Rudi Häussler Firmenpatriarch kämpft weiter

Von Josef Schunder 

Die Ruine des Seeparks an der Vaihinger Straße auf dem ehemaligen Neoplan-Gelände: Wenn der Rohbau nicht winterfest gemacht wird, droht großer Schaden für die Gebäude. Foto: PPfotodesign/Leif Piechowski
Die Ruine des Seeparks an der Vaihinger Straße auf dem ehemaligen Neoplan-Gelände: Wenn der Rohbau nicht winterfest gemacht wird, droht großer Schaden für die Gebäude. Foto: PPfotodesign/Leif Piechowski

Rudi Häussler versucht „Schandfleck“ in Möhringen zu tilgen und geht finanzierende Bank an.

Stuttgart - Noch vor fünf Jahren war er Stuttgarts agilster Baulöwe. Kaum etwas ging ohne Rudi Häussler. Dann kam der Absturz: Krankheit, Operationen, Insolvenzanträge. Heute ist Häussler fast wie ein Phantom. Kaum jemand sieht ihn. Hinter den Kulissen aber kämpft er wieder.

Die Büros sind ausgeräumt, die Böden gefegt. Die einstige Zentrale der Häussler-Gruppe in Möhringen wartet auf einen Käufer. AtlantaI, wie Rudi Häussler seinen Firmensitz nannte, soll zum Jahresende veräußert sein. Aber nicht nur AtlantaI. Auch das Bürohaus Horizont im Gewerbegebiet Möhringen/Vaihingen, die noch übrigen Wohnungen im Rosenpark in Vaihingen und andere Immobilien.

Häussler verkauft das Tafelsilber. Der 83-Jährige braucht Geld. Für mehrere Gesellschaften aus seiner Firmengruppe mit 43 Unternehmen sind Insolvenzanträge gestellt, auch für die Holding. Häussler hat viel Geld in den Projekten stecken. Doch einige Baustellen ruhen - und mit den unvollendeten Gebäuden verfällt sein Vermögen.

"Dieser Schandfleck muss beseitigt werden"

Oft fährt Häussler auf dem Weg zu seinem Ersatzbüro an den Ruinen seines früheren Hoffnungsprojekts in Möhringen vorbei, den Rohbauten des Wohngebiets Seepark, Bauabschnitt1. "Dieser Schandfleck muss beseitigt werden", sagen Kommunalpolitiker und Bürger, seit die Baustelle vor sich hin gammelt - und das ist jetzt ziemlich genau ein Jahr. Auch Häussler wolle den Schandfleck weg haben, heißt es in seinem Umfeld. Er arbeite daran, obwohl er öffentlich kaum mehr in Erscheinung tritt.

Vor rund zwei Jahren, am 9.August 2009, war der herzkranke Häussler erstmals auf den Operationstisch gekommen. Bis Ende Januar 2011 folgten fünf weitere Operationen. Im Frühjahr kehrte er ins Büro zurück. Seither ist er in einem Wettlauf mit der Zeit.

Neubauten waren bereits verkauft

Wenn auch noch der Winter 2011/2012 ins Land zieht, ohne dass die Rohbauten in Möhringen winterfest gemacht wurden, könnten sie im Frühjahr abrissreif sein. Der Schaden wäre gewaltig. Die Neubauten waren eigentlich bereits zum Preis von rund 58 Millionen Euro an die Kapitalanlagegesellschaft Patrizia AG verkauft, als die Baustelle plötzlich heruntergefahren wurde und der Verkauf doch noch scheiterte.

Warum es so kam, ist für die Öffentlichkeit ein Rätsel geblieben. Die NordLB in Hannover hatte bei der Finanzierung den Löwenanteil übernommen. Doch die notariell beglaubigte Zusage des Gelds, so die Darstellung der Häussler-Gruppe, wurde nicht eingehalten. Warum? Vielleicht weil die Bankenbranche inzwischen in Turbulenzen geraten war, glaubten die einen. Vielleicht weil die NordLB den Eindruck hatte, dass Gelder nicht akkurat für den Seepark eingesetzt wurden, munkelten andere. Doch dieser Vorwurf schien bald wieder ausgeräumt.

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