Ajla Buljabasic, Lukas Zimon und Johannes Rost Foto: Dreigroschentheater/Pavel

Helen Pavel inszeniert Woody Allens „Riverside Drive“ am Dreigroschentheater

Stuttgart - Das kommt vor: Da wartet man irgendwo in einem Park oder einem Platz ungeduldig auf jemand, der einfach nicht kommen will. Und dann wird man da auf einmal von jemand angequatscht mit irgendwelchen komischen Dingen, die überhaupt nicht interessant sind. Wie kommt man nur aus dieser Nummer raus?

In Woody Allens Einakter „Riverside Drive“ gibt es kein Entkommen aus dieser Nummer. Denn dieses Stück endet mit einer Leiche und mit einem Gefühlschaos bei dem erfolgreichen Drehbuchautor Jim Swain, in dessen Leben danach nichts mehr so ist wie es einmal war.

Komische Typen mit skurrilen Ideen

Nun liegt die Kolbstraße im Stuttgarter Süden nicht gerade am New Yorker Hudson River oder einem ähnlichen Ort. Aber komische Typen, die skurrile Ideen haben, indem sie etwa behaupten, Radiosignale in ihrem Kopf zu empfangen und Business-Leute, die für solche Dinge gerade überhaupt keinen Gedanken frei haben, die trifft man auch rund um das Dreigroschentheater an der Tübinger Straße oder am Marienplatz. So ist das Stück doch bestens aufgehoben dort im Dreigroschentheater. Und die Regisseurin Helen Pavel, die seit zwei Jahren diese kleine Bühne leitet, gibt auch viel Tempo in diese Inszenierung hinein. Das ist schon Großstadt-Hektik, die der Theaterbesucher freilich gelassen und amüsiert in seinem Stuhl betrachten kann. Wer an Woody Allen vor allem den Großstadt-Melancholiker schätzt – hier lernt er eine andere Seite kennen. Und das passt ja auch ganz gut zum dem Stück, das wie ein klassischer Krimi aufgebaut ist. Denn dieser Jim Swain ist keineswegs so harmlos, wie er sich zunächst gibt. Und Fred ist längst nicht so durchgeknallt, wie es zunächst den Anschein hat. Die beiden verbindet viel mehr als dem Zuschauer zunächst vermittelt wird.

Zufall oder kein Zufall

Hat Swain nun tatsächlich alle Ideen zu seinem letzten Erfolgsfilm selbst erfunden? Oder hat er nicht doch Ideen eingebaut, die er mehr oder weniger zufällig bei Gesprächen anderer belauscht hat? Und empfängt dieser Fred tatsächlich außerterrestrische Signale? Man möchte gerne darüber nachsinnieren, doch dann überrascht das Stück mit einem außerehelichen Verhältnis des Drehbuchautors, der dieses jetzt eigentlich beenden möchte.

Zurück auf dem Marienplatz

Johannes Rost und Lukas Zimon spielen die beiden Männer mit Volldampf. Zimon gibt dem Fred mephistophelische Züge, denn de facto ist er ein Stalker, der sein Opfer schon längere Zeit beobachtet hat, der deshalb immer schon ganz gut weiß, was nun als nächstes kommen wird. Rost bleibt da oft die Pose des völlig Überraschten oder Aufgebrachten, da er mit so einem Gegenüber ja nicht gerechnet hat. Als Erfolgsmensch hat er freilich auch etliche Formeln des souveränen Auftretens im Repertoire, mit denen sich viel überspielen lässt. Da ist natürlich die Spannung groß hin auf den Moment, wenn Barbara als Geliebte auftritt. Doch die erkennt die Situation schnell und schlägt daraus Kapital – im wahren Sinn des Wortes. Ajla Buljabasic jedenfalls lässt in ihrer direkten Art keinen Zweifel daran, dass sie da nicht mit sich verhandeln lässt.

So vergeht dieser Theaterabend wie im Flug. Und schon steht man am Marienplatz – und trifft vielleicht auf jemand, der gerade wirklich Botschaften von Außerirdischen empfängt.

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