Alle Aufen auf den Ball beim Wheelsoccer-Turnier Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Beim ersten bundesweiten Wheel-Soccer-Turnier in Stuttgart sind Kinder im Rollstuhl gegeneinander angetreten – mit und ohne Behinderung. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg, auch wenn dem Stargast ein Missgeschick passierte.

Stuttgart - Zwei Jahre Organisation liegen hinter Mandy und Marcel Pierer: Am Samstag haben sie das erste bundesweite Wheel-Soccer-Turnier in der Botnanger Ballspielhalle veranstaltet. Die beiden sind die Verantwortlichen der Rollikids des MTV Stuttgart aus der Rollstuhlabteilung Wheelers. „Vor ein paar Jahren haben wir in Berlin an einem Wheel-Soccer-Turnier teilgenommen und wollten das unbedingt auch machen“, erinnert sich Mandy Pierer.

Um das auf die Beine zu stellen, mussten erst einmal Mannschaften angeworben werden: „Wir haben das über die sozialen Netzwerke getan, über unsere Kontakte im Rollstuhlsport“, sagt Mandy Pierer und fügt an: „Wir haben jeder Schule und jedem Verein für Körperbehinderte eine Mappe geschickt!“ Außerdem haben sie Sponsoren gewonnen, um das Turnier zu finanzieren.

Dabei sind jetzt Teams aus Pforzheim, Köln, Nürnberg, Esslingen und die Wheelers aus Stuttgart. Alle Teams sind inklusiv, das heißt, dass Kinder mit und ohne Behinderung im Rollstuhl mitspielen. Beim Wheel-Soccer hat jede Mannschaft fünf Spieler inklusive Torwart, und ein Pezziball wird mit den Händen oder dem Rollstuhl geschoben oder gestoßen, bis er im Tor landet. Zwölf Minuten Spielzeit hat jedes Spiel.

Am Ende gewinnt das Team aus Pforzheim

Beim Eröffnungsspiel tritt die erste Mannschaft der Wheelers gegen Pforzheim an, muss sich aber 4:1 geschlagen geben. Die Rollstühle können dabei gehörig Fahrt aufnehmen, und Mandy Pierer als Kommentatorin ruft mehrmals: „Leute, lasst eure Rollstühle ganz!“ Die Pforzheimer Mannschaft behauptet sich auch am Ende des Turniers als Sieger.

Isabella Schröder ist mit ihrem Lebensgefährten Daniel Berkenkemper und dessen Tochter Nora hier. „Ich finde es wichtig, dass ein solches Turnier stattfinden kann, gerade im Behindertensport, damit die Sportart mehr Aufmerksamkeit abbekommt“, sagt sie. Berkenkemper ergänzt: „Nora tut es gut, gemeinsam mit anderen behinderten Kindern Sport zu machen.“ Die Zehnjährige ist noch gar nicht lange im Team der Wheelers. „Sie muss noch üben, Geschwindigkeit zu bekommen“, meint ihr Vater. Nora selbst tut sich noch etwas schwer, zu antworten, ob ihr der Wheel-Soccer Spaß macht. Beim Spiel ist sie aber ganz bei der Sache und hochkonzentriert.

Guido Buchwald hatte sich im Tag geirrt

Mandy und Marcel Pierer haben 2017 den Ehrenamtspreis „Stuttgarter des Jahres“ der Stuttgarter Zeitung und der Stuttgarter Versicherungsgruppe bekommen, für ihre Arbeit mit den Rollikids. Für sie ist das Wheel-Soccer-Turnier nur der Anfang. „Wir wollen nächstes oder übernächstes Jahr das nächste Turnier veranstalten“, sagt Mandy Pierer. „Dafür brauchen wir aber noch mehr Teilnehmer.“

Übrigens war VfB-Vorstand Guido Buchwald angekündigt, um mit dem ersten Kick das Turnier zu eröffnen. Er hatte 2017 den „Stuttgarter des Jahres“-Preis an die Pierers überreicht. Dass er unentschuldigt fehlte, hatte einen simplen Grund: Er hatte sich im Tag vertan – und stand am Sonntagmorgen vor der Ballsporthalle in Botnang, statt am Samstag. Die Pierers nehmen es mit Humor: „Dann hoffen wir einfach, dass er beim nächsten Turnier dabei sein kann.“

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