Frank Stäbler bei einem improvisierten Training im ehemalige Kuhstall in Musberg. Foto: dpa

Deutschlands Topringer Frank Stäbler fährt zuversichtlich zur WM nach Budapest – trotz ziemlich viel Stress im Training. Er hat ja seine Tochter dabei.

Leinfelden-Echterdingen - Wenn es klappt, dürfte die Überschrift klar sein: „Der Weltmeister aus dem Kuhstall“. Frank Stäbler strebt bei den Ringer-Weltmeisterschaften in Budapest (20. bis zum 28. Oktober) seinen dritten WM-Titel nach 2015 in Las Vegas und 2017 in Paris an. Wenn ihm das gelingen sollte, wäre das in mancherlei Hinsicht bemerkenswert.

Zum einen tritt der griechisch-römisch- Spezialist in der neuen 72-Kilo-Klasse an, nachdem er seine Titel zuvor in der 66- beziehungsweise 71-Kilo-Klasse errungen hat. „Das wäre ein historischer Erfolg“, erklärt er. Zum anderen litt seine Vorbereitung unter dem Streit seines alten Vereins TSV Musberg mit seinem neuen KSV Musberg um Trainingszeiten. Dieser Streit zwang ihn zeitweise zum Üben im ehemaligen Kuhstall der Familie, weil die Kommune als Hausherrin der Halle die Belegungshoheit beim TSV beließ. Im Filderort kursiert seither das Bonmot: In anderen Städten benennt man Hallen nach einem Weltmeister, hier schmeißt man ihn raus.

Seit 2016 hat Frank Stäbler alle profi-Kämpfe gewonnen

Trotz allem geht der junge Vater optimistisch an die wichtigste Aufgabe in diesem Jahr heran. Seit 2016 hat Stäbler (29) alle 41 Profikämpfe national und international gewonnen. Die letzte Niederlage fügte ihm der Ungar Balint Korpasi 2016 in der Bundesliga zu. Außerdem plagten den oft verletzten Sportsoldaten dieses Jahr nur lästige, aber beherrschbare Verletzungen im Hand- und Fußgelenk. Der im August vermutete Herzinfarkt stellte sich rasch als zwei verschobene Rippen heraus, die Nerven in der Herzgegend bedrängt hatten.

Körperlich ist er fit, unsicher ist aber, mit welchen Gegnern er es zu tun haben wird. Da bei Weltmeisterschaften das Gewicht nicht mehr an Abend zuvor, sondern am Tag des Wettkampfs gemessen wird, kann extremes Abkochen bis zum Kampf nicht kompensiert werden. Stäbler wiegt 75 Kilogramm, für ihn ist das Limit kein Problem. Sein letzter Bezwinger Korpasi kommt gewichtsmäßig von oben und hat in seiner Heimatstadt Budapest 8000 Fans im Rücken. 60 Menschen in der Halle werden Stäbler anfeuern, der von einer Delegation Musberger nach Ungarn begleitet wird. Auch seine Frau Sandra und die sechsmonatige Tochter Alia Marie sind dabei. „Die Kleine ist mein Glücksbringer“, sagt der sechsmalige deutsche Meister.

Seine kleine Tochter ist sein Glücksbringer

Zuversicht gibt Stäbler auch die Zusammenarbeit mit dem Mentalcoach Christian Bischoff, der ihm eine andere Sicht der Dinge eingeimpft hat. „Wenn Probleme auftreten, sehe ich die als Aufforderung, noch mehr zu geben und ,Jetzt erst recht’ zu sagen.“ Für den Titel muss er alles geben, Stäbler rechnet mit sieben anderen Athleten, die eine Titelchance haben. Und er weiß um die anderen Unwägbarkeiten des Sports. 2013 wurde er bei seiner ersten WM-Medaille (Bronze) in Budapest von korrupten Mattenrichtern im Kampf gegen den russischen Olympiasieger Albijew um eine Titelchance betrogen. „Zwei der Kampfrichter wurden danach lebenslang gesperrt, aber mir hat das nichts mehr genützt“, sagt er. Jetzt lautet sein Credo: So überlegen ringen, dass man den Kampf nicht anders werten kann.

Dafür hat er in den vergangenen Monaten hart trainiert – unter anderem auch im Ringerraum, den er nur zu bestimmten Zeiten betreten darf. „Ich gehe zur Zeit einfach hin, wenn ich will“, sagt Stäbler. Joachim Beckmann, der Vorsitzende des TSV Musberg und Stäbler in tiefer Feindschaft verbunden, hält still. Ein dritter Weltmeistertitel würde Stäblers neuem Verein KSV im provinziellen Musberger Ringerkrieg sicher helfen. Deshalb drücken aber nicht alle im gespaltenen Dorf ihrem erfolgreichsten Sportler kommende Woche die Daumen.

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