzgrundstück

Die Jugendräte sind keineswegs die einzigen, die sich jetzt genarrt fühlen. Selbst Veronika Kienzle, die ansonsten stets bestens informierte Bezirksvorsteherin der Stadtmitte, ahnte nichts von den Strabag-Plänen. „Das ist wirklich bitter“, sagt sie und fordert, dass die Stadt ein Ersatzgrundstück zur Verfügung stellt. Der Bezirksbeirat Mitte will das Rätsel zunächst geklärt wissen. Danach wird er sich Kienzles Forderung wohl anschließen. Die Ratskollegen im Süden werden sich im Herbst besprechen. Ihr Protest ist ebenso gewiss.

Für die Pläne der Jugendräte ist das Gartenamt zuständig, für die von der Strabag das Stadtplanungsamt. Der Gemeinderat hat die Pläne für den Pauline-Komplex bereits vor zehn Jahren genehmigt. Allerdings verschob die Strabag den Baubeginn immer wieder. Zwischenzeitlich sollten in dem Neubau keine Büros eingerichtet werden, sondern eine Tagesklinik. Ungeachtet dessen „gibt es den Vertrag seit 2002“, sagt Gläser. „Da gibt es nichts zu deuteln.“ Immer war in jenen Plänen jene Zufahrt eingezeichnet. Nachdem der Gemeinderat begann, mit dem Abriss der Paulinenbrücke zu liebäugeln und Phoenix gleich nebenan sein Einkaufszentrum Gerber plante, schlug das Stadtplanungsamt vor, die zwei Zufahrten für beide Komplexe zu vereinen. Die Stadträte interessierten sich dafür nicht sonderlich, die beiden Unternehmen halten von der Umplanung wenig. „Einer der Beteiligten lehnt das ab“, sagt Gläser, „weil ein Investor ungern über ein fremdes Grundstück zufährt.“ Es ist also kein Problem der Technik, sondern des Eigentumsrechts. Kienzle fasst das so zusammen: „Wenn zwei Erwachsene sich nicht einig werden, muss die Jugend zurückstehen.“

Ungeachtet dessen bleibt ein Rätsel, warum ein Amt ein Grundstück überplant, das ein anderes längst überplant hat. „Alle beteiligten Ämter wissen, dass es diesen Plan gibt“, sagt Gläser und meint selbstverständlich den des Stadtplanungsamts. Ursprünglich wollte der Bezirksbeirat Mitte in seiner letzten Sitzung vor der politischen Sommerpause erklärt bekommen, warum „hier Arbeitskraft und Geld verschwendet wurde“, wie es der SPD-Beirat Karl-Stephan Quadt formulierte. Dies Sitzung verging allerdings ohne Erklärung. Nun wird die Frage nach den Sommerferien beantwortet – wenn überhaupt.

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