Bilder eines Jahres (von links): Seit Neuestem benutzt Queen Elizabeth II. einen Stock. Abschied von Prinz Philip. Herzogin Kate in einem Kleid, das jedes Bond-Girl neidisch machen würde. Foto: Imago/Zuma Press

Ein Interview, das Wellen schlägt. Der Abschied von einem royalen Giganten. Ein Thronfolger, der sich bereit macht. Und ein Kleid mit „Lizenz zum Töten“ – das Jahr 2021 aus royaler Sicht.

London - Das Jahr 1992 hat Queen Elizabeth II. selbst als ihr „Annus horribilis“ bezeichnet, ihr Schreckensjahr. 2020 sah mit dem „Megxit“ und dem in den Missbrauchsskandal um Jeffrey Epstein verwickelten Lieblingssohn Prinz Andrew nicht viel besser aus. Doch es dürfte 2021 sein, das der hochbetagten britischen Königin den größten Kummer gemacht hat: Im Frühjahr starb ihr Ehemann, ihr „strength and stay“, Prinz Philip. Nun eine „widowed queen“ wie ihre Ur-Urgroßmutter Victoria macht Elizabeth II. tapfer allein weiter. Doch die Gesundheit lässt die 95-Jährige immer mehr im Stich.

 

2021 aus Sicht der Windsors – von Januar bis Dezember:

Januar: Das Jahr beginnt für die Windsors wie für die Menschen fast überall im Lockdown. Die Queen und Prinz Philip isolieren sich auf Schloss Windsor. Die Cambridges haben sich mit ihren drei Kindern auf ihren Landsitz Anmer Hall in Norfolk zurückgezogen. Hier feiert Herzogin Kate am 9. Januar auch ihren 39. Geburtstag.

Februar: Das Jahr 2021 bringt gleich einen ganzen Schlag neuer Windsors. Vier Urenkelchen der Queen erblicken das Licht der Welt. Im Februar wird Prinzessin Eugenie Mutter des kleinen August. Zara Tindalls Sohn Lucas wird im März geboren – der Kleine hat es so eilig, dass er auf dem Badboden in der Londoner Wohnung seiner Eltern zur Welt kommt. Im Juni werden Prinz Harry und Herzogin Meghan zum zweiten Mal Eltern. Und im September bringt Prinzessin Beatrice die kleine Sienna zur Welt.

März: Es ist das Interview, auf das die Welt gewartet hat, seit Prinz Harry und Herzogin Meghan 2020 ihren Abschied vom britischen Königshaus nahmen. Am 8. März wird im US- Fernsehen ein Gespräch zwischen der „Queen of Talk“, Oprah Winfrey, und den Sussexes ausgestrahlt. Das hat es in sich: Meghan berichtet, dass sie Depressionen bis hin zu Selbstmordgedanken quälten und niemand im Palast sie unterstützt habe. Dazu habe ein „hochrangiges Mitglied“ der Königsfamilie vor der Geburt von Archie Spekulationen darüber angestellt, wie dunkel dessen Hautfarbe ausfallen könnte. Spezifischer wird das Paar nicht. Auch die Frage, ob Meghan Kate oder Kate Meghan zum Weinen gebracht habe, erörtert die Herzogin mit Winfrey. Vor allem Prinz William soll nach der Ausstrahlung über diese Aussagen schäumen. Mobbingvorwürfe von anonym bleibenden Palastmitarbeitern lassen aber auch Meghan in keinem schmeichelhaften Licht erscheinen. Die Stimmung zwischen London und Montecito, sie ist in diesen Tagen auf dem Tiefpunkt.

April: 62 Tage vor seinem 100. Geburtstag stirbt Prinz Philip. Nach 73 gemeinsamen Jahren muss Queen Elizabeth II. ihren Ehemann zu Grabe tragen. Die Königin verliert „strength and stay“, ihren Halt in all den gemeinsamen Jahrzehnten. Mitten in der Pandemie kann die Beisetzung des Herzogs von Edinburgh nur im familiären Kreis auf Schloss Windsor stattfinden. Prinz Philip hätte es gefallen: Er war kein Freund von übertriebenem Zeremoniell und „pomp and circumstance“. Sein Lebensmotto: „No fuss“, bloß keine Umstände. Philips Beisetzung in der St. George’s Chapel bringt auch die entzweiten Brüder William und Harry zusammen: Gemeinsam gehen sie hinter dem Sarg ihres Großvaters.

