Riedsee in Stuttgart-Möhringen Fische und Vögel leiden unter zu viel Müll

Von Gabriel Bock 

Eine Menge Plastik, Flaschen und Abfall haben die Angler im und um den Riedsee gesammelt. Dazu gab’s einen Container voller Gehölz, das aus dem See musste. Foto: Gabriel Bock
Eine Menge Plastik, Flaschen und Abfall haben die Angler im und um den Riedsee gesammelt. Dazu gab’s einen Container voller Gehölz, das aus dem See musste. Foto: Gabriel Bock

Der örtliche Anglerverein ist mal wieder losgezogen, um den Riedsee von Unrat zu befreien. Die Aktion war leider äußerst erfolgreich. Auch wenn diesmal keine Matratze auftauchte, dafür gab es aber andere Kuriositäten.

Möhringen - Tief hängen die beiden Männer über dem Wasser des Riedsees. Sie ziehen mit aller Kraft an ihren Rechen, um einen meterlangen Ast vom Grund des Gewässers zu befreien. Ihr kleines Boot neigt sich so sehr, dass man sich fragt, warum sie nicht umkippen. „Man braucht schon Balance, um das zu machen“, sagt Sascha Schächer. Er ist Vorsitzender des Anglervereins Möhringen. Dieseer hat den Riedsee und den Probstsee bei Möhringen von der Stadt Stuttgart gepachtet. Der Verein pflegt die beiden Seen, um darin fischen zu können.

Vier- bis fünfmal im Jahr rücken Schächer, seine Vereinskollegen und die Jugend an, um die Gewässer zu putzen. Während die alten Angler den Müll aus dem See ziehen, suchen die jungen, bewaffnet mit Greifzange und Müllsack, das Ufer ab. Fündig werden beide Gruppen.

Die Angler finden neben Flaschen und Kippen auch Kurioses

„Den größten Anteil machen natürlich Flaschen aus, aber auch Plastik gibt es enorm viel“, sagt Schächer. Er macht mehrere Gruppen dafür verantwortlich, dass insbesondere der Riedsee ohne regelmäßiges Putzen recht bald einer Müllhalde gleichen würde. Für die vielen Flaschen und das Plastik macht er vor allem die Jugendlichen verantwortlich, die sich oft abends am Riedsee treffen. „Die decken sich im Kaufland um die Ecke ein, trinken das Zeug dann hier und lassen den Müll danach einfach liegen oder werfen ihn in den See“, so Schächer.

Neben Flaschen, Plastikverpackungen und Zigarettenstummeln finden die Angler aber auch jede Menge Kurioses. Sie haben schon Gullideckel, Matratzen und Säcke voller Kleidung gefunden. Diesmal ist aber außer Damenunterwäsche und einem Eimer Wandfarbe wenig Aufregendes dabei.

Für die Fische ist der künstliche Müll gefährlich. Insbesondere die Karpfen nehmen kleinere Partikel bei der Nahrungssuche am Seegrund schnell auf und verenden dann daran. „In den Mägen der Fische haben wir schon viel gefunden, vom Zigarettenstummel über Weinkorken bis hin zu Schlüsseln“, sagt Schächer. Neben dem Karpfen leben im Riedsee Hechte, Schleien und einige kleinere Fischarten, die die Angler Weißfische nennen. Auch sie sind vom Müll bedroht. Zudem finden sich an den Seen viele Vögel, darunter die Nilgans und der seltene Eisvogel. Auch diese nehmen Plastik mit der Nahrung auf oder schneiden sich an Glasscherben.

Am liebsten würden die Fischer den See ausbacken

Der viele menschliche Müll ist allerdings nur ein Teil des Problems. Der andere sind Äste, Laub und Gehölz, die im See landen und dort verrotten. So entstehen Gase, die die Qualität des Wassers beeinträchtigen und den Fischen schaden. „Der See ist die reinste Güllegrube“, sagt einer von Schächers Mitstreitern.

Die Äste kommen nach der Ansicht der Angler dadurch in den See, dass die umliegenden Bäume im Auftrag der Stadt geschnitten und der Unrat ins Wasser geschmissen würde. Am Grund des Sees bilde sich eine Schlammschicht. Am liebsten würden sie den See deshalb ausbaggern. Da gibt es aber auch Probleme. „Der Bezirksbeirat hat dem Ausbaggern zugestimmt, aber die Ämter der Stadt stellen sich quer“, sagt Schächer. Der größte Einwand sei, dass ein Bagger zu viel Grünfläche kaputt mache. Die Angler wären aber bereit, die Schäden selbst wieder zu beseitigen.

Den besten Schutz hätten Fische , Vögel und See aber natürlich vor allem dann, wenn die Bürger den See wieder weniger als Müllhalde missbrauchen würden. Die Möhringer Angler wollen deshalb jetzt an die Schulen in der Umgebung gehen und die Schüler dafür sensibilisieren, was passiert, wenn der Weg zum Mülleimer mal wieder zu weit war.

Redaktion Möhringen

Ansprechpartner
Sandra Hintermayr und Rüdiger Ott
moehringen@stz.zgs.de

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