Der Angeklagte wird von der Polizei aus dem Gerichtssaal in Ellwangen geführt. Foto: dpa

Sie wollten einen Zwist um sein demoliertes Auto „wie Männer klären“, gibt der Bruder des getöteten Gangmitglieds im Ellwanger Rockerprozess zu Protokoll. Doch dann habe der Angeklagte einfach geschossen.

Heidenheim/Ellwangen - Auslöser für die tödlichen Schüsse im Rockermilieu in Heidenheim war nach Aussage eines überlebenden Gangmitglieds ein zerstörtes Auto. „Wir wollten das klären“, sagte der Bruder des Getöteten am Montag vor dem Landgericht Ellwangen. Sein Auto sei beschädigt worden, die Scheiben eingeschlagen, die Reifen aufgestochen und später sei der Wagen sogar angezündet worden.

Er habe den Angeklagten hinter der Tat vermutet und ihn mit seinem Bruder im April mit dem Vorwurf konfrontieren, aber keine Waffengewalt anwenden wollen. „Man klärt sowas mit dem Mund. Und wir haben uns gesagt, da könnten auch die Fäuste fliegen“, sagte er. Dann habe aber der Angeklagte im Streit aber plötzlich geschossen.

Der 25-Jährige überlebte nur knapp

Der 25 Jahre alte Zeuge ist gleichzeitig Nebenkläger in dem Rockerprozess, in dem sich ein Mitglied der Black Jackets wegen Mordes verantworten muss. Der 26 Jahre alte Angeklagte soll im April vor einem Friseurgeschäft den 25-Jährigen und seinen 29-jährigen Bruder niedergeschossen haben - beide Mitglieder der verfeindeten Gruppierung United Tribuns. Der 29-Jährige starb in der Klinik an den Schusswunden. Zwischen den Straßengangs gibt es seit längerem Streit, es geht um Revierkämpfe und die Straßenhoheit in Heidenheim.

Der 25-Jährige überlebte nur knapp. Alles ging sehr schnell, gab er zu Protokoll. Auf den zerstörten Wagen angesprochen, habe der Angeklagte vor dem Friseurladen nur genickt und gegrinst - und plötzlich seine Waffe gezogen. „Ich habe gesagt: „Steck deinen Scheiß wieder ein!“ und schon hab’ ich einen Schuss abgekommen“, sagte er. Er habe einen Druck gespürt, dann sei ihm schwindlig geworden und er habe ein Loch in seinem Pullover gemerkt. Er sei auf den Rücken gestürzt und habe sich übergeben. „Ich hatte mit der Waffe niemals gerechnet, dann wären wir gar nicht hingegangen.“

Mit Rachegelüsten aus dem Koma aufgewacht

Er sei später mit Rachegelüsten aus dem Koma aufgewacht. Sein größerer Bruder habe eins gegen eins gegen den Angeklagten kämpfen wollen, man habe die Sache „wie Männer“ klären wollen, sagte er. Der Richter fragte ihn, ob die Angelegenheit mit dem Auto auch geklärt gewesen wäre, wenn sein Bruder den gewünschten Faustkampf verloren hätte. „Das ist ja wie bei Autorennen, wir sind Männer. Da zieht man sich die Jacke an und geht“, sagte der 25-Jährige. Trotzdem hatte er bei dem Streit einen Hammer dabei, sein getöteter Bruder gar einen Totschläger.

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