Mai: Herzogin Meghan veröffentlicht ihr erstes Kinderbuch. „The Bench“, zu Deutsch „Unsere Bank“, handelt von Vater-Sohn-Beziehungen. Meghan wurde dazu inspiriert, als sie Prinz Harry im Umgang mit dem kleinen Archie beobachtete. Es liegt an der berühmten Autorin, dass es bereits vor der Veröffentlichung Kontroversen gibt. Auf Twitter munkelt man, Meghan habe abgekupfert. Bei „The Boy on the Bench“, einem Kinderbuch, das eben auch eine Bank auf dem Cover hat. Die Debatte geht so weit, dass sich schließlich die Autorin von „The Boy on the Bench“ selbst auf Twitter zu Wort meldet und Meghan verteidigt.

Mai: Als die BBC am 20. November 1995 Prinzessin Dianas Interview mit dem „Panorama“-Journalisten Martin Bashir ausstrahlte, waren die Briten schockiert. Sie sprach über ihre Bulimie, ihre Ängste – und ihre Nebenbuhlerin Camilla. Kaum minder schockiert ist die Öffentlichkeit 25 Jahre später, zu erfahren, dass die Prinzessin von Wales mit Lügen und Täuschungen von Bashir zu diesem Interview gebracht wurde. Die Windsors sind wütend und Prinz William wird so deutlich wie es ihm seine Rolle erlaubt: „Dieses Interview hat einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass die Beziehung meiner Eltern schlechter wurde und hat seitdem noch viele andere verletzt.“ Es dürfe nie mehr ausgestrahlt werden.

Juni: In einem Krankenhaus in Kalifornien kommt am 4. Juni ein Mitglied der britischen Königsfamilie zur Welt. Prinz Harry und Herzogin Meghan werden Eltern einer Tochter. Der Namen Lilibet Diana sorgt in Großbritannien für Diskussionen. Lilibet ist der familieninterne Spitzname der Queen: Ihre Eltern und ihre Schwester riefen sie so, auch Prinz Philip soll ihn benutzt haben. Ist es eine zu intime, ja gar respektlose Wahl? Und wusste die Königin Bescheid? Schließlich lässt Prinz Harry über eine Sprecherin klarstellen: Er habe die Queen nicht übergangen, sondern sie als Erste über den Namen seiner Tochter informiert. „Hätte sie das nicht unterstützt, hätten sie den Namen nicht verwendet.“ Auf ein Foto der kleinen Lilibet wartet die Öffentlichkeit bis heute.

Juli: Als die Prinzen William und Harry vor Jahren dem Bildhauer Ian Rank-Broadley den Auftrag erteilten, eine Statue ihrer verstorbenen Mutter Diana anzufertigen, haben sie vermutlich nicht geahnt, unter welchen Umständen sie diese im Sommer 2021 präsentieren würden. Die einst unzertrennlichen Brüder sind sich fremd geworden. Die Diana-Statue im „Sunken Garden“ von Kensington Palace enthüllen sie am 1. Juli (es wäre Dianas 60. Geburtstag gewesen) zwar gemeinsam – doch die ersehnte Versöhnung bringt auch diese Geste nicht.

August: Die Vorwürfe gegen Prinz Andrew sind seit Jahren bekannt – der angebliche Lieblingssohn der Queen soll in den Sexskandal um den inzwischen verstorbenen amerikanischen Multimillionär Jeffrey Epstein verwickelt sein. Im August macht eines des Epstein-Opfer, Virginia Roberts Giuffre, ernst und reicht Klage wegen des Missbrauchs Minderjähriger gegen Prinz Andrew ein. Für das Königshaus ist Andrew zur Belastung geworden: Prinz Charles und Prinz William sollen sich dafür stark gemacht haben, dass Andrew alle offiziellen Aufgaben auf Eis legt.

