Musik prägt das Leben von Alfons Scheirle. Zur Feier seines runden Geburtstages wird es aber auch viele Reden geben. Foto: privat

Alfons Scheirle hat musikalisch viele Akzente gesetzt, als Lehrer am Fellbacher Friedrich-Schiller-Gymnasium, beim Philharmonischen Chor und im Schwäbischen Chorverband. Entsprechend groß ist nun die Zahl der Gratulanten zum runden Geburtstag.

Alfons Scheirle feiert an diesem Dienstag, 2. April, in Fellbach seinen 90. Geburtstag. Während woanders über verkürzte Arbeitszeiten und Work-Life-Balance geredet wird, lebt der Jubilar das Gegenteil.

 

Ausgestattet mit einer robusten Gesundheit, die es ihm erlaubt, sieben Tage in der Woche geistig und körperlich aktiv zu sein, werkelt er täglich im Garten, sitzt über Notenblättern am Schreibtisch und am Flügel im Wohnzimmer oder spielt die Orgel in der katholischen Johanneskirche in Fellbach, deren Kirchenchor er leitet.

Der Name Alfons Scheirle, Vater von vier Kindern und mehrfacher Opa, ist für viele in erster Linie mit Musik verbunden. Als Pädagoge und Chorleiter, als Kirchenmusiker, als Organisator und Ideengeber für Konzerte, kennt und erlebt man ihn zielorientiert, schaffig, rührig, aufbrechend, generationenübergreifend engagiert und voller Ideen.

Der Terminkalender ist nach wie vor gut gefüllt

Alfons Scheirle hat Schulmusik, Geschichte und Musikwissenschaft studiert. Er ist ausgebildeter Kapellmeister. Von 1969 bis 1996 hat er das Fellbacher Kammerorchester geleitet. Zudem war er Lehrer am Friedrich-Schiller-Gymnasium. 32 Jahre lang, von 1966 bis 1998, hat er die Schule mit seinem Musikunterricht geprägt, sich für den Musikzug eingesetzt, sodass auch Schüler aus den Nachbarstädten den Unterricht dort besucht haben. Er hat den Schulchor, das Schulorchester und die Big Band ins Leben gerufen und geleitet, sich in Lehrplankommissionen und in der Lehrerfortbildung sowie als Fachberater für Musik mit Ausbildungs- und Prüfungsaufgaben eingebracht und im Schulfernsehen des SWF mitgearbeitet.

Er hat das offene Weihnachtsliedersingen in der Schwabenlandhalle in Fellbach „erfunden“, eine Veranstaltung mit Kultcharakter. 1998 ging Scheirle in den Ruhestand, aber nur für die Rentenversicherung. Sein Terminkalender ist nach wie vor gut gefüllt.

Nichts tun, das ist nichts für Alfons Scheirle. Er ist handwerklich geschickt und versiert, was ihm natürlich als Häuslebesitzer zupass kommt. Er hat einen grünen Daumen und baut auf seinem Stückle Gemüse, Kartoffeln und Obst an, was die Familie schon immer ein Stück weit zu Selbstversorgern gemacht hat.

Er ist ein Menschenfänger, was etwa den Philharmonischen Chor in Fellbach, wo er von 1963 bis 2009 als verantwortlicher Leiter den Takt vorgab, anbelangt. Er hat den ursprünglichen Männerchor durch die Gründung eines Kinderchores, Frauenchores, eines gemischten Chors, zwei Männerensembles und das Mitwirken am Entstehen des Kammerchors Opus 7 breit aufgestellt und zum einst größten Verein in Fellbach gemacht. Noch immer leitet er die beiden Seniorenchöre „Die Trollinger“ und „Spätlese“ und tritt mit ihnen regelmäßig auf. Eine besondere Vorliebe pflegt Alfons Scheirle für das Volkslied und die A-cappella-Chormusik, beides kann er in diesen Seniorenchören leben. Darüber hinaus gilt seine Aufmerksamkeit schon lange der Stimmbildung und dem Singen im Alter.

Eine Vorliebe für schwäbische Hausmannskost

Musik ist international und überwindet Grenzen. Für Scheirle ist das keine Floskel. Nicht nur mit dem Philharmonischen Chor Fellbach war er viel unterwegs, über Europa hinaus, auf Konzertreisen, Festivals und bei Wettbewerben. Auch mit Ensembles des Schwäbischen Chorverbands beziehungsweise des Schwäbischen Sängerbunds ist er gereist, hat sich in Ausschüssen eingebracht und in der Verbandsarbeit. Gut 300 Chorsendungen im Süddeutschen Rundfunk hat er mit verantwortet, sich für junge Menschen in der Musik eingesetzt, etwa an der Landesakademie für die musizierende Jugend Baden-Württemberg, und von 1996 bis 2008 als Bundeschormeister beim Schwäbischen Sängerbund gewirkt.

Alfons Scheirle ist bodenständig. Bis vor ein paar Jahren hat er seine Wege in Fellbach meist mit dem Fahrrad zurückgelegt. „Mein Vater mag schwäbische Hausmannskost, einen guten Kartoffelsalat und Spätzle, wenn sie handwerklich gut gemacht sind“, erzählt Tochter Uta. Als Katholik ist Scheirle besonders seiner Pfarrkirche St. Johannes in Fellbach verbunden, musikalisch und im Kirchengemeinderat. Zum 100-jährigen Jubiläum der Kirche hat er sich im vergangenen Jahr in deren Geschichte vertieft und federführend an der umfassenden Jubiläums-Broschüre mitgearbeitet.

Nach dem plötzlichen Tod der Kirchenmusikerin Rita Ermer, die 2021 verstorben ist, kümmert er sich um die musikalische Ausgestaltung der Gottesdienste, sitzt an der Orgel und leitet den Kirchenchor. Er legt Hand an, wenn Container mit gesammelten Hilfsgütern für ein Spendenprojekt in Tansania beladen werden.

Alfons Scheirle wird im großen Rahmen seinen Geburtstag feiern. Es wird viel Musik geben, offizielle Reden und persönliche Worte von Weggefährten. Man wird an seine zahlreichen Auszeichnungen – Bundesverdienstkreuz, Ehrenmedaille und Heimatmedaille des Landes Baden-Württemberg, Ehrenmedaille der Stadt Fellbach, Goldene Ehrennadel und Silcher-Nagel-Medaille des Schwäbischen Sängerbundes sowie die Ehrennadel mit Rubin des Philharmonischen Chores Fellbach – erinnern.

Fellbachs Oberbürgermeisterin Gabriele Zull will dabei sein und den Jubilar von städtischer Seite mit einer besonderen Überraschung und Widmung ehren, Scheirles Sohn Alexander kommt mit seiner Familie aus den USA dazu. Danach geht es weiter wie gewohnt, unter anderem mit den Vorbereitungen für einen Silcherabend im Stadtmuseum Fellbach am 13. Juni. Der Jubilar wird dann am Klavier sitzen – und vielleicht auch mitsingen. Denn singen ist und bleibt seine große Leidenschaft.