Erik Thommy vom VfB Stuttgart ist auf schnellen Beinen unterwegs und hat dabei den Blick für den Nebenmann. Foto: Baumann

Nach seiner Zeit in Düsseldorf kämpft Erik Thommy nun darum, beim VfB Stuttgart wieder eine wichtige Rolle einzunehmen. Der 25-jährige Fußballprofi erfüllt aber nicht nur auf dem Platz eine Funktion.

Stuttgart - Die Szene dauert gerade einmal acht Sekunden – vom Befreiungsschlag bis zum Abschluss. In dieser kurzen Zeit verdichten sich viele von den Qualitäten, die Erik Thommy als Fußballer auszeichnen: Tempo, Technik und schließlich ein Tor. Der Flügelspieler erzielte es im vergangenen November, als er aus der eigenen Hälfte startete, den Kölnern davonlief, Kingsley Schindler narrte und letztlich den Torhüter Timo Horn überwand.

Die Fans von Fortuna Düsseldorf lieben den Treffer zum 2:0-Sieg gegen den Erzrivalen, weil Thommy damals noch für die Rheinländer unter Friedhelm Funkel stürmte. Neun Monate und fünf Bundesliga-Tore später trägt der 25-Jährige wieder das Trikot mit dem Brustring. Thommy ist nach einer Saison Ausleihe zurück.

Mehr Optionen für den Trainer

Zweifel begleiteten ihn zunächst ins Schwabenland nach dem Abstieg der Düsseldorfer. Es war nicht klar, ob sich für Thommy ein Platz im VfB-Kader findet. Ein Transfer stand zur Diskussion. Doch nach dem Start in die Vorbereitung betont der Sportdirektor Sven Mislintat: „Erik Thommy ist eine sehr gute Verstärkung für uns.“ Weil sich für den Trainer Pelle­grino Matarazzo mehr Optionen in der Offensive ergeben. Denn Thommy ist nicht nur schnell, er erfüllt auch seine taktischen Aufgaben gewissenhaft.

Das war schon so, als Thommy im Winter 2018 verpflichtet wurde. Er kam für 500 000 Euro als Nobody vom FC Augsburg. Der damalige Manager Michael Reschke holte ihn, und unter dem Trainer Tayfun Korkut fand er rasch seinen Platz im Team. Bis zu seinem Abgang im Juli 2019 sind es dann 33 Erstliga-Einsätze geworden (drei Tore). Zuletzt kamen 34 für die Düsseldorfer hinzu, da sich im vergangenen Sommer die Situation für den Spieler an der Mercedesstraße etwas verzwickt darstellte.

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Der damalige VfB-Coach Tim Walter bevorzugte Spieler für das Zentrum und weniger für die Außenbahn. Zudem erhielt Thommy trotz des Abstiegs mit den Stuttgartern die Möglichkeit, weiterhin erstklassig zu spielen. Also verabschiedete er sich ohne Groll.

Jetzt nimmt er voller Ehrgeiz einen zweiten Anlauf, um beim VfB eine wichtige Rolle zu spielen. Er kann rechts wie links außen auflaufen, was die Variante ergibt, dass Nicolas Gonzalez oder Silas Wamangituka durch die Mitte stürmen könnten. Fertig wäre also der schwäbische Konterangriff, da nach dem Karriereende von Mario Gomez nur Sasa Kalajdzic und Hamadi Al Ghaddioui als Stoßstürmer vorgesehen sind.

Fast wie zuhause

„Es fühlt sich gut an, wieder hier zu sein“, sagt Thommy, der nach dem zweiten Abstieg hintereinander wieder oben bleibt. „Ich plane mit ihm“, sagt Matarazzo. Soweit dies während der Transferzeit eben möglich ist für einen Club, der um den Klassenverbleib kämpft, gleichzeitig aber ebenso um das finanzielle Überleben. „Wenn ein Spieler X für einen Betrag Y gehen könnte, dann werden wir darüber nachdenken“, sagt der Trainer.

Dass Thommy für die neue Saison die Rückennummer elf erhält, deutet jedoch darauf hin, dass er nicht zu den ersten Kandidaten gehört, die Stuttgart noch verlassen sollen. Dabei hatte es um das Trikot mit Thommys Nummer und Namenszug zu Wochenbeginn Irritationen gegeben. Es war im Fanshop nicht zu bestellen. Daraus leitete ein Service-Mitarbeiter ab, dass die Zukunft des Spielers ungeklärt sei.

Ein Missverständnis, das Thommy durch gute Leistungen vollends aus der Welt schaffen will. Mit seiner Professionalität. Wie kaum ein anderer Spieler kümmert er sich um seinen Körper. Krafttraining, Gymnastik, Ernährung und Erholung – alles Themen, die der Flügelflitzer mit dem starken rechten Fuß sehr ernst nimmt. „Meine Devise ist: Wer viel investiert, wird am Ende auch viel ernten“, sagt Thommy, der ein Athlet wie der große Cristiano Ronaldo sein will.

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Mit dieser Einstellung gibt der gebürtige Ulmer den vielen jungen Talenten im Kader ein gutes Beispiel. Dank seiner 25 Jahre zählt Thommy außerdem zu denjenigen in der Mannschaft, die auch von den Routiniers Akzeptanz erfahren. Nun muss der Mann mit den kurzen Schritten und dem aufrechten Sprintstil nur schnell seinen Platz finden, um für den VfB neue Sololäufe zu starten.

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