Für das neue Metropol haben Denkmalschützer die Lichtkuppel im großen Saal freigelegt und mit Blattgold verkleidet. Foto: /Stzn

Um das Metropol ist jahrelang gekämpft worden. Jetzt erneuern Denkmalschützer das Traditionskino. Die einst zugebaute Lichtkuppel im großen Saal wird dafür freigelegt.

Träumen soll sich wieder lohnen. In Kinosälen träumt man besonders schön. Dort, wo die Fondsgesellschaft Union Investment als Eigentümerin zunächst ans Bouldern dachte, entsteht ein wahres Schmuckstück für die Stuttgarter Kultur. Lange ist nach dem Auszug des letzten Kinomieters um die Zukunft des Metropols gerungen worden – da braucht auch der Umbau ein bisschen länger als zunächst geplant.

 

Nur so lassen sich die hohen Ansprüche des neuen Mieters und der Denkmalschützer erfüllen. „So sind wir Schwaben“, sagt Heinz Lochmann, der Chef der Kette Traumpalast mit Sitz in Rudersberg, die nun erstmals in der Landeshauptstadt Fuß fasst, „wenn wir was machen, dann machet mir’s scho recht.“

Exklusiv gewährt Lochmann unserer Redaktion Einblicke in das Innenleben eines Kulturdenkmals, das nach den Originalplänen golden glänzen soll. Alles wird heller, großstädtischer, edler. Als die Eigentümer Anfang 2021 mitteilten, sie wollten das bisherige Kino an die Betreiber einer Boulderhalle vermieten, gab es viele Proteste gegen diese Pläne – und am Ende wurden sie vom Denkmalschutzamt gestoppt.

Lochmann glaubt an die Zukunft der Kinos

Einst besaß das Metropol als Varietétheater, das im alten Bahnhof entstanden ist, zwei große Lichtkuppeln. Als man aus eins zwei oder gar drei machte, als der Trend zur Verschachtelung von Kinos ging, ist nur im oberen, kleineren Filmtheatersaal das imposante Rundfenster geblieben, das sich abdunkeln lässt. Im großen Saal dagegen wurde die Decke zugebaut. Dies wird nun rückgängig gemacht – in enger Abstimmung mit den Kulturgutschützern aus dem Rathaus. Künftig gibt es auch im Haupttheater eine Lichtkuppel, die mit Blattgold verkleidet wird.

Drei Säle mit moderner Technik und stimmungsvollem Ambiente sollen neue Maßstäbe setzen. Das Traditionskino mit Bahnhofscharme wird wachgeküsst. Die Investitionen, die Lochmann in Stuttgart tätigt, sind nicht unerheblich. Exakte Zahlen nennt er nicht. Doch der Cineast aus Leidenschaft glaubt an die Zukunft der Kinos. Nur das Kino biete „dieses Gemeinschaftsgefühl“, sagt er, da komme Netflix nicht mit.

Wann eröffnet Lochmann sein neues Schmuckstück?

Aus dem früheren Bäckermeister ist ein kinoverrückter Unternehmer geworden, der Dialoge der Filmgeschichte auswendig vortragen kann: Mitte der 70er hat sich der 1959 geborene Heinz Lochmann nach dem Tod seiner Tante um ihre Löwenlichtspiele in Rudersberg gekümmert – und Feuer für eine Branche gefangen, die große Gefühle erleben lässt. Sein Unternehmen expandiert seitdem immer weiter in die Republik hinein.

Wann startet das Metropol an der Bolzstraße, das Lochmann „zu einem der schönsten Kinos in Deutschland“ machen will? Der genaue Termin steht noch nicht fest. Der Traumpalast-Chef will die glanzvolle Eröffnung erst nach der Fußball-EM feiern, weil es während der Großveranstaltung schwer fallen dürfte, Kinosäle zu füllen. „Wir starten, wenn ein Film kommt, der ins Metropol passt“, sagt er – also eine ganz große Nummer sollte es schon sein.