Ein Wagen, der Stuttgart 21 kommentiert, fährt beim Rosenmontagszug durch Köln. Foto: dpa

Narren und Jecken in der ganzen Republik feiern den Höhepunkt der fünften Jahreszeit.

Wer kann verkleidet sich am Rosenmontag und geht auf die Straßen, um zu feiern. Aber was wird eigentlich gefeiert? Karneval, Fasching, Fasnet oder Fastelovend? Wir klären Sie auf, was am Höhepunkt der fünften Jahreszeit quer durch die Republik geschieht.

Die alemannische Fasnet

Rottweil: So wild und ursprünglich ist die Fastnacht nur in Rottweil: Mit lautem Geschrei und dem Ruf "Hu-hu-hu-hu-hu" sind rund 4000 Narren am Montag durch die Innenstadt gezogen. Der Rottweiler Narrensprung ist einer der Höhepunkte in der schwäbisch-alemannischen Fasnet - und einer der traditionellsten Umzüge im Südwesten. Mehr als 20.000 Menschen haben beim Narrensprung gefeiert und sich necken lassen. Denn als Zuschauer in der Rottweiler Fasnet muss man schon einiges ertragen. Immer wieder stürmt plötzlich ein Federahannes mit seinem derben Gesicht und den gefletschten Stoßzähnen auf die Zuschauer los und geht auf Beutezug.

Schramberg: Am Ende sind alle patsch-nass: Die Da-Bach-na-Fahrer (Den Bach runter Fahrer) nehmen am Fastnachtsmontag die Politiker auf die Schippe - und lassen sie in der Schiltach absaufen. Mit aufwendigen Motivwagen stürzen sie sich in den vier Grad kalten Bach. Fast 30.000 Menschen schauen sich die feucht-fröhliche Narretei an und feiern 2011 ausgelassen das 75-jährige Jubiläum der Fahrt. So politisch wie in Schramberg ist die schwäbisch-alemannische Fasnet fast nirgendwo. Stuttgart 21 und die bevorstehende Landtagswahl sind die Themen. Im Ziel begrüßen die Zuschauer die Kapitäne mit einem schallenden "patsch-nass". Sollte wirklich mal jemand das Ziel trocken erreichen, rufen die Narren "furz-trocken".

Der rheinische Karneval

Köln: 150 Wagen, 1,5 Millionen Zuschauer, 300 Tonnen Wurfmaterial, darunter 700.000 Schokoladentafeln und 220.000 Pralinenschachteln. Muss man noch mehr sagen? Kölns Rosenmontagszug ist so lang, dass sich der letzte Wagen erst in Bewegung setzt, wenn der erste schon durchs Ziel gegangen ist. Und das waren die Höhepunkte unter den Motivwagen: Guttenberg taucht aus einem Kopierer auf und verkündet: "Kopieren statt studieren!" Ein Tritt von Angela Merkel befördert ihn in die Wüste. US-Präsident Barack Obama will im Nahost-Konflikt ein Kamel durchs Nadelöhr schieben. Stuttgart 21 begräbt den gesunden Menschenverstand. Und die Libyer bringen mit Sägen, Hämmern und Stoßen das Kartenhaus des Gewaltherrschers Muammar al-Gaddafi zum Einsturz - hier war der Karneval sogar seiner Zeit voraus.

Düsseldorf: Die Düsseldorfer hatten einen Ruf zu verteidigen - und zwar den als frechster und politisch unkorrektester Karnevalszug des Landes zu haben. Und so ließen sie ihren Guttenberg an "Merkels 11. September" mit einem Kampfjet ins Kanzleramt einschlagen. Auf ihrem Gaddafi-Wagen hofierte den Öl-Diktator die Europäische Union mit einem dickem Euro-Sack. Bestseller-Autor Thilo Sarrazin ("Deutschland schafft sich ab") durchbohrte derweil als Ritter eine türkische Mutter mit voll besetztem Kinderwagen. Zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche zeigten die Düsseldorfer einen Priester mit einem kleinen Jungen auf dem Schoß. Dazu prangt am Wagen der Spruch: "Bei uns ist jeden Tag Weltjugendtag".

Politikerin als Loreley

Mainz: Das Motto in Määnz: "Egal was kommt, egal was ist, der Mainzer Narr bleibt Optimist." Schön war, dass man die Pappkameraden in Mainz gleich mit dem Original vergleichen konnte. Das galt jedenfalls für Ministerpräsident Kurt Beck und die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner, die einmal nackt als Loreley-Figur und einmal in Uniform als Zugteilnehmerin dabei war.

Thüringen: Am Rosenmontag haben die Thüringer Narren noch einmal richtig auf die Pauke gehauen. In Sondershausen säumten mehrere tausend Schaulustige den größten Rosenmontagsumzug in Thüringen. 17 Vereine mit ihren Wagen und mehrere Prinzenpaare zogen bei strahlendem Sonnenschein durch die Innenstadt.

Das Kostüm fehlt

Radevormwald: Die Polizei in Radevormwald (Oberbergischer Kreis) fahndet nach einem "Sponge Bob"-Kostüm. Einem 33-Jährigen war die auffällige Ganzkörper-Verkleidung bei einer Karnevalsfeier im örtlichen Bürgerhaus abhandengekommen, wie ein Polizeisprecher am Montag mitteilte. Der Mann hatte sein Kostüm abgelegt, um die Toilette aufzusuchen - was als "Sponge Bob" nur schwer möglich gewesen wäre. Als er Minuten später zurückkehrte, war von dem gelben Zeichentrickhelden nichts mehr zu sehen. Die Polizei sucht Zeugen für den dreisten Diebstahl.

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