Der Freiburger Richard Schindler will mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Deshalb darf man während seiner Stuttgarter Ausstellung auch nachts bei ihm klingeln.
Der Freiburger Künstler Richard Schindler verpackt in seiner Ausstellung im Künstlerbund Baden-Württemberg mitgebrachte Geschenke – kostenlos.
Herr Schindler, Sie versprechen, in Ihrer Ausstellung Geschenke zu verpacken. Ein Service, um Publikum anzuziehen?
Nein, ich halte das Schenken für eine ganz wichtige zwischenmenschliche Kategorie. Mein Geschenk ist die Verpackung. Ich arbeite mit Karton, und es entstehen Kunstobjekte, die die meisten Leute behalten und nicht weiterschenken.
Auch in der Buchhandlung oder der Parfümerie kann sich Dinge verpacken lassen, allerdings muss man sie dort kaufen. Sie machen das aus purer Menschenliebe?
Die Leute bringen mit, was sie haben. Wenn sie hinreichend Zeit haben, setzen sie sich, wir unterhalten uns über Gott und die Welt – und ich lasse mir ein Objekt einfallen, in dem das Mitbringsel verschwindet, so dass man es nicht mehr sieht.
Außerdem sind Sie – angeblich – rund um die Uhr vor Ort. Wollen Sie sich die Hotelkosten sparen?
Sie sind ja ganz schön raffiniert . . . Nein. Ich habe seit Jahrzehnten ein Schild an meiner Ateliertür hängen: Der Künstler ist anwesend. Das ist eine Aufforderung, da zu sein, wenn ich denn schon da bin. Es steht ja nicht darauf, wo ich bin. Es ist nur entscheidend, dass man geistig anwesend ist im Leben. Ich installiere eine Funkklingel – und man kann zu jeder Zeit kommen.
Sie bieten auch Stadtspaziergänge an, warum nur für fünf Personen?
Wir unterhalten uns dabei. Ich habe das schon in Freiburg und Yokohama gemacht. Wenn man mit einer großen Blase durch die Stadt geht, kommt kein Gespräch zustande. Es geht darum, dass wir uns austauschen.
Und das ist das Ziel Ihrer Kunst, sich auszutauschen?
Ich zeige auch ganz klassisch Objekte, Zeichnungen und Bilder. Ich schlage hier ein temporäres Atelier auf, habe eine schöne Schlafstelle und ein Bücherregal eingerichtet. Wenn niemand da ist, werde ich arbeiten. Aber einen appellativen Charakter hat jede Kunst. Die Erfahrung, die man mit der Kunst macht, führt im günstigsten Fall zu einem Gespräch.
Ausstellung bis 24. Juni, Gerberstraße 5 c, rund um die Uhr geöffnet