September: Sie melden sich eindrucksvoll aus der Elternzeit zurück – im September hebt das „Time Magazine“ Herzogin Meghan und Prinz Harry auf den Titel. Das amerikanisch-britische „Power Couple“ gehört zu den 100 einflussreichsten Menschen der Welt, die die Zeitschrift jährlich kürt. „In einer Welt, in der jeder eine Meinung hat über Menschen, die er nicht kennt, haben der Herzog und die Herzogin Mitgefühl mit Menschen, die sie nicht kennen. Sie äußern sich nicht nur – sie stürzen sich in den Kampf“, heißt es in der Begründung des „Time Magazine“. Meghans neuester Kampf: Die zweifache Mutter setzt sich dafür ein, dass endlich auch in den USA eine bezahlte Elternzeit eingeführt wird.

September:„Mr & Mrs Middleton“ – auf Instagram postet James Middleton sein Glück in die Welt. In Südfrankreich heiratet der Bruder von Herzogin Kate seine Verlobte Alizée Thevenet. Die französische Finanzanalystin nimmt den Spruch „Something old, something new, something borrowed, something blue“ sehr wörtlich – und trägt das alte Hochzeitskleid ihrer Schwiegermutter aus dem Jahr 1980.

September: Was für ein Auftritt! Herzogin Kate beehrt die James-Bond-Premiere in London – in einem bodenlangen goldenen Capekleid, über und über mit Pailletten besetzt. Und plötzlich ist auch dem nüchternsten Beobachter klar: Kate, die jetzt schon wegen ihrer Disziplin und Professionalität mit dem legendären „Prince Consort“ Philip verglichen wird, wird dereinst an der Seite von William eine spektakuläre Königin abgeben.

Oktober: 95 Jahre sind kein Pappenstiel – im Oktober wächst die Sorge um die Gesundheit der Queen. Zunächst wird Elizabeth II. mit einem Gehstock gesichtet, dann muss sie Termine absagen und schließlich sogar ins Krankenhaus. Prinz Charles beruhigt die Öffentlichkeit: Es sei nichts ernstes, aber „wenn man erst einmal 95 ist, ist alles nicht mehr so einfach wie früher. Das ist ja schon mit 73 schlimm genug“, scherzt der Thronfolger. Elizabeth II. fühlt sich offenbar noch nicht alt, den Titel „Oldie of the Year“, den ihr ein Magazin verleihen wollte, lehnt sie dankend ab. Langsam aber sicher müssen sich die Briten und Britinnen wohl an den Gedanken gewöhnen, dass selbst die Queen nicht für die Ewigkeit gemacht ist.

November: Jahrzehntelang war Prinz Charles für viele eine Witzfigur, die mit Pflanzen sprach und auf den Thron wartete. Doch weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit hat im Buckingham Palace der Wachwechsel schon längst begonnen. Charles nimmt seiner hochbetagten Mutter bereits seit mehreren Jahren viele Aufgaben ab. Bei der UN-Klimakonferenz COP26 in Glasgow im November schlägt Prinz Charles’ große Stunde. Der leidenschaftliche Umweltschützer spricht den Staatenlenkern ins Gewissen, fordert von ihnen, endlich Verantwortung zu übernehmen: „Ich beschwöre Sie, die Entscheidungsträger der Welt, praktische Wege zu finden, Meinungsverschiedenheiten zu überwinden, damit wir alle mit der Arbeit beginnen können, diesen kostbaren Planeten und die bedrohte Zukunft der jungen Menschen zu retten.“ Es ist sein Herzensthema – und er vielleicht künftig genau der richtige König für eine Welt, die sich wandeln muss.

Und was kommt 2022?

2022 wird ein besonderes Jahr für die Queen – dann sitzt Elizabeth II. 70 Jahre auf dem britischen Thron. Das „Platinum Jubilee“ hat nicht einmal Elizabeths legendäre Ur- Urgroßmutter Queen Victoria erreicht. Die Vorbereitungen für das Thronjubiläum sind längst in vollem Gange. Britinnen und Briten bekommen extra einen Tag frei, wenn Anfang Juni die 70 Jahre mit einem mehrtägigen landesweiten Fest samt feierlicher Paraden begangen werden. Nun hoffen alle, dass Corona den Feierlichkeiten keinen Strich durch die Rechnung macht – und dass die dann 96-jährige Queen im Juni bei guter Gesundheit ist.

Mit Magengrummeln wird die royale Familie aus einem anderen Grund auf das kommende Jahr schauen: Prinz Harry, der Sohn, der dem Königshaus den Rücken kehrte und nach Amerika ging, hat für 2022 seine Memoiren angekündigt.