Die Ringerstreit-Kontrahenten Joachim Beckmann und Frank Stäbler haben ihre Auseinandersetzung offiziell für beendet erklärt. Ist nun ein Neuanfang in Musberg möglich? Diese Frage stellt sich auch aus einem anderem Grund.
Steht der Ringersport in Musberg nach Jahren der Zerwürfnisse über Vereinsräume und viel Geld vor einem Neuanfang? Können sich der alteingesessene Sportverein TSV Musberg und der Kraftsportverein (KSV) wieder annähern? Schlüpft der KSV, der sich vom TSV losgesagt hatte, und im umgebauten Hühnerstall von Frank Stäbler trainieren darf, vielleicht sogar wieder unter das Dach des TSV? Diese Fragen stellen sich aus mehreren Gründen.
Zum einem hat Joachim Beckmann, Vorsitzender des TSV Musberg, ein Schreiben an die Presse verschickt, das zu solchen Gedankenspielen anregt. In dem Papier steht, auf welche Sprachregelung sich die Ringerstreit-Kontrahenten in einem Vergleich, der am Landgericht Stuttgart geschlossen wurde, verständigt haben.
Zum besseren Verständnis: Der TSV mit Vorsitzendem Joachim Beckmann und der mehrfache Ringer-Weltmeister Frank Stäbler hatten sich zuletzt in der Öffentlichkeit und vor Gericht unter anderem wegen eines von Stäbler im Februar 2020 veröffentlichten Videos mit dem Titel „Ringerstreit — Die Wahrheit — Die Zukunft“, gestritten. Der TSV und Beckmann hatten gegen Äußerungen von Stäbler, die in dem Video auftauchen, auf Unterlassung geklagt.
Die Sportstadt Musberg gemeinsam größer machen
Stäbler sowie der TSV mit Beckmann erklären in dem Schreiben den Ringerstreit, der nicht nur Musberg lange Zeit belastet hat, als einvernehmlich beendet. Beide Seiten drücken ihr Bedauern aus, wenn auch in unterschiedlicher Weise. „Nach meiner Olympiarückkehr aus Tokio haben mein früherer Sportverein, TSV Musberg, dessen Vorsitzender Dr. Joachim Beckmann und ich uns ausgesprochen“, wird Frank Stäbler zitiert. Und: „Ich freue mich, dass wir nun alle nach vorne schauen können und die Sportstadt Musberg künftig gemeinsam im Gemeinwohlinteresse noch größer machen werden.“
Zu besagtem Video ist folgende Aussage von Frank Stäbler zu lesen: „Darin habe ich meine subjektive Sicht der Dinge wiedergegeben. Ich sehe ein, dass andere darauf eine hiervon abweichende Sicht haben. Ich bedauere, dass es so weit gekommen ist.“
Seitens des TSV und von Joachim Beckmann heißt es: „Wir sind froh, dass wir uns mit Frank Stäbler aussprechen und den Streit zum Wohle der Sportstadt Musberg beilegen konnten.“ Und: „Wir bedauern, dass der Streit so weit eskaliert ist. Wenn sich die Wege von Frank Stäbler und uns künftig wieder kreuzen sollten, dann nur für sportliche Projekte und im Gemeinwohlinteresse.“
Vorstandswahlen beim TSV stehen an
In das verschickte Papier lässt sich nun viel hineindeuten. Zu einem klärenden, gemeinsamen Pressegespräch mit Frank Stäbler, wie von unserer Zeitung angefragt, ist Joachim Beckmann nicht bereit. Er will zu dem vor dem Landgericht geschlossenen Vergleich auch nichts Weiteres sagen. Nur soviel: „Für mich ist das Thema damit erledigt.“ Interessant ist aber, dass Joachim Beckmann schon in wenigen Tagen sein Amt als Vorsitzender des TSV Musberg zur Verfügung stellen wird. Am Donnerstag, 30. Juni, stehen Vorstandswahlen bei der Hauptversammlung des TSV an. Beckmann wird sich nicht mehr zur Wahl stellen. Das habe nichts mit dem Ringerstreit zu tun, erklärt er. „Ich werde 75 Jahre alt und gehe in den Ruhestand“, sagt er. Bereits 2007 habe er die Aufgaben des Vorsitzenden schon einmal in die Hände Jüngerer gelegt. 2013 habe man ihn dann als Vereinschef reaktiviert.
Die obersten Ansprechpartner beim TSV Musberg werden also schon bald andere sein. Ist unter diesen Bedingungen künftig eine Zusammenarbeit zwischen den beiden Vereinen wieder möglich? Ist eine Rückkehr der Ringer des KSV in den TSV Musberg dadurch realistischer geworden? KSV-Chef Andreas Stäbler antwortet auf diese Fragen ausweichend. Er wolle zunächst abwarten, wer auf Joachim Beckmann folge. Wenn die neuen Strukturen beim TSV dann stehen, wolle er sich diese anschauen und sei dann zumindest offen für ergebnisoffene Gespräche. „Wir Ringer waren immer für gemeinsame Wege, wir wollten von Anfang an keinen Streit, wir wollten nur unseren Sport machen“, schiebt der KSV-Chef noch nach.