Rosl und Rolf lernen sich auf einer Busreise Stuttgart an den Chiemsee kennen, es knistert zwischen den beiden. Aber zurück daheim verlieren sie sich zunächst aus den Augen – bis er einfach zu ihr fährt.
Es sind graue, kühle Tage, als Adelheid-Rosina und Rolf an Ostern 1963 den ersten Satz miteinander wechseln – kein Wetter, das normalerweise Frühlingsgefühle weckt. Gerade haben sie in einem Bus Platz genommen, um von Stuttgart an den Chiemsee zu fahren, ein paar Tage Urlaub. Rolf hat einen weißen Schweinslederkoffer dabei. Adelheid-Rosina, die alle nur Rosl nennen, stellt ihre Füße drauf ab. „Pass auf, der is vo meiner Schwester“, sagt Rolf. „I stell halt bloß meine Füße ab“, antwortet Rosl. Nüchtern betrachtet ist das kein sehr romantischer Satz. Aber nimmt man die interessierten Blicke und die zwischenmenschlichen Schwingungen hinzu, erkennt man: Das ist der Beginn einer Liebesgeschichte.
Es funkt – aber dann kommt die Geschichte ins Stocken
Rolf aus Korntal, 23 Jahre alt, und die 21-jährige Rosl aus Stuttgart-Weilimdorf treffen sich rein zufällig im Bus. Rolf ist mit einer ganzen Truppe an Kumpels unterwegs, Rosl mit ihrer besten Freundin, sie kannten den Busfahrer. Und hätte der Rosl nicht überredet mitzukommen, sie hätte nie Rolfs schöne blaue Augen entdeckt, die sie intensiv anblicken. Er gefällt ihr.
Und Rosl sieht hübsch aus in dem extra für den Urlaub angefertigten Kostüm – knielanger Rock, adretter Blazer. Das fällt natürlich auch Rolf, sonst eher der Zurückhaltende, auf. Und nicht nur ihm. Als Rolf und Rosl und ihre Freunde durch Salzburg spazieren, wird geredet, gelacht, geflirtet. Alle buhlen um Rosl, auf Fotos vorm Residenzbrunnen in der Salzburger Altstadt und einem Fiaker sind immer auch andere Männer dabei. Aber sie wäre gerne mit Rolf alleine. „In Salzburg hat es gefunkt“, sagen sie heute. Aber als sie wieder heimkommen, herrscht erst mal Funkstille.
Erst Fußball, dann der erste Kuss
Zu Hause verlieren sich Rolf und Rosl aus den Augen. Aber vergessen haben sie sich nicht. Irgendwann sagt ein Kumpel von Rolf: „Komm, wir schauen jetzt, wo sie wohnt“, die Adresse haben sie, dann stehen sie auch schon vor Rosls Tür. Ab da sehen sie sich regelmäßig.
Irgendwann in der Zeit kommt es zum ersten Kuss. Wahrscheinlich nach einem von Rolfs Fußballspielen – der Sonntag ist immer fürs Kicken reserviert. Und wahrscheinlich war man davor spazieren, erzählt Rosl heute. Wer weiß das schon noch so genau nach 60 Jahren. Sicher ist, dass in einem VW Käfer geküsst wurde. „Es war etwas Besonderes, ein Auto zu haben“, sagt Rosl. Als junges, unverheiratetes Paar konnte man sonst nirgends unter sich sein.
Die Eltern sind gegen die Beziehung
Aber die Beziehung holpert in den ersten Monaten vor sich hin, man sieht sich nur ein-, zweimal in der Woche. Man ist sich mal mehr, mal weniger nahe. Und es gab Widerstand von zu Hause. Rosl ist Donaudeutsche und erst neun Jahre in Deutschland, als sie Rolf kennenlernt. Eine Donaudeutsche und ein Schwabe, „das wird nix“, sagt Rosls Mutter. Auch Rolfs Vater ist gegen die Beziehung.
Aber irgendwann Ende 1963, da kennen sie sich etwa acht Monate, verbringt er mehr Zeit in ihrer Wohnung in Ludwigsburg, die sie mittlerweile hatte, als zu Hause. Und spätestens nach einem gemeinsamen Urlaub in Kroatien, einer Fahrt mit einem gelben Opel Kadett über abenteuerliche Autobahnen des damaligen Jugoslawiens, Treffen mit Verwandten und Essen mit viel Knoblauch wissen sie: Wir gehören zusammen.
Zum Streiten war keine Zeit
Im März 1965 heiraten Rolf und Adelheid-Rosina Kröz, noch im selben Jahr kommt ihr erster Sohn zur Welt, fünfeinhalb Jahre später der zweite. Heute haben sie drei Enkel, 15, 24 und 27 Jahre alt, ein großer Teil der Familie wohnt im selben Haus in Weilimdorf. Gibt es ein Geheimnis für 58 Jahre Ehe? „Man hat zum Streiten gar keine Zeit gehabt“, sagt Rolf Kröz. Die Zeiten waren nicht immer einfach, das hört man im Gespräch raus. Aber heute wirken Rolf und Rosl, mittlerweile 83 und 81 Jahre alt, rundum zufrieden.
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