Sein Verlag wirbt für Dieter Bucks Wanderführer neuerdings mit einem Plakat. Foto: Ott

Dieter Buck wandert für sein Leben gern. Eben ist ein Buch mit seinen Lieblingsstrecken erschienen.

Rohr - Manchmal, wenn es arg regnet, schaut Dieter Buck aus dem Fenster und ärgert sich. Nicht, dass er etwas gegen Regen an sich hätte. Buck ist kein Sonnenanbeter. Aber wenn es wie aus Eimern schüttet, schlimmer noch, wenn es gewittert, kann er nicht raus. Unleidig wird er dann. Da hat er sich eine schöne Wanderstrecke auf der Landkarte ausgeguckt, hat sich in Bücher eingelesen, über Burgruinen und Klöster informiert, und dann das. Das miese Wetter fesselt ihn an seine Wohnung auf der Rohrer Höhe.

Buck meint, er wäre nicht süchtig. Nur, das nimmt man ihm nicht so recht ab. „Ich nummeriere alle meine Wanderungen“, sagt er. In den vergangenen Jahrzehnten sind 2509 Strecken zusammen gekommen, exakt, und keine davon doppelt sich. Jeden Samstag, jeden Sonntag, fast ausnahmslos, ist er unterwegs, irgendwo in Baden-Württemberg, jeweils 12 bis 15 Kilometer. „Da werden bisher wohl so 30 000 Kilometer zusammen gekommen sein“, sagt er. Buck rechnet vor: 52 Wochen mal zwei Tage minus schlechtes Wetter und die eine oder andere Verpflichtung macht 80 bis 90 neue Strecken pro Jahr.

Mehr als 100 Veröffentlichungen

Über seine Touren führt Buck nicht nur Buch, er schreibt auch welche. Es gibt wenige Autoren, die so produktiv sind. Mehr als 100 Veröffentlichungen sind zusammen gekommen; meistens sind es Wanderführer, aber auch der eine oder Bildband ist dabei. Erst vor wenigen Wochen ist sein neuestes Werk erschienen. Lieblingstouren heißt es. Die schönsten 60 Ausflüge hat er für dieses Buch zusammen gefasst. Das mit der 60 hat übrigens seinen Grund. Im Herbst wird Buck genau so alt.

„In den ersten zehn Minuten einer Wanderung geht mir noch alles Mögliche durch den Kopf, aber irgendwann überkommt mich eine schöne Ruhe“, sagt Buck. Wenn der Kies unter seinen Schuhen knirscht, die Vögel zwitschern, der Wind die Wolken vor sich hertreibt, kann er abschalten. Meist wandert er allein; er mag die Einsamkeit, die stillen Momente. Hin und wieder geniest er es auch, die Route mit Freunden zu teilen. Am liebsten ist er im Frühling und im Herbst unterwegs, der Farben wegen. Im Sommer sei doch alles nur grün, im Winter grau, meint er, abwechslungsreich ist das jedenfalls nicht.

Drei Zufälle machten aus ihm einen Wanderführerschreiber. In der Zeitung las er Wandertipps, schnitt die Artikel aus. Eines Tages erschienen aber keine Geschichten mehr. Der Autor war zu alt geworden. Buck rief in der Redaktion an, beschwerte sich – und wurde selbst als Schreiber verpflichtet. „So fing das an“, sagt er. 1983 war das. Kurz darauf klopfte er bei einem Verlag an. „Und wie es der Zufall so will, hatten die auch einen Autor, der das altershalber nicht mehr machen konnte.“ Nun schrieb Buck Bücher. „Und dann war das noch die Zeit, in der Wandern in Mode kam.“

„Ich war schon fast überall“

Wer zweieinhalbtausend Strecken kennt, kennt sich zwangsläufig auch im Süden Stuttgarts gut aus. Der Bärensee hat es ihm besonders angetan. „Das ist eine schöne Gegend. Das gefällt mir hier in der Nähe am Besten“, sagt er. Auch die Heslacher Wasserfälle sind einen Ausflug wert. Aber „in Richtung Möhringen würde ich freiwillig nicht laufen“.

Muss er auch nicht, zwischen Odenwald und Schwarzwald gibt es noch genügend unentdeckte Flecken. „Ich war schon fast überall“, sagt Buck. „Aber trotzdem fehlt mir noch unglaublich viel.“ Hier ein Dorf, durch das er noch nicht spaziert ist, dort ein Bachlauf, den er zuvor hat links liegen lassen. „Das drängt mich“, sagt er. Der Stoff für weitere Bücher wird Buck jedenfalls nicht ausgehen